Rheintaler sind dem Hausarzt treu

Die Krankenkassenprämien steigen weiter, immer mehr Versicherte entscheiden sich auch im Rheintal fürs günstigere Hausarztmodell, bei dem sich Patientinnen und Patienten in Gesundheitsfragen immer zuerst an den Hausarzt wenden.

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30 bis 40 Prozent der Rheintaler Bevölkerung haben eine Hausarzt-Versicherung. (Bild: pd)

30 bis 40 Prozent der Rheintaler Bevölkerung haben eine Hausarzt-Versicherung. (Bild: pd)

Der Hausarzt oder die Hausärztin organisiert bei Bedarf nötige Behandlungen durch Spezialisten oder Spitäler. Das Hausarztmodell gehört zur Managed-Care-Vorlage, die auf Bundesebene diskutiert wird. Es setzt ein regionales Netzwerk unabhängiger Ärztinnen und Ärzte voraus. Das 2003 ins Leben gerufene Rheintaler Ärztenetzwerk RhyMed gründet auf einem der ersten Ärztezirkel der Ostschweiz. Es vereinigt 28 Haus- und Spezialärzte zwischen St. Margrethen und Rüthi. Präsidiert wird das Netzwerk vom Altstätter Allgemeinpraktiker Reto Gross.

Herr Gross, wo liegt der Vorteil von Managed Care?

Reto Gross: Die Politik erhofft sich mit Managed Care eine stärkere Zusammenarbeit unter den Ärzten mit klareren Strukturen und Aufgabenteilungen und damit eine Verbesserung des Gesundheitssystems.

Fasst Managed Care auch im Rheintal Fuss?

Gross: Mit dem Hausarztmodell haben Managed-Care-Prozesse auch im Rheintal Einzug gehalten. Derzeit hat im Rheintal 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung dieses Modell gewählt.

Prämienbedingt wird der Anteil der Hausarztversicherten in Zukunft bis auf 70 oder 80 Prozent steigen. Der Grossteil der Rheintaler muss ihr Verhalten deshalb nicht ändern.

Wieso nicht?

Gross: Die Rheintaler Bevölkerung verhält sich ohnehin hausarzttreu. Das Vertrauensverhältnis stimmt. Gut informierte Patienten pilgern nicht von Arzt zu Arzt.

Patienten, die den Konflikt mit ihrem Hausarzt scheuen und gleichzeitig einen anderen Arzt konsultieren, verhalten sich Kosten treibend. Das ist nicht sehr sinnvoll. Im Konfliktfall können sich Hausarztversicherte aber an einen Ombudsarzt wenden. Auch Zweitmeinungen bleiben möglich.

Gehört zum Hausarztmodell auch die Budgetmitverantwortung im Ärztenetz?

Gross: Managed Care bindet Ärzte vermehrt in die wirtschaftlichen Konsequenzen ihres Handelns ein. Die Kostentransparenz macht klar, was die Behandlung eines Patienten kostet.

Das sensibilisiert. Wir dürfen die wirtschaftlichen Aspekte nicht ausser Acht lassen.

Besteht die Gefahr, dass man am Patienten spart, um das Budget einzuhalten?

Gross: Es geht um die Optimierung von Ressourcen und nicht um Sparmassnahmen. Der Patient steht auch beim Hausarztmodell im Zentrum, am Notwendigen soll nicht gespart werden, aber wir sollten Unnötiges und Doppelspurigkeiten vermeiden. Wir haben das Glück, dass im Rheintal die Eigenverantwortung stark ausgeprägt ist.

Die meisten Patienten entscheiden sich von sich aus für eine sinnvolle Behandlung.

Aber gespart wird trotzdem.

Gross: Ja, weil der Informationsfluss verbessert und Doppelspurigkeiten vermieden werden. Mehrfachuntersuchungen oder gar Mehrfachbehandlungen machen das jetzige System teuer. Bei Managed Care wird der Ablauf sämtlicher Behandlungen zentral geplant und abgesprochen.

Die Leistungserbringer werden nicht nur über den Umsatz bezahlt, sondern auch dann belohnt, wenn sie das Budget mit guter Qualität einhalten.

Wird sich die Qualität erhöhen?

Gross: Die Qualität ist jetzt schon sehr hoch und wird hoch bleiben. Der Gesetzgeber verlangt Ärztenetzwerke, Qualitätssicherung, strukturierte Prozesse und regelmässige Weiterbildung. Er vollzieht damit nach, was wir bei Rhymed schon lange pflegen.

Interview: pd

www.rhymed.ch

Reto Gross (Bild: pd)

Reto Gross (Bild: pd)

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