Rue de Blamage

Keine 100 Meter ist sie lang, die Rue de Blamage. Es braucht keinen Spitzenathleten, um sie unter zehn Sekunden zu durchqueren. Trotzdem gibt es Fälle, da wurde der Sprint zur Tour, startete am Nachmittag und endete erst am nächsten Morgen – meist wurde die Strecke dann aber mehrmals «vermessen».

Reto Wälter
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Zurzeit wird an der Rue de Blamage gebaut, symbolisch nicht unpassend, das Verbotsschild und Kreiselzeichen. (Bild: Reto Wälter)

Zurzeit wird an der Rue de Blamage gebaut, symbolisch nicht unpassend, das Verbotsschild und Kreiselzeichen. (Bild: Reto Wälter)

Keine 100 Meter ist sie lang, die Rue de Blamage. Es braucht keinen Spitzenathleten, um sie unter zehn Sekunden zu durchqueren. Trotzdem gibt es Fälle, da wurde der Sprint zur Tour, startete am Nachmittag und endete erst am nächsten Morgen – meist wurde die Strecke dann aber mehrmals «vermessen».

Hochwassergefährdet

Die Rue de Blamage ist ein kleiner, aber mit Abstand der «feuchteste» Teil der Trogenerstrasse. Den Ausspruch «Würde der weltweit täglich getrunkene Alkohol zusammengeführt, dann ergäbe das einen Fluss wie die Londoner Themse» ähnlich übertrieben auf die Rue de Blamage angewandt, hiesse dann, dass sie oft Hochwasser gefährdet ist. Das liegt daran, dass die sechs Restaurants Kreuz, Büezer Pub, Soirée, Gemsli Alpenthai, Zick Zack Bar (früher Grüner Baum), Jacks (zurzeit geschlossen, früher die spanische Weinhalle) praktisch nebeneinanderliegen. Es bietet sich da natürlich an, nach dem einen oder anderen Bier in der einen Bar, auch noch schnell in die nächste reinzuschauen. Der inoffizielle Name erschliesst sich also von selbst.

17 Restaurants im Blickfeld

Oftmals ist die Rue de Blamage auch einfach Endstation in mehrerem Sinn: In Altstätten als einem eigentlichen «Beizenmekka» lässt sich ja auch in vielen anderen Restaurants verweilen oder auch gut speisen. Plaziert man sich unterhalb des Coop auf der Breite, muss man fast keinen Schritt tun und sich nur im Kreis drehen, damit man 17 Restaurants im Blickfeld hat. Nebst den erwähnten sechs sind dies: vis-A-vis Bistro, Hopfenstube, Linde, (früher noch die Krone), Weisses Schäfli, Breite, L'Angelo dei Sapori (Klostermühle), Migros, Appenzellerhof, Frauenhof, Brauhaus (Prestegg), Il Portico (Rössli).

Das Zentrum des Nachtlebens ist aber die Rue de Blamage. Früher in der Region als «der Ausgangsort» bekannt, wurde es in den letzten Jahren ruhiger, seit unter dem vorherigen Stadtpräsidenten Daniel Bühler die Schliessungszeiten rigoros durchgesetzt wurden. Entleerte sich die Rue de Blamage früher an den Wochenenden langsam und kontinuierlich über die ganze Nacht hinweg, ziehen nun nach der gleichzeitigen Schliessung aller Bars ganze Gruppen durch die Altstadt auf der Suche nach einem «Ziel». Natürlich nicht zur Freude der Nachbarn.

Dörfliche Ruhe in der Stadt

Lärm und Vandalismus sind diesbezüglich ein Dauerthema in der Stadt, deren Bewohner sich dörfliche Verhältnisse in Sachen Ruhe wünschen.

«Dass weniger Leute ihren Ausgang an der Rue de Blamage verbringen, hat aber auch damit zu tun, dass in vielen Beizen die Wirte nicht mehr selber hinter der Theke stehen, keine Beständigkeit herrscht, eine Identifikationsfigur fehlt», sagt Serjoscha Graber, der seit elf Jahren im Soirée wirtet. Habe früher der Wochenend-Betrieb bereits am Donnerstag begonnen, sei heutzutage allenfalls noch am Samstag gehörig Betrieb. Dann kann die kurze Strecke zu einem Hindernislauf werden, die Sekunden verwandeln sich in Stunden und die Erinnerungen daran vielleicht sogar zur Blamage.