RHEINTAL: Pflege-Kompetenzen erwerben

Die Rheintaler Alters- und Pflegeheime haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam diplomierte Pflegefachpersonen HF auszubilden. Natascha Konrad aus Altstätten ist die erste Studierende.

Cécile Alge
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Natascha Konrad (l.) übt unter Aufsicht die Medikamentenausgabe. Hier mit der Ausbildungsverantwortlichen Jasmin Forster (Mitte) und der 94-jährigen Päuli Spirig im Widnauer Zentrum Augiessen. (Bild: Cécile Alge)

Natascha Konrad (l.) übt unter Aufsicht die Medikamentenausgabe. Hier mit der Ausbildungsverantwortlichen Jasmin Forster (Mitte) und der 94-jährigen Päuli Spirig im Widnauer Zentrum Augiessen. (Bild: Cécile Alge)

Cécile Alge

Weil es immer schwieriger wird, diplomiertes Pflegepersonal für die Langzeitpflege zu finden, nehmen 16 Rheintaler Alters- und Pflegeheime zwischen Altstätten und Thal das Heft selber in die Hand und bilden neu diplomierte Pflegefachpersonen HF im Bereich Langzeitpflege aus. Also solche mit einer höheren Fachausbildung in der Pflege.

Dazu haben sich die Heime 2017 zu einem Verbund zusammengeschlossen. Damit wird die Zusammenarbeit und der Austausch gepflegt, die Finanzierung der Ausbildung gemeinsam getragen und letztlich will man dadurch im Wettbewerb um die Pflegekräfte bestehen können. «Angestellt werden unsere Studierenden von der Gemeinde Widnau, die mit dem Zentrum Augiessen die Leitstelle des Verbundes bildet.

Die praktische Ausbildung absolvieren sie im Turnus in Widnau, Diepoldsau, im Geserhus in Rebstein, im Haus Sonnengarten und im Haus Viva in Altstätten», erklärt Jasmin Forster, Ausbildungsverantwortliche Pflege des Zentrums Augiessen. Derzeit wurden zwei Studierende eingestellt. Für 2018 sind zwei weite­- re Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Natascha Konrad aus Altstätten ist eine von den beiden ersten Rheintaler Studierenden, die diese Ausbildung im Verbund absolvieren. Für die 47-Jährige ist es die zweite Ausbildung. In ihrer Jugend hat sie eine Verkaufslehre abgeschlossen, später wurde sie Mutter von vier Kindern und legte deshalb eine längere berufliche Pause ein. «Jetzt ist die Zeit reif für etwas Neues. Ich habe mich für die Pflege entschieden, weil es hier berufliche Perspektiven gibt und weil ich darin eine sinnvolle und erfüllende Aufgabe sehe», erklärt sie bei einem Treffen im Zentrum Augiessen in Widnau. Sie sei vor der Wahl zur Ausbildung als Fachfrau Gesundheit EFZ (FaGe) und jener zur diplomierten Pflegefachfrau HF gestanden. Sie entschied sich schliesslich bewusst für die höhere Fachschule (HF), weil es sich grundsätzlich um eine vertiefte Ausbildung mit höheren Kompetenzen und Verantwortung im Arbeitsalltag handelt.

Pflegeprozesse werden erlernt

«Wir bekommen mehr Fachwissen vermittelt und lernen, die Pflege mitzuplanen. Das heisst, wir erarbeiten u. a. anhand von konkreten Fallbeispielen ganze Pflegeprozesse, die je nach Veränderung der Situation immer wieder angepasst werden müssen. Und wichtig dabei ist, immer alles genau zu begründen», erklärt Natascha Konrad. Das sei sehr interessant und lehrreich, aber auch fordernd. Zugute komme ihr, dass sie von ihrer Lebenserfahrung und ihren Kompetenzen als vierfache Mutter profitieren könne. «Diesbezüglich habe ich trotz oder besser gesagt genau wegen meines Alters einen Vorteil im Vergleich zu den jungen Studierenden», so die 47-jährige Altstätterin. Im Weiteren schätzt sie, dass die Ausbildung in Blockkursen gestaltet ist. Das heisst, während rund sechs Monaten besucht sie Vorlesungen und Unterricht am Berufs- und Weiterbildungszentrum Sargans (BZSL), dann folgt ein halbjährliches Praktikum in den oben genannten Betrieben, danach wieder Schule, dann wieder Praktikum, usw. «Für mich ist das problembasierte Lernen (PBL) mit Fallbeispielen eine ganz neue Lernstruktur. Ich hatte entsprechend Respekt davor, aber ich bin positiv überrascht, wie gut es läuft. Ich muss mich zwar reinknien, aber weil es interessant ist, fällt mir das leicht.»

Prüfungen etwa alle fünf Wochen

Nach jedem Lernblock (etwa alle fünf Wochen) gibt es Prüfungen, die darüber entscheiden, ob man weiterstudieren kann oder nicht. Natascha Konrad hat diese bislang mit Bravour gemeistert. Im September startet sie ihr erstes Praktikum im Rebsteiner Geserhus, wo sie die Theorie in die Praxis umsetzen wird. «Ich freue mich sehr auf den Umgang mit den Menschen – aufs Team wie auf die Betagten.»

Jasmin Forster, Ausbildungsverantwortliche Pflege, begrüsst die neue Ausbildung: «Es ermöglicht jenen, die das wollen, sich vertieftes Fachwissen anzueignen – und das erst noch in der Region. Dadurch können sie im Beruf ihre Kompetenzen ausbauen und mehr Verantwortung übernehmen», sagt Forster. Das komme auch den regionalen Alters- und Pflegeheimen zugute, weil gut ausgebildetes Personal ein Garant für kompetente und zuverlässige Pflegequalität ist.

Informationen unter: www.bzsl.ch/home/hoehere-berufsbildung/HoehereFachschulePflege.html .