Rhyboot-Aufträge: Es hätte Spielraum gegeben

Der Verein Rhyboot erstellt für gut 20 Mio. Franken ein neues Dienstleistungszentrum mit geschützten Werkstätten. Der Verein Rhyboot erfüllt damit eine wichtige Aufgabe im Dienste unserer Mitmenschen mit Beeinträchtigungen.

Fdp Altstätten
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Der Verein Rhyboot erstellt für gut 20 Mio. Franken ein neues Dienstleistungszentrum mit geschützten Werkstätten. Der Verein Rhyboot erfüllt damit eine wichtige Aufgabe im Dienste unserer Mitmenschen mit Beeinträchtigungen. Die FDP Altstätten steht diesem Bauvorhaben grundsätzlich positiv gegenüber. Sie hat sich für den seinerzeitigen Landverkauf aktiv eingesetzt. Es geht dabei um Gemeinsinn, aber auch um Arbeitsplätze und Wirtschaftsleistungen in Altstätten sowie in der Region.

Das Bauprojekt wird direkt und indirekt mit öffentlichen Geldern (u. a. gewährt der Kanton St. Gallen ein Darlehen von 15,5 Mio. Franken) und Spenden realisiert. Ferner kommen zweckgebundene Gelder von Kanton, Bund und öffentlich-rechtlichen Versicherungen zum Einsatz. Die Trägerschaft hat sich das hohe Ziel gesetzt, 3,3 Mio. Franken über Spenden zu sammeln und ist damit auf die Unterstützung von Privatpersonen, Unternehmungen und Institutionen aus der Region angewiesen. Laut Verein Rhyboot beläuft sich das aktuelle Sammelergebnis auf gegen zwei Mio. Franken.

Breite Diskussion ausgelöst

Die verantwortlichen Vereinsorgane, allen voran die unter Leitung von Meinrad Gschwend stehende Baukommission, praktizieren eine Vergabepolitik, die bei uns, in der Presse, im Gewerbe, in der Industrie wie im Handel und bei Privatpersonen zu berechtigten, erregten Diskussionen führen und mehr als nur Kopfschütteln auslösen. Im Zentrum stehen die Baumeisterarbeiten von 1,6 Mio. Franken, die in den Kanton Graubünden gingen, und der Fenster- und Türen-Auftrag über mehr als 700 000 Franken, der gar nach Deutschland vergeben wurde.

Falsch gewichtet

Nach intensiven, breit abgestützten Abklärungen erhärtet sich der berechtigte Zweifel der FDP Altstätten, dass bei der Projektierung, der Ausschreibung und der Vergabe nicht mit zielgerichteter Sorgfalt und dem notwendigen Fingerspitzengefühl vorgegangen wurde. Bei der Materialwahl und der Ausführungsart stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit. In der Ausschreibung wurden – bewusst oder unbewusst – verschiedene Zuschlagskriterien gemäss Artikel 34 VÖB SG bedauerlicherweise nicht berücksichtigt.

Dass beispielsweise Qualität, Garantie- und Unterhaltsleistungen, Betriebskosten und Umweltverträglichkeit einfach keine Rolle spielen, ist mehr als fragwürdig. Man hat sich bei der Angebotsbeurteilung auf den Preis (55 Prozent), Referenzen (35 Prozent) und die Ausbildung Lernender (10 Prozent) beschränkt. Bei der Vergabe wurde das bestens bewährte und anerkannte duale schweizerische Lehrlingswesen einfach dem ausländischen System gleichgestellt. Anscheinend weiss das eingesetzte Baumanagement wie auch die Baukommission nicht, dass sich die Ausbildung im EU-Raum auf Anlehren oder Praktiken beschränkt. Ein krasser Fehlentscheid! Bei korrekter Anwendung sämtlicher legaler Kriterien wäre dieser Fensterauftrag in der Ostschweiz geblieben.

Fragwürdiger Spendenbeitrag

Äusserst fragwürdig ist, dass von allen Auftragnehmern in der Ausschreibung verbindlich ein Spendenbeitrag in der Höhe von mindestens 3% der Auftragssumme eingefordert wird. Mit grösster Sicherheit werden diese 3% in die Auftragssumme einkalkuliert und verteuern nur den Bau. Bei einer Bausumme von 20 Mio. Franken macht dies stolze 600 000 Franken. Eine sinnlose Augenwischerei!

Mit seiner Aussage im «Rheintaler» vom 11. Juni bestätigt das Mitglied der Baukommission Urs Peter Cavelti – (Zitat) «Wir haben die Aufträge korrekt vergeben, ohne nach links oder nach rechts zu schauen» – das unverständliche und fragwürdige Vorgehen. Es hätte sehr wohl Spielraum gegeben! Beim Spendensammeln hat man es nicht verpasst, nach links und rechts zu schauen. Billig einkaufen hat oft erst später seinen Preis; eine Kunst ist es, nachhaltig und günstig einzukaufen. Ganzheitliches Denken ist gefragt, anstelle von schönfärberischen Schreibtischtäter-Aussagen, die dem Verein Rhyboot mehr schaden als nützen.

Berufslehre hochhalten

Es muss im Interesse von uns allen liegen, gewerbliche und industrielle Arbeitsplätze in der Region zu halten und der Berufslehre den hohen Stellenwert beizumessen. In kritischen wirtschaftlichen Situationen – und diese haben wir zurzeit – ist ein ganz spezielles Augenmerk darauf zu richten. Dies gilt für alle Marktteilnehmer und ganz besonders, wenn Steuergelder zum Einsatz kommen. Die FDP steht mit Nachdruck dafür ein, nicht nur in Wahljahren.

Vorstand