Richtig Feuer machen will gelernt sein

Vielerorts wird im Winter mit Hilfe eines Kamins geheizt. Obwohl man dabei einen nachwachsenden Rohstoff benutzt, wird die Umwelt oft stark belastet. Das liegt am luftverschmutzenden Rauch, der durch unsachgemässes Feuern entsteht.

Anina Gächter
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Die Rauchfahne eines Feuers in Rebstein zieht sich bis nach Widnau. (Bild: pd)

Die Rauchfahne eines Feuers in Rebstein zieht sich bis nach Widnau. (Bild: pd)

Wenn es draussen kalt und nass ist, ist ein knisterndes Kaminfeuer die perfekte Lösung, um sich aufzuwärmen und die ungemütliche Winterstimmung zu vertreiben. Viele verstossen beim Feuern zu Hause aber ungewollt gegen das Umweltschutzgesetz und schaden damit nicht nur der Umwelt, sondern auch sich selbst.

Holz in der richtigen Grösse

Bei unsachgemässem Feuern entstehen oft Unmengen von Rauch, der als Feinstaubpartikel unsere Lungen gefährdet und die Umwelt verschmutzt. Um das zu verhindern, ist es wichtig, mit den richtigen Materialien zu feuern. Verbrannt werden darf ausschliesslich trockenes, naturbelassenes Holz. Dazu zählt sogenanntes «stückiges Holz», wie zum Beispiel Scheite, Reisig, oder Holzbriketts, sowie «nichtstückiges Holz» wie Hackschnitzel oder Sägemehl.

Papier und Karton dürfen nicht im Kamin verbrannt werden, da durch die Druckfarbe Schwermetall-Partikel entstehen, die krebserregend sind.

Wer jetzt denkt, das sei kein Problem, weil der Rauch ja weggeweht wird, irrt sich. Ein Drittel der Abgase sammelt sich an dem Ort in der Luft, wo das Feuer entzündet wurde. Falls sich doch mal aus Versehen ein giftiges Material im Kaminfeuer befindet, ist es besser, man lässt es abbrennen. Würde man es löschen, entstünde noch mehr Rauch.

Nicht nur das richtige Brennmaterial trägt zu einer Verminderung des Rauchs bei, sondern auch seine Grösse. «Viele beklagen sich, dass ihr Kamin zu stark raucht. Meistens stellt sich heraus, dass viel zu grosse Scheite verwendet werden. Die Stückgrösse der Scheite muss der Grösse des Ofens angepasst sein», erklärt der Altstätter Kaminfeger René Zünd.

Kerzenprinzip hilft

Am wichtigsten sei aber die richtige Taktik beim Anfeuern. Entgegen der Annahme vieler sollte das Feuer nämlich nicht von unten angezündet werden, sondern ähnlich dem Prinzip einer Kerze von oben herab.

Dabei werden die Scheite übers Kreuz zu einem kleinen Turm gestapelt, auf dem ein Anfeuermodul platziert wird. Dieses besteht aus vier kleinen Scheiten und einer Anzündhilfe wie beispielsweise wachsgetränkte Holzwolle aus dem Baumarkt. Die vier Scheite legt man ebenfalls übers Kreuz aufeinander und platziert die Anzündhilfe dazwischen.

Ein einziges Streichholz genügt und das Feuer ist entfacht. Im Gegensatz zum Anfeuern von unten verläuft diese Verbrennung langsamer und kontrollierter. So kann nicht nur die Rauchemission vermindert, sondern auch Holz gespart werden. Die entstehenden Gase strömen durch die heisse Flamme und brennen nahezu vollständig aus. Nach einer Viertelstunde sollte so nur noch Wasserdampf und keine Feinpartikel mehr aus dem Schornstein kommen.

Natürlich und trocken

Auch im Freien sollte man auf die Rauchentwicklung achten. Gemäss der Luftreinhalte-Verordnung ist es Privatpersonen nämlich verboten, ein übermässig rauchendes Feuer zu entzünden. «Grundsätzlich gilt für Privatpersonen, dass nur Holz und natürliche Wald-, Feld- und Gartenabfälle ausserhalb von Anlagen verbrannt werden dürfen. Diese müssen jedoch so trocken sein, dass dabei nur wenig Rauch entsteht. Beim Brennstoff Holz gilt dabei die Regel, dass er mindestens zwei Jahre gelagert werden soll. Mit Abfällen aus Feld, Wald und Garten ist es ähnlich», erklärt Barbora Neveršil vom Bundesamt für Umwelt (bafu).

Um das Feuer anzuzünden, verwendet man am besten Anzündhilfen aus dem Detailhandel oder dem Baumarkt. Auf die Verwendung von Benzin sollte man verzichten, da daraus giftige Gase entstehen.

Wie ernstzunehmen diese Rauchvorschriften wirklich sind, erklärt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen: «Wir erhalten oft Anrufe von Leuten, die von ihren Nachbarn eingeräuchert werden. Grundsätzlich raten wir den Betroffenen, zuerst das Gespräch mit dem Nachbarn zu suchen. Wenn das allerdings nichts nützt, muss die Polizei vor Ort gehen und überprüfen, ob gegen das Umweltschutzgesetz verstossen wurde. Liegt ein Verstoss vor, gibt es eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.»

Die Rauchfahne eines Feuers in Rebstein zieht sich bis nach Widnau. (Bild: pd)

Die Rauchfahne eines Feuers in Rebstein zieht sich bis nach Widnau. (Bild: pd)