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RHEINTAL: Preiskampf kommt für die Region zu spät

"Der Schweizer Bauernverband sieht den einheimischen Anbau von Zuckerrüben in Gefahr", war kürzlich im "St.Galler Tagblatt" zu lesen. Das gilt nicht fürs Rheintal, denn hier gibt es keinen Anbau mehr.
Kurt Latzer
Zwischen Oberriet und Rorschach werden keine Zuckerrüben mehr angebaut. Für die Rheintaler Landwirte kommt der Preiskampf des Schweizer Bauernverbandes ein paar Jahre zu spät. (Bild: Archiv/ Reto Martin)

Zwischen Oberriet und Rorschach werden keine Zuckerrüben mehr angebaut. Für die Rheintaler Landwirte kommt der Preiskampf des Schweizer Bauernverbandes ein paar Jahre zu spät. (Bild: Archiv/ Reto Martin)

Kurt Latzer

Es gelte jetzt zu reagieren, sonst gehe man unter, sagte der Altstätter CVP-Nationalrat und Schweizer Bauernverbandspräsident Markus Ritter vergangenen Freitag an einer Pressekonferenz von Bauernverband, Zuckerrübenpflanzern und der Zuckerindustrie. Wegen der gravierenden Änderungen in der EU fordert der Schweizer Bauernverband (SBV)einen Mindestpreis von 600 Franken pro Tonne Zucker. Allein im vergangenen Jahr hätten über 500 Landwirte die Zuckerrübenproduktion wegen der tiefen Preise eingestellt.

Rheintaler Maschinenring erntet keine Zuckerrüben

Manfred Baumgartner ist Landwirt in Kriessern und Geschäftsführer des Maschinenrings Rheintal. «Zwischen Oberriet und Rorschach baut niemand mehr Zuckerrüben an», sagt Baumgartner. Er selbst habe 2017 zum letzten Mal die zuckerhaltigen Knollen geerntet. Seit den 1970er-Jahren habe man auf dem Lindenmad-Hof Zuckerrüben angepflanzt, zuletzt auf etwa zehn Hektaren. «Früher wurden im Rheintal auf über 60 Hektaren Zuckerrüben angebaut. Heute rentiert sich das wegen der tiefen Preise nicht mehr», sagt der Kriessner Gemüsebauer. Die Schweizer Zucker AG mit Fabriken in Aarberg und Frauenfeld kündigte schon vor über einem Jahr an, einen Teil der Rüben aus dem süddeutschen Raum zu beziehen. «Sobald es ums Geld geht, spielt die Ökologie keine Rolle mehr», sagt Manfred Baumgartner. Der Kriessner Landwirt befürchtet, dass mit dem Niedergang der Schweizer Zuckerproduktion auch das dafür nötige Know-how verloren geht.

Vielen Kunden ist Swissness wichtig

Unter dem Titel «(Noch) mehr Zucker in Schweizer Redbull» schrieb www.innovatethinking.ch 2016: «Für ein Kilogramm Zucker zahlt die Industrie heute vermutlich 60 bis 65 Rappen.» Verlässliche Zahlen sind nirgends zu finden.

Wie viel bezahlt die Industrie tatsächlich pro Kilogramm Schweizer Zucker? «Wir machen keine Aussagen zu den bezahlten Preisen, aber 55 bis 60 Rappen ist realistisch», sagt Guido Stäger, CEO der Schweizer Zucker AG.

