Ribel im Sittertobel

ST.GALLEN. Wer ein Ticket ergattern konnte – die waren schon Ende Januar ausverkauft – verbringt dieses Wochenende am OpenAir St. Gallen. Auch die Rheintaler Jugend pilgert in Scharen ins Sittertobel. Vier junge Männer erklären, warum sie schon seit Mittwoch in der Früh vor dem Festivalgelände campieren.

Seraina Hess
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Übermorgen gibt's Ribel: Lorenz Hutter (links) und Michael Möhl. (Bild: Seraina Hess)

Übermorgen gibt's Ribel: Lorenz Hutter (links) und Michael Möhl. (Bild: Seraina Hess)

Roter Campingstuhl mit integriertem Getränkehalter, nur Fr. 12.95 das Stück. Oder ein Strohhut, der praktische Sonnenschutz für unterwegs.

Es ist Mittwochmorgen. Noch ein Tag, bis das OpenAir St. Gallen seine Türen öffnet. Das geht auch an diesem Heerbrugger Elektronik-Geschäft nicht spurlos vorbei. Vor dem Eingang stapeln sich Schlafsäcke, Kühlboxen und Mini-Holzkohlegrills mit roten Deckeln. Alles, was der Open-Air-Gänger so braucht.

Zwei Tage anstehen

Der kleine Grill mit rotem Deckel, eben noch vor dem Elektronik-Markt gesehen, steht am Vormittag desselben Tages zwischen Christian Federer aus Au und Sacha Walther aus Altstätten, 25-jährig. Die beiden sitzen in einem Campingstuhl und essen Pouletbrüstli, im praktischen Getränkehalter eine Büchse Bier.

Seit 10 Uhr sind sie hier, vor dem Ost-Eingang des St. Galler OpenAirs. Zu dieser Zeit campieren etwa vierzig Gruppen in einer Reihe hinter einer Absperrung auf dem Trottoir. Federer und Walther sind an 25. Stelle.

Den beiden Männern geht es nicht nur darum, einen guten Platz für ihr Zelt zu erobern, sobald das OpenAir am Donnerstagabend öffnet. «Es ist gemütlich hier», sagt Walther, zeigt auf den Grill und zu den Schlafsäcken, die unter einer gespannten Militär-Plache liegen. «Wir verlängern das OpenAir so um einen Tag. Und man lernt neue Leute kennen.»

Eine junge Frau kommt vom angrenzenden Pavillon in Richtung der beiden Männer, auf dem Weg zum Toiletten-Häuschen neben der Plache der Rheintaler. Sie hat rot gefärbtes Haar, auf der rechten Seite kurz rasiert, trägt Gummistiefel. «Yeaaaah, Partystimmung!», ruft sie, und erzählt Walther und Federer ungefragt, dass sie gerade eben zu viel Rahmröteli getrunken habe. Als sie das sagt, ist es 12 Uhr.

So richtig die Sau rauslassen

Für die Vorbereitungen auf das OpenAir und das Anstehen hat Walther, Heizungsmonteur, insgesamt vier Ferientage bezogen. Und es reut ihn nicht: «Hier ist es eigentlich wie in den Campingferien, nur mit Musik. Der Unterschied ist, dass man so laut sein kann, wie man will, und nicht reklamiert wird.»

Freut Ihr Euch also so aufs OpenAir, weil Ihr hier im Sittertobel endlich einmal «die Sau rauslassen» dürft?

Walther: «Nein, es gibt bei uns im Rheintal ja noch die Rhema oder die Fasnacht, dort darf man das auch. Aber hier am Festival gibt es eine unglaublich gute Stimmung untereinander, die man sonst kaum findet.»

Die gute Stimmung ist auch ein paar Pavillons, Zelte und Plachen weiter vorne angelangt, bei Lorenz Hutter und Michael Möhl, beide 27 Jahre alt und aus Diepoldsau. Sie sind seit 8 Uhr hier, haben nur ein paar wenige schnellere Festival-Besucher vor sich.

Keine Kosten gescheut

Hutter trägt eine rote Dächlikappe mit Werbe-Schriftzug und einen Faserpelz im Holzfäller-Stil. Und sieht so gar nicht nach dem Prototyp-Hipster aus, der sonst das St. Galler OpenAir besucht.

Auf den ersten Blick. Denn Hutter, von Beruf Maurer, besucht das OpenAir zum zwölften Mal. Er und Möhl stehen an, um für eine ganze Gruppe von Rheintalern einen guten Platz zu reservieren. «Wir sind insgesamt dreissig», so Möhl. Am Pavillon der beiden Diepoldsauer – der übrigens mit einer Extra-Plache überdeckt ist – schieben zwei neue Open-Air-Besucher einen Einkaufswagen voll mit Bier, Schlafsäcken und Zelten die Rechenwaldstrasse hinunter. «Damit kommen die nicht weit, bei dem Schlamm», sagt Möhl und lacht.

«Wir haben keine Kosten gescheut, um uns auf das OpenAir vorzubereiten», sagt Hutter, der in einer Bratpfanne über dem Feuer eine Omelette brät. «Morgen gibt's Speck mit Eiern zum Frühstück, übermorgen sogar Ribel.»

Warten auf einen guten Platz am OpenAir St. Gallen: Christian Federer (links) und Sacha Walther. (Bild: Seraina Hess)

Warten auf einen guten Platz am OpenAir St. Gallen: Christian Federer (links) und Sacha Walther. (Bild: Seraina Hess)