Rheintal
Naturkatastrophen und Kriege überstanden: Das «Rebgut am Büchel» besteht seit 300 Jahren

Die Geschichte des Winzerhauses in Au ist bewegt und erzählt von früher internationaler Zusammenarbeit.

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1721 erbaut, ist das Haus heute in sehr gutem Zustand.

1721 erbaut, ist das Haus heute in sehr gutem Zustand.

Bild: pd

(pd) Angefangen vor 300 Jahren mit dem Neubau im Jahr 1721, hat das Haus Höhen und Tiefen erlebt. Neben Kriegen, Überschwemmungen und Hungersnöten gab es über acht Generationen hinweg den Bewohnern ein sicheres Heim – und ein bescheidenes Einkommen.

Das Winzerhaus mit Rebparzellen war von 1640 bis 1829 im Besitz der Freiherren von Westernach auf Kronburg bei Memmingen. Lehnbauern bewirtschafteten Land und Reben und sie beglichen mit der Hälfte des erwirtschafteten Weins ihre Pachtschulden. Auf abenteuerlichem Weg gelangte der Wein auf Schiffen rheinabwärts über den Bodensee ans deutsche Seeufer und weiter rund 65 Kilometer auf Fuhrwerken zu seinem Bestimmungsort, dem Schloss Kronburg im Allgäu.

In alten Originalschriften, die im Staatsarchiv St.Gallen auf Mikrofilm zugänglich sind, ist alles genau dokumentiert. So etwa, dass sich 1720 eine selbstbewusste Rebbäuerin schriftlich bei den Freiherren von Westernach über die Baufälligkeit des Hauses beklagte und so einen Neubau erwirkte. Auch über die zu erwartende Ernte und den daraus gekelterten Wein wurde rege ins Allgäu Bericht erstattet.

Es wurde auch berichtet, dass es 1796 während der französischen Belagerung von Bregenz zu riskant war, den geschuldeten Wein mit Lastenseglern über den See zu transportieren, da die Franzosen Ladungen konfiszierten und angeblich dem Wein nicht abgeneigt waren.

Ein Haus als Zeuge von Handelsbeziehungen

Das Winzerhaus ist ein Beweis für frühe grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Da es im Rheintal Anfang 18. Jahrhundert an passendem Bauholz mangelte, bezog man dieses aus dem nahen Bregenzerwald, wo reichlich grossgewachsene Fichten standen. Die Zimmerleute kamen aus Dornbirn, wo das geschlagene Holz weiterverarbeitet wurde.

Der Strickbau mit Zwischenböden und Türrahmen wurde vorverarbeitet und mit Zeichen und Nummern versehen. Dies geschah, um die Montagearbeiten beim Bestimmungsort im Büchel zu erleichtern. Der Dachstuhl wurde aus dem Abbruchholz der alten Liegenschaft zusammengezimmert. Der Baumeister, der die Arbeiten plante und koordinierte, war ein Maurermeister und Steinmetz aus Arbon. Die Freiherren von Wes- ternach, Bauherr und Besitzer der Liegenschaft lebten weiter auf Schloss Kronburg.

Dass sich das Winzerhaus bis heute so gut gehalten hat, ist nicht nur der massiven Bauweise zu verdanken. So blieb das Haus über Jahrhunderte vor Naturkatastrophen und Kriegen verschont. Da es seit 192 Jahren in Familienbesitz ist, wurde es auch nie zu einem Spekulationsobjekt. Zudem gab es immer wieder Instandhaltungs- und Erweiterungsarbeiten. Heute dient es mit den vorhandenen Unterlagen als Zeitzeuge einer vergangenen Zeit.

Hinweis: Interessierte finden unter «www.rebweg-au.ch/Bauzeugen» weitere Infos und einen Einblick in Originalakten mit Übersetzungen.