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Rheintaler im Zentrum der «Tour»

Das Kommunikationsteam der Tour de Suisse hat für ein Jahr seine Arbeit getan. Jimmy Lüchinger, Basil Winiger, Kurt Herrsche und Jürg Baumgartner erzählen über ihren Job als Fahrer oder Speaker.
Die «Rheintaler Connection» im Tour-Kommunikationsteam: Kurt Herrsche und Jürg Baumgartner, hinten stehend, und Jimmy Lüchinger und Basil Winiger, vorne sitzend. (Bild: Max Pflüger)

Die «Rheintaler Connection» im Tour-Kommunikationsteam: Kurt Herrsche und Jürg Baumgartner, hinten stehend, und Jimmy Lüchinger und Basil Winiger, vorne sitzend. (Bild: Max Pflüger)

Das Kommunikationsteam der Tour de Suisse besteht aus acht Mann, vier Speakern mit je einem Fahrer. Im Team «Start – Ziel» ist der offizielle Tour-Speaker und Kommunikationschef der Tour, Sportmoderator Georges Lüchinger. Dank ihm und seinem Bruder Jimmy Lüchinger dominieren im Kommunikationsteam seit Jahren die Rheintaler. Vergangenen Samstagmorgen erzählte die «Rheintal Connection», Basil Winiger, Altstätten, Kurt Herrsche, Montlingen, Jimmy Lüchinger, Montlingen, und Jürg Baumgartner, Montlingen, von ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen im Zentrum der Tour de Suisse.

Herr Winiger, man hat uns zukommen lassen, dass Sie an dieser Tour das letzte Mal dabei waren.

Basil Winiger: Das habe ich schon oft gesagt. Ich sagte auch einmal, dass ich nach 20 Touren aufhöre. Jetzt bin ich zum 21. Mal dabei. Und dieses Jahr hatten wir es im Team kollegial so gut, dass ich, wenn ich gesund bleibe, nächstes Jahr wieder dabei bin.

Muss man als Fahrer nur auf die Rennteilnehmer und die Strasse achten?

Jimmy Lüchinger: Man ist nicht nur Fahrer, sondern auch Funker. Man hat zwei Funkverbindungen auf dem Ohr. Zum Ersten verfolgt man die Gespräche auf <Radio Tour>. Das ist der offizielle interne Kommunikations-Sender. Zum Zweiten hat man aber auch Funkverbindung mit den Töfffahrern, die bei den Rennfahrern mitfahren, Zeit- und Abstandsmessungen vornehmen. Mit dem Funk verfolgt der Speakerwagen den Rennverlauf.

Winiger: Gleichzeitig fahren und den Rennverlauf verfolgen braucht eine enorme Konzentration und ist sehr anstrengend.

Da haben es die Speaker ja vergleichsweise einfach, oder?

Lüchinger: Auch als Speaker ist man extrem beansprucht. Man muss gleichzeitig Informationen ans Publikum weitergeben und über die Kopfhörer neue Informationen abhören und aufnehmen.

Winiger: Und dann hat man noch das Handy. Auch damit orientieren wir uns fortlaufend.

Fahren, konzentrieren, zuhören und sprechen: Kann es dabei nicht zu gefährlichen Situationen kommen?

Kurt Herrsche: Die Passstrassen hinauf müssen wir einen Vorsprung herausfahren, denn hinunter sind die Rennfahrer oft schneller als wir im Auto. Ich erinnere mich an eine Abfahrt am Flüela. Da erreichte Cancellara eine Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h.

Winiger: Wir müssen oft schnell fahren. Zehn Minuten vor den Fahrern kommt ein Wagen mit grünen Blinklichtern. Hinter diesem Wagen ist man im Rennen, muss die allgemeinen Verkehrsregeln nicht mehr einhalten und darf schneller fahren. Trotzdem sind Unfälle selten. In meiner über zwanzigjährigen Karriere erinnere ich mich nur an einen Unfall. Mitten im mittäglichen Stossverkehr in Zug verirrte sich eine Automobilistin auf die Rennstrecke und blieb unvermittelt stehen. Fünf Fahrzeuge von Tour-Funktionären wurden in die Auffahrkollision verwickelt.

Was fürchten Sie als Fahrer am meisten?

Lüchinger: Unvorsichtige Zuschauer sind für uns das grösste Risiko. Sie unterschätzen unsere Geschwindigkeit und bringen uns immer wieder in Gefahr. Zum Glück ist noch nie etwas Tragisches passiert.

Von der Hektik, die man als Fahrer erlebt, bekommen die Zuschauer wenig mit. Was belastet Sie als Fahrer am meisten?

Herrsche: Das Leben als Fahrer kann ganz schön stressig sein. Oft sind wir von morgens früh bis abends spät am Fahren.

Lüchinger: Ein Zeitfahren wie gegen Schluss der Tour ist für uns stressig. Da stehen wir mit dem Speaker-Fahrzeug vier oder fünf Stunden am gleichen Ort und müssen das Publikum unterhalten und Resultate durchgeben. Bei Sonnenschein wird es dann richtig heiss im Auto.

Jürg Baumgartner: Georges Lüchinger ist im Live-Einsatz am Start und muss dann wieder am Ziel kommentieren. Unabhängig von der Tour-Route ist es meine Aufgabe, ihn noch vor den Fahrern und zu Beginn der Live-Übertragung im Fernsehen ans Ziel zu bringen.

Winiger: Und am Abend müssen wir dann schnell das Notwendigste aus dem Koffer nehmen, damit wir am Morgen schnell weiterkommen.

Und mit was wird man für den ganzen Stress und die Anspannung entschädigt?

Winiger: Die Kollegialität und die gemeinsamen Stunden am Abend entschädigen uns für alles.

Herrsche: Man lernt Leute kennen. In Rheinfelden AG zum Beispiel trafen wir einen «ausgewanderten» St. Margrether. Der freute sich so sehr, wieder einmal Rheintaler Dialekte zu hören, dass er uns gleich zum Nachtessen einlud.

Baumgartner: Und man lernt die Schweiz kennen. Man fährt durch Gegenden und über die Pässe an Orte, die man sonst nie besuchen würde.

Winiger: Zum Beispiel konnte ich schon dreimal über die Grosse Scheidegg fahren, eine Strasse im Berner Oberland, die normalerweise für jeden Verkehr gesperrt ist. Man erlebt in jeder Beziehung viel und das ist es, was das Besondere an der Tour de Suisse ausmacht und uns, auch wenn wir vom Rennen selbst fast nichts sehen, immer wieder zum Mitmachen motiviert.

Interview: Max Pflüger

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