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Rhema: Viele Fragen und kaum Antworten

Betreff: «Rhema-Genossenschaft am Boden», publiziert am Samstag, 20. Juli.

Betreff: «Rhema-Genossenschaft am Boden», publiziert am Samstag, 20. Juli.

Wie aus heiterem Himmel kam die Information: Es fehlen 800 000 Franken in der Kasse der Rhema-Genossenschaft. Das wird von den Verantwortlichen erst erkannt, als der Schaden so gross ist, dass sogar von Insolvenz die Rede ist. Ein «undurchsichtiges Investment», das der Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer Kurt Wettstein in der Höhe von 422 000 Franken im Namen der Rhema-Genossenschaft getätigt habe, soll dafür hauptursächlich sein. Wie kann es überhaupt so weit kommen? Um das herauszufinden, reicht ein Blick ins Handelsregister des Kantons St. Gallen. Der Verwaltungsratspräsident ist Kurt Wettstein, der auch Geschäftsführer ist, aber nur Einzelunterschrift als «Präsident der Verwaltung» hat. Als damaliger Geschäftsführer mit Einzelunterschrift wurde Ralf Huber am 19. Oktober 2007 ins Register aufgenommen. Huber verliess die Rhema als Geschäftsführer wieder, seine Einzelunterschrift ist am 7. Januar 2011 erloschen. Seither wurde keine Einzelunterschrift an einen Geschäftsführer der Rhema-Genossenschaft erteilt, also auch nicht an Kurt Wettstein. Da wäre also noch die Kompetenzfrage von VRP Wettstein zu klären, also wie weit diese Einzelunterschrift in der Tat auch für das operative Geschäft gültig ist.

Für Kurt Wettstein gilt die Unschuldsvermutung; aber so zu tun, als wäre man sich keiner Schuld bewusst, ist zu einfach. Immerhin stehen zwei strafrechtlich relevante Tatbestände zur Klärung an, nämlich die «ungetreue Geschäftsbesorgung», Art. 158 StGB, und der leichtsinnige Vermögensverfall durch «Misswirtschaft», Art. 165 StGB.

Er wolle die Sache genau geklärt haben, sagte Kurt Wettstein gegenüber dem «Rheintaler» (Samstag, 20. Juli), und fügte an: «Zurzeit gibt es keinen strafrechtlich relevanten Tatbestand gegen mich.» Wer 422 000 Franken als Geschäftsführer einer Genossenschaft – nur mit Einzelunterschrift als VRP derselben – verspekuliert, der muss sich den Vorwurf der krassen Verletzung der Sorgfaltspflicht und des Verschleuderns von Vermögenswerten gefallen lassen. Zumal der Vorsatz gegeben ist, wenn der Täter unter Missachtung einschlägiger Bestimmungen oder der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt das Risiko einer Insolvenz in unverantwortlicher Weise negierte. Als grotesker Widerspruch präsentiert sich Wettsteins Erklärung, der hohe Verlust der Rhema 2013 sei auf einen Einbruch der Besucherzahlen am zweiten Wochenende, vor allem an den Abenden, zurückzuführen gewesen. Dem gegenüber berichtete diese Zeitung am 6. Mai: «85 578 kamen an die Rhema 2013. … Die Rheintalmesse schliesst mit einem neuen Besucherrekord ab.»

Die Frage nach einer möglichen Selbstbereicherung von Kurt Wettstein wird die Staatsanwaltschaft wohl klären müssen. Aber auch die Frage, seit wann Wettstein wusste, oder hätte wissen müssen, dass die 422 000 Franken hochgradig verlustgefährdet sind. Das ist deshalb nicht unerheblich, weil in der erwähnten Ausgabe vom 6. Mai weiter die Werbetrommel für Anteilscheine gerührt wurde. Viele Bürger fragen sich: Wie kann jemand so viel Geld einer Genossenschaft im Alleingang seriös anlegen, ohne dass von der Anlageseite kritische Fragen gestellt werden?

Es ist unabdingbar, dass der Verwaltungsrat der Rhema gegen Wettstein eine Strafanzeige einreicht, denn er selbst könnte sonst mit einer Verantwortlichkeitsklage im Fadenkreuz der Justiz stehen. Dass die Gläubiger – und dazu zählen auch die Stadt Altstätten und deren Steuerzahler – ihre Forderungen einfach abschreiben, ohne dass die Verantwortung für dieses Debakel strafrechtlich geklärt wird, kann nicht in Frage kommen.

Eduard R. Ith

Oberlüchingen, Altstätten

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