Allein Red Bull könnte pro Jahr Millionen Franken sparen, wenn man im Abfüllwerk in Widnau den Zucker aus der EU statt aus der Schweiz beziehen würde. Wie stark also wirken sich die Zuckerexporte der EU in die Schweiz auf den hiesigen Zuckerpreis aus? Stäger: «Die Zuckerpreise in der Schweiz sind direkt vom Importpreis für Zucker abhängig. Jeder Kunde kann wählen, ob er Importzucker kaufen will. Daneben gibt es aber Faktoren wie Qualität, Transportkosten, Liefersicherheit und Liefergenauigkeit.» Viele Kunden der Schweizer Zucker AG verlangten explizit Schweizer Zucker, entweder im Rahmen der Swissness oder aber weil sie bewusst Schweizer Rohstoffe für ihre Produkte einsetzen wollten. «Eine kürzlich publizierte Studie zeigt, dass der Schweizer Zucker nachhaltig produziert wird, auch nachhaltiger als EU-Zucker», sagt Guido Stäger.

Mehrfach war in Landwirtschaftskreisen die Rede, Red Bull kaufe pro Jahr etwa ein Viertel der gesamten Schweizer Zuckerproduktion. Ist das richtig? «Auch hier geben wir keine Details bekannt. Aber Red Bull ist ein sehr wichtiger und treuer Kunde der Schweizer Zucker AG», sagt Stäger. Müsste man nicht auch um die Aufträge aus Widnau bangen, wenn der Preis für das Kilogramm Schweizer Zucker 60 Rappen nicht unterschreiten dürfte? «Generell ist es ein schmaler Grat zwischen den Forderungen der Kunden nach einem EU-kompatiblen Zuckerpreis und den Forderungen der Bauern nach einem kostendeckenden Rübenpreis», sagt der Schweizer-Zucker-Geschäftsführer. Man habe die Rübenpreise in den letzten Jahren deutlich gesenkt und verliere gerade in der Ostschweiz Anbauflächen. Das zeige, dass die Schmerzgrenze für die Bauern erreicht sei.

Anscheinend brauchen die Schweizer Bauern den Mindestpreis von 600 Franken pro Tonne Zucker, um überleben zu können. Wie könnte man das Problem lösen? Guido Stäger: «Wir haben Verständnis für diese Forderung der Bauern. Wenn wir den Grenzschutz entsprechend anpassen, wären wir mit den Preisen ja nur unwesentlich höher als heute.» Das sollte für die Industrie tragbar sein und die Schweizer Zucker AG hätte genug Rüben, um die Fabriken auszulasten und damit eine effiziente Kostenstruktur sicherzustellen.

Wenn die Zuckerproduktion in der EU weiter so stark zunimmt: Steht dann der Zuckerrübenanbau in der ganzen Schweiz vor dem Aus? «Die EU hat einen Überschuss und damit auch intern ein Mengen- und ein Preisproblem.» Auch in der EU werden die tiefen Preise in Zukunft zu Problemen und Umwälzungen führen, glaubt Stäger. «Unabhängige Quellen schätzen den kostendeckenden Preis für die EU im Bereich von 450 bis 500 Euro pro Tonne. Wenn wir das umrechnen, sind wir sehr nahe bei den geforderten 600 Franken», sagt Guido Stäger.

Die Schweizer Zuckerwirtschaft sei durchaus wettbewerbsfähig und könne mit Zuckerpreisen leben, die sehr nahe am EU-Niveau seien. «Es wäre schade, wenn wir in der Schweiz die Zuckerproduktion einstellen müssten, nur weil die EU kurzfristig zu Tiefstpreisen produziert und exportiert», sagt der Zucker-Schweiz-CEO.

Gemüse anbauen statt Zuckerrüben

Deshalb fordere die hiesige Zuckerwirtschaft eine temporäre Anpassung der Grenzbewirtschaftung. «Wir werden auch weiterhin an unserer Kostenstruktur arbeiten und sind überzeugt, dass wir langfristig durchaus nahe am EU-Preis produzieren können», sagt Guido Stäger.

Manfred Baumgartner jedenfalls hat in nächster Zeit nicht mehr vor, Zuckerrüben anzubauen. «Uns bereitet das aber keine Probleme, denn wir haben für die Anbaufläche Alternativen», sagt der Kriessner Gemüsebauer.

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