Rückblick auf über vier Jahrzehnte

Nur noch wenige Tage trennen Margrit Post, Bea und Wisi Untersander von ihrer Pensionierung. Nach über vierzig Jahren haben die Lehrerin und das Hauswartehepaar am 8. Juli ihren letzten Tag in der Primarschulgemeinde Altstätten.

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ALTSTÄTTEN. 1972 herrschte Lehrermangel und Margrit Post wurde angefragt, ob sie in der Primarschule arbeiten möchte. Sie beschreibt ihren ersten Arbeitstag als super. «Endlich konnte ich alleine fuhrwerken. Ausser im Schulhaus Schöntal habe ich in allen Schulhäusern unterrichtet, zwischendurch war ich aus-hilfsweise auch auf der Oberstufe tätig», meint Post.

Putzlappen aus Duschtüchern

Ganz anders haben Untersanders ihren ersten Arbeitstag am 1. Oktober 1975 in Erinnerung. Sie seien fürs Schulareal Klaus, die Turnhallen Schöntal sowie die Aussenanlagen beim Schöntal zuständig gewesen. Lachend meint Bea Untersander, zu Beginn hätten sie gedacht, diese grosse Arbeit würden sie nie schaffen. Eine Einführung gab es nicht, zudem stand im Herbst gleich der Grossputz an. Nicht mit hilfreichen Maschinen, modernen Mikrofaserlappen und ultraschnellen Reinigungsmitteln wie heute, das meiste wurde von Hand geputzt. Im alten Schulhaus Klaus wurden sogar im Herbst noch die Vorfenster für den Winter montiert, im Frühling wieder abmontiert.

Die Fenster mussten mit Muskelkraft von Keller und Estrich zu den einzelnen Zimmern getragen und eingesetzt werden. Wisi Untersander ergänzt: «Wir hätten uns nie gewagt, Papierrollen für die Fensterreinigung zu kaufen. Aus liegen gebliebenen Duschtüchern wurden Putzlappen geschnitten und fürs Nachtrocknen verwendet, nichts wurde weggeworfen», schmunzelt er.

Schüler verkauft Kaninchen

Margrit Post hat fünf, Bea und Wisi Untersander haben sechs Schulratspräsidenten erlebt. Mit ihnen allen hätten sie ein gutes Auskommen gehabt. Margrit Post meint, dass der Elternkontakt intensiver geworden sei, was sie sehr schätze, früher habe es nur den einen Elternabend gegeben. Die Gestaltung von Arbeitsblättern, das Suchen von Arbeitsmaterial, die Notenverwaltung – vieles sei einfacher geworden.

Unstimmig für sie sei aber, dass die Schule Aufgaben übernehmen müsse, die zu Hause nicht mehr wahrgenommen würden, für die kindliche Entwicklung aber sehr wichtig seien. Sich in der freien Natur bewegen, Geschichten hören, vieles kennen die Kinder nicht mehr. Als wahren Jungbrunnen bezeichnet Margrit Post die Schule: «Du kannst es dir gar nicht leisten, nicht fortschrittlich, nicht begeistert, nicht voller Ideen zu sein. Es ist einfach schön, Kinder ein kleines Stück ihres Lebens begleiten zu dürfen. Eine Mittelstufenschülerin, Deutsch war nicht ihre Muttersprache, hat mir einmal in einem Abschiedsbrieflein geschrieben: «Sie haben mir gezeigt, dass Schule auch anders sein kann …» Ein Kompliment, das sich bestimmt jede Lehrkraft wünscht.

Als eindrückliches Erlebnis bezeichnet Margrit Post das Fehlen eines Jungen nach der Pause. Als er dann mit einer Stunde Verspätung doch noch eintraf, meinte dieser, er sei auf dem Markt gewesen, denn er hätte unbedingt noch seine Kaninchen verkaufen müssen.

Toilette im Wald

Ein Höhepunkt im Schulhaus Klaus ist jeweils der Sternmarsch. Aus verschiedenen Destinationen treffen sich die Kinder an einem bestimmten Ort. Dann wird grilliert, gespielt usw. Und im Vorfeld wurde natürlich alles von den Untersanders an den Ort transportiert, der vielfach nur mit dem Traktor angefahren werden konnte.

Eine Toilette suchten die Kinder natürlich vergebens. Also nahm Wisi Untersander einen Schultisch, sägte ein Loch heraus, dann wurde das Ganze etwas in der Erde eingegraben, ein Halter für das Toilettenpapier angebracht, rundum ein Sichtschutz angebracht – und fertig war die mobile Toilette. Bis heute ist diese in Betrieb und jedes Mal ein Highlight für die Kinder.

Ihnen allen geht vieles durch den Kopf, wenn sie an ihren letzten Arbeitstag denken. Margrit Post vergleicht es mit dem Betrachten eines Gemäldes. Bilder, die den Gang schmücken, schön gebundene Hefte zum Ende des Schuljahres, kleinere und grössere Darbietungen, die erarbeitet wurden. Sie alle freuen sich auf das, was kommt. Die Tagesstrukturen sind nicht mehr vorgegeben, sie selbst bestimmen den Tagesablauf.

«Wir lassen es auf uns zukommen und werden es geniessen, das Neue», meinen die drei. Bea und Wisi Untersander kommen aber nicht umhin zu ergänzen: «Wenn Not am Mann ist, wir helfen immer gerne. Sei es mit Ribel bei einem Anlass oder mit dem Traktor bei Transporten.» Man spürt, das Loslassen wird ihnen doch nicht so leicht fallen. (sk)