RHEINTAL/VORARLBERG: Das Bangen um den Weihnachtsstollen

In den EU-Ländern steigt der Butterpreis unaufhörlich. Im Gegensatz zu früher ist der Preisunterschied zwischen Vorarlberg und dem Rheintal klein. In Deutschland und Österreich befürchtet man einen Buttermangel, vor allem an Weihnachten.

Kurt Latzer
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Im Gegensatz zu den Leuten in der EU brauchen sich die Schweizer Konsumenten wegen eines Buttermangels in der Weihnachtszeit nicht zu sorgen. (Symbolbild: depositphoto/Stockbild)

Im Gegensatz zu den Leuten in der EU brauchen sich die Schweizer Konsumenten wegen eines Buttermangels in der Weihnachtszeit nicht zu sorgen. (Symbolbild: depositphoto/Stockbild)

Kurt Latzer

Längst vorbei sind die Zeiten, als man als Kind beim Besuch der Tante in der Schweiz ein Mödeli Butter aus dem Vorarlbergischen mitbrachte. 250 Gramm hat man damals mit über die Grenze nehmen dürfen, Butter kostete nur etwa ein Viertel von dem, was man in Schweizer Läden berappen musste. Heute kann man ein Kilogramm pro Person und Tag gratis in die Schweiz mitnehmen.

Bevölkerung wird vor Butterknappheit gewarnt

Mit dem Anstieg des Eurokurses im Juli ist das Einkaufen im Nachbarland nicht mehr so vorteilhaft wie vorher. Kleiner werden hüben und drüben die Preisunterschiede bei den Lebensmitteln, da für die im Gegensatz zu anderen Waren nur zehn Prozent Mehrwertsteuer zurückerstattet werden.

Und nun noch das mit dem Butterpreis, der ist in der EU auf Rekordniveau. Anfang 2016 zahlte man in der EU für 100 Kilogramm Butter durchschnittlich 250 Euro, heute muss man für dieselbe Menge knapp 620 Euro berappen. In Österreich kann man den Eigenbedarf an Butter nicht mehr decken. In der «Financial Times» hiess es kürzlich, Europa stehe vor der Gefahr der Butterknappheit.

In Frankreich wollten Bäckereien die Preise für Croissants und anderes Buttergebäck erhöhen. In Dänemark wurde die Bevölkerung gewarnt, in der Weihnachtszeit könnte nicht genug Butter zur Verfügung stehen. Beim Einkauf in Vorarlberg und im St. Galler Rheintal zeigte sich: «Butter über die Grenze bringen lohnt sich nicht mehr». Bei Discounter Lidl in Lustenau kosten 250 Gramm Butter 2,39 Euro (2.74 Franken: Tageskurs am 14.9. von 1,147), bei Spar in Lustenau zahlt man 2,45 Euro (2.81 Franken). Bei Spar in Heerbrugg und Lidl in Widnau kostet die Butter gleich viel, 2.95 Franken. Im Gegensatz zur EU sind die Butterpreise seit 2016 stabil. Dies ändert sich in den nächsten drei Wochen.

«Auf den 1. Oktober haben wir eine Preiserhöhung vorgeschlagen», sagt Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchen­organisation Butter Schweiz. Im Gegensatz zu den EU-Ländern muss man sich in der Schweiz nicht um das Weihnachtsgebäck sorgen. «Unsere Lager sind nicht leer. Zurzeit haben wir genug Butter und ich gehe nicht davon aus, die könnte zu Weihnachten knapp werden», sagt Ryser. Wie viel Butter zu welchem Zeitraum zur Verfügung steht, sei schwer vorherzusagen. Das hänge von der produzierten Menge Milch ab. Hilft die Schweiz den Nachbarländern aus der «Butterklemme»? «Anfang Jahr wurde etwas Schweizer Butter exportiert, danach nicht mehr», sagt Peter Ryser.
 

Liberalisierung rächt sich

Es gibt einige Gründe für die ­Butterpreis-Explosion in der europäischen Union. Fachleute sehen den Preisanstieg in direktem Zusammenhang mit der Liberalisierung der europäischen Milchmärkte.

Wegen der Quoten in der Milchproduktion stieg das Angebot schlagartig und die Milchpreise sausten in den Keller. Die Folge: Viele Milchbauern mussten aufgeben. Diese Produktionsmenge fehlt heute. Eine weitere Rolle spielte das Wetter.

Grossproduzenten wie Australien und Neuseeland produzierten wegen des Wetters viel weniger als in den letzten Jahren. Einen Beitrag zur derzeitigen Knappheit leistet das Image der Butter. Im Gegensatz zu früheren Meinungen, Butter mache krank, hätten jüngste Studien gezeigt, dass sich der Butterkonsum auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen womöglich geringer als gedacht negativ auswirkt. Dies habe viele Leute veranlasst, von der Margarine wieder auf Butter umzusteigen.

 

Kurt Latzer