RHEINTAL: Niedergang der Kurhäuser

Noch vor wenigen Jahren zählte man in Appenzell Ausserrhoden ein Dutzend Kurhäuser. Spitzenreiter war das Vorderland mit sieben dem Verband Schweizer Kurhäuser angeschlossenen Häusern.

Peter Eggenberger
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Tempi passati: An die einst bedeutende, traumhaft über dem See gelegene Ferien- und Erholungsdestination Wienacht erinnert heute nur noch die Ortstafel mit dem Hinweis «Kurort». (Bild: Peter Eggenberger)

Tempi passati: An die einst bedeutende, traumhaft über dem See gelegene Ferien- und Erholungsdestination Wienacht erinnert heute nur noch die Ortstafel mit dem Hinweis «Kurort». (Bild: Peter Eggenberger)

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914) verschwanden im Appenzellerland viele Hotels, Pensionen und Kurhäuser, weil die deutschen Gäste ausblieben. Die anschliessenden Krisenjahre mit grosser Arbeitslosigkeit und 1939 der Zweite Weltkrieg führten erneut zu Hotelschliessungen. Mitschuldig war aber auch die veraltete Infrastruktur, die in vielen Hotels nicht mehr den Gästebedürfnissen entsprach.

Feine Butterküche genügte nicht

Viele Hotels und Kurhäuser rüsteten Ende der 1940er-Jahre auf und warben mit Neuerungen wie Zentralheizung und fliessendem Warmwasser in den Zimmern sowie feiner Butterküche. Trotzdem glückte der Anschluss in den wenigsten Fällen, setzten doch jetzt die individuelle Mobilität und die Möglichkeit preiswerter Flugreisen ins südliche Ausland der Hotellerie ernsthaft zu. Gleichzeitig wurde das Migros-Reisebüro «Hotelplan» mit dem ab Beginn der 1950er-Jahre präsentierten Angebot «Für 166 Franken acht Tage Ferien an der italienischen Adria» zur übermächtigen Konkurrenz.

Auf Initiative von Arthur T. Brunner, Direktor des damals renommierten Hotels Kurhaus-Bad, schlossen sich die höheren Qualitätsansprüchen genügenden Erholungshotels im Jahr 1987 zum Verband der Schweizer Kurhäuser zusammen. Nachfolgeorganisation ist der heutige, von Max Nadig präsidierte Verband Heilbäder und Kurhäuser Schweiz.

Seit Jahren wirkt Marianne Schiess als Leiterin der in Herisau ansässigen Geschäftsstelle. «Ich erinnere mich gut, wie allein in Heiden die Häuser <Nord>, <Sunnematt> und drei weitere zum Verband gehörten. Noch einziges Mitglied ist heute das Hotel Heiden.»

Klingende Namen verschwunden

Klingende Namen wie «Seeblick», Wienacht, «Beutler», Speicher, und «Sonnenberg», Schwellbrunn, sind ebenfalls verschwunden. Besonders bedauerlich ist die Schliessung des vor einer ungewissen Zukunft stehenden Hotels Walzenhausen (ehemals Kurhaus-Bad), das vor rund dreissig Jahren als Wiege des Schweizer Verbandes der Kurhäuser für positive Schlagzeilen und Aufschwung gesorgt hat.