Rhyboot-Aufträge geben zu reden

ALTSTÄTTEN. Der Schreinermeister-Präsident ist unzufrieden mit dem Rhyboot, weil es Baumeisterarbeiten ins Bündnerland und einen Auftrag nach Deutschland vergeben habe. Die Rhyboot-Verantwortlichen sagen, man sei klaren Richtlinien gefolgt.

Gert Bruderer
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An Altstättens Kriessernstrasse, zwischen Bahnübergang und Kreisel, entsteht der Rhyboot-Neubau. Bis jetzt wurden Aufträge für ungefähr 10 Mio. Franken vergeben. (Bilder: Gert Bruderer)

An Altstättens Kriessernstrasse, zwischen Bahnübergang und Kreisel, entsteht der Rhyboot-Neubau. Bis jetzt wurden Aufträge für ungefähr 10 Mio. Franken vergeben. (Bilder: Gert Bruderer)

«Wir haben die Aufträge korrekt vergeben, ohne nach links oder nach rechts zu schauen», sagt Baukommissionsmitglied Urs Peter Cavelti. Als Kreisgerichtspräsident ist er mit Vorschriften vertraut. Bei der Auftragsvergabe habe die Kommission für den Rhyboot-Neubau sich voll und ganz an die Vorgaben gehalten. Im Vordergrund stand der Preis; Referenzen und Lehrlingsausbildung waren Zusatzaspekte.

Insgesamt wurden Aufträge für rund zehn Millionen Franken vergeben. Je nach Auftragssumme kam eines von drei Verfahren zur Anwendung – das sogenannt freihändige Verfahren (bis 150 000 Franken), das Einladungsverfahren (bei einer Summe von 150 000 bis 400 000 Franken) oder das offene Verfahren (für die grossen Aufträge, ab 400 000 Franken), bei dem jede Firma eine Offerte einreichen konnte.

Fenster aus Deutschland

Bei den Baumeisterarbeiten, auf die Schreinermeister-Präsident Marcus Gächter sich in einem Leserbrief (siehe Seite 36) bezieht, geht es um 1,6 Mio. Franken. Den Zuschlag erhielt die Firma Lazzarini in Buchs. Das Unternehmen, das Chur als Hauptsitz hat, ist schon am Rathaus-Neubau beteiligt. Einen weiteren Auftrag für 700 000 Franken erhielt ein süddeutscher Fensterbauer, was der Schreinermeister-Präsident ebenfalls kritisiert.

«Kein Spielraum»

Während Gächter von «nicht nachvollziehbaren Arbeitsvergaben» spricht, sagt Rhyboot-Baukommissionspräsident Meinrad Gschwend, das öffentliche Beschaffungswesen lasse keinen Spielraum. Die Offerte aus Buchs für die Baumeisterarbeiten habe um rund 30 000 Franken unter der zweitbesten Offerte gelegen. Diese Differenz von knapp 2 Prozent sei bereits gross genug. Eine Ablehnung des Angebots hätte einen triftigen Grund vorausgesetzt; der regionale Aspekt sei kein solcher Grund.

Den Auftrag einem Unternehmen zuzusprechen, weil es (anders als die preisgünstigste Firma) aus dem Rhyboot-Kerngebiet stammt, sei unzulässig, sagt Urs Peter Cavelti. Ausserdem weisen die Baukommissionsvertreter darauf hin, dass lange nicht alle namhaften Rheintaler Firmen sich mit einer Offerte um einen Rhyboot-Auftrag bemüht hätten.

Jede Firma spendet 3 Prozent

Einfluss zugunsten der Region hat die Baukommission dennoch genommen. Denn von Anfang an war festgelegt, dass jede Firma, die einen Auftrag bekommt, drei Prozent der Auftragssumme dem Verein Rhyboot für dessen Neubau zu spenden hat. Wohl auch deshalb, vermutet Meinrad Gschwend, sei die Zahl der auswärtigen Bewerber recht tief gewesen. Die bisher vergebenen Aufträge könnten gewiss auch aus diesem Grund grossteils von Rheintaler Firmen ausgeführt werden. 15 von 23 berücksichtigten Unternehmen stammen aus dem Rhyboot-Kerngebiet, das sich von St. Margrethen bis Rüthi erstreckt, weitere vier Firmen sind in der Nähe des Kerngebiets ansässig.

Urs Peter Cavelti sagt, man habe die Baumeisterarbeiten ungern – «contre cœur» –, aber vorschriftsgemäss einer auswärtigen Firma aufgetragen. Die unterlegenen Firmen haben die Möglichkeit, sich mit einer Einsprache zu wehren. Aus Sicht der Baukommission wäre gerade dies riskiert worden, hätte man eine hiesige Firma dem «klar erstrangierten Unternehmen aus Buchs» vorgezogen. Anders als früher beugen heutzutage genaue Verfahrensregeln ungerechtfertigter Bevorzugung vor.

Das von der Baukommission durchgeführte Verfahren entspricht dem Wunsch des Kantons, der den Rhyboot-Neubau mit einem Darlehen von 15,5 Mio. Franken unterstützt.

Rheintaler Firmen eingeladen

Im Einladungsverfahren (für Aufträge bis 400 000 Franken) war eine Bevorzugung von Rheintaler Firmen möglich. Die Vorgabe, mindestens drei Firmen zum Offerieren einzuladen, habe man zugunsten von Rheintaler Firmen genutzt.

Eine weitere Chance, einen Rhyboot-Auftrag zu erhalten, bietet sich im Hinblick auf den Innenausbau. Verschiedene Aufträge – u. a. für Küche, Umgebungsarbeiten und Einrichtungsgegenstände – werden nämlich erst später vergeben.