Rheintaler Genie im Fokus

BALGACH. Heute Mittwoch findet ab 20 Uhr im Turm von Schloss Grünenstein ein Vollmondgespräch statt. Im Zentrum des Gesprächs mit Dr. Philipp Schöbi-Fink steht Georg Joachim Rheticus (1514 – 1574), ein Genie aus dem Rheintal.

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Rheticus' Kreisbüschel-Grafik. (Bild: pd)

Rheticus' Kreisbüschel-Grafik. (Bild: pd)

Das Rheintal brachte nicht viele Genies hervor – wohl, weil die Randregion mit geistigen und machtpolitischen Zentren zu wenig vernetzt war oder hervorragende Gestalten weniger gewürdigt wurden als anderswo. Doch Genies gab es auch hier. Dass man sie kaum kennt, ist Ironie der Geschichte.

Im Mai 1539 trat ein 25-jähriger Gelehrter aus Feldkirch die Reise seines Lebens an. Er wollte einen bald 70-jährigen Verrückten im polnischen Frauenburg aufsuchen. Einen, der etwas für wahr hielt, was damals niemand glaubte, weil es dem Augenschein widersprach. Nach seinem Besuch war auch der Junge verrückt, doch nur wenige glaubten den beiden. Es sollte Jahrhunderte dauern, bis die Mehrheit erkannte, dass die Verrückten recht und alle anderen sich geirrt hatten. Die Zeit war nicht reif für ihre Visionen; für die Ideen von Kopernikus und seinem einzigen Schüler Rheticus.

Der Vollmond regt nicht dazu an, verrückt zu werden, aber vielleicht ein wenig nachdenklicher, beweist doch diese Geschichte, dass Recht und Unrecht unterschiedlich interpretiert werden können. (pd)