Rosen im November

Gerne hätte ich noch den Duft dieses Sträusschens offeriert! Dass aber in der zweiten Hälfte des Novembers 2015 ein solcher Strauss geschnitten werden kann, ohne viel Suchaufwand, ist schon bemerkenswert. Um ehrlich zu sein, der Winter kann mich mal …

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Gerne hätte ich noch den Duft dieses Sträusschens offeriert!

Dass aber in der zweiten Hälfte des Novembers 2015 ein solcher Strauss geschnitten werden kann, ohne viel Suchaufwand, ist schon bemerkenswert.

Um ehrlich zu sein, der Winter kann mich mal …

Die vergangenen Wochen mit diesem zauberhaften Herbst hätten ruhig noch weitergehen können. Und wenn der Schnee dann, so gegen Weihnachten wieder kommt, leise rieselt der Schnee, dann kann der schon ein paar Wochen bleiben, sofern er kein Pflotschwetter mitbringt …

Die gegenwärtige Klimasituation ist etwas wie massloses Schoggigiessen: Wunderbarer Genuss, die Folgen zeigen sich bald. Die kann ich beeinflussen. Beim Klima fällt es mir schwerer.

Wie viele Male haben mich diesen Herbst die Bäume, die Wolken, die noch vorhandenen Blumen gefreut. Trotzdem, ich traue der Sache nicht. Was ist, wenn der Zyklus einfach etwas nach vorne geschoben wird und der Winter dann bis Mai geht? Oder gewisse Pflanzen wegen der Tageslänge austreiben oder blühen, obwohl nichts von holdem Mai und Ähnlichem? Oder, fern von hier, der Wasserspiegel auf den Südseeinseln oder in Bangladesch ein paar Zentimeter höher ist? Genug, um Land zu nehmen. Ich traue der Sache nicht.

Seit meiner Jugend beschäftige ich mich mit Liedern der letzten tausend Jahre. Immer habe ich diese Lieder auch hinterfragt, ob sie Erlebnisse, Gefühle, Ereignisse beschreiben, so quasi Geschichten aus dem realen Leben. Tausende Lieder habe ich gelesen. Pest, Hunger, Krieg sind die Themen, die die Leute beschäftigten. Harte Winter, Überschwemmungen, verfaulte Ackerfrüchte. Oder 1816/1817, die Not, auch hier, da es jeden Monat schneite, wegen einem Vulkanausbruch auf der anderen Seite der Erde. Nie schrieb jemand über einen heissen Sommer oder einen langen Herbst, über Trockenheit.

Und jetzt, wo sich das klimatische Paradies nordwärts schiebt? Wo die Schneekanonen keinen Strom fressen, weil die Temperatur nicht genug tief ist? Wo der Admiral nicht mehr zieht, weil es hier genug warm ist? Wo Vögel überwintern, die man hier nie sah? Und im November noch Rosen blühen, als ob der Mai käme? Wo Gletscher waren, jetzt Stein und Geröll ist?

Alles nur Chabis, rufen die Klimaskeptiker. Die von der Öl- und Kohleindustrie finanzierten Klimaskeptiker sehen keinen Zusammenhang mit der menschlichen Existenz oder bestreiten eine Klimaänderung. Mit fast religiösem Eifer wird diese Erkenntnis, auch in Leserbriefen, vehement bekämpft.

Diese Rosen, Blumen zur Unzeit, freuen mich wegen ihrer Farben, Formen, ihrem Duft. Meine Sorgen ums Klima nehmen sie nicht.

Aufhören, Schoggi zu essen, ist dagegen höchstens ein Kinderspiel.