Rheintal
Unkosten wieder gedeckt: Kein Kässeli mehr für Altkarton

In Altstätten und Oberriet kann Altkarton wieder gratis abgegeben werden, in Au jedoch noch nicht.

Reto Wälter
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Die Nachfrage nach Altkarton ist auf dem europäischen Markt wieder gestiegen.

Die Nachfrage nach Altkarton ist auf dem europäischen Markt wieder gestiegen.

Bild: Michel Canonica

Die Altstätter Thür Transporte AG hat in ihrer Entsorgungs­halle das Kässeli bei der Kartonsammelstelle vor einigen Wochen wieder abmontiert.

«Seit Anfang Jahr begannen die Preise für gebrauchten Karton wieder anzuziehen», sagt Geschäftsführer Jakob Thür. Und da die Unkosten nun wieder gedeckt sind, verlange man auch nichts mehr vom Kunden.

Die Leute bezahlten auch ohne Kontrolle

Für Kleinmengen waren Private zuvor mit einem Hinweisschild aufgefordert worden, für bis zu zehn Kilo Karton 50 Rappen in die bereitgestellte Kasse zu werfen. Kontrolliert wurde das nicht. Thür sagt, es habe gut funktioniert, man habe sogar den einen oder anderen Fünf­liber in der Kasse gefunden. «Insgesamt war damit die Kartonentsorgung kostendeckend», sagt der Altstätter.

Ebenfalls entfernt hat man die Kartonkasse im Oekoville in Oberriet, auch dort wurden die Kunden aufgefordert, 50 Rappen bis zu einer Menge von zehn Kilo einzuwerfen. «Das war gerade so kostendeckend», sagt Dietmar Gabriel, Geschäftsführer der Loacker Ostschweiz Recycling AG, die ihr Kompetenzzentrum in Rheineck hat und nebst Oberriet auch noch andere Anlagen betreibt.

Loacker ist im Altpapier und Kartonhandel die Nummer eins in der Ostschweiz, auch der Karton und das Papier von der Thür AG in Altstätten wird von Lo­acker übernommen. «Die Nachfrage auf dem europäischen Markt ist zurzeit da», sagt Gabriel. Selbst grössere Mengen, die zurzeit untergebracht werden müssten, bringe man weg. Dies, weil bei einem grossen Abnehmer, der Weinfelder Model Holding AG, die einst ein Werk in Au betrieb, Anfang Monat durch einen Brand eine der beiden Verpackungspapiermaschinen ausfiel.

Dietmar Gabriel ortet in Europa eine grössere Nachfrage nach recyclierbarem Karton. Dies, weil durch den coronabedingt gestiegenen Online-Handel mehr Verpackungsmaterial in Form von Karton gebraucht wird.

Ein Markt mit Wellenbewegungen

Gleichzeitig sei, ebenfalls coronabedingt, weniger Material und damit auch weniger Gebinde von Asien hierher geliefert worden. Auch Grossverteiler hätten zurückhaltend Material bestellt. Der Preis für gebrauchten Karton war 2019 eingebrochen, weil in Asien keine Nachfrage mehr bestand. Dadurch kam es zu Überkapazitäten in Europa, das zusätzlich auf dem Verpackungsmaterial aus Fernost sitzen blieb.

Noch immer einen Fünfliber bis 100 Kilo zahlt man bei der Verwert AG in Au. Der Kartonmarkt sei unbeständig und starken Wellenbewegungen unterworfen. Deshalb wolle man die Kunden nicht mit ständig ändernden Preisen verunsichern, heisst es von der Tübacher Zingg AG, die den Standort in Au betreibt. Aber selbstverständlich werde man den Preis anpassen, wenn die gesteigerte Nachfrage über eine gewisse Zeit stabil bleibe.