RHEINTAL: Er versteht die Sprache alter Häuser

Am Samstag konnte das restaurierte Haus von Werner Bänziger besichtigt werden. Über 50 Interessierte erlebten anhand des Films «Bä und seine Häuser», wie das Bijou zu neuem Leben erwachte.

Maya Seiler
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Werner Bänziger (mit Hut und Bart) hat dem Haus Kirchgass 17 zur Wiedergeburt verholfen, wozu ihn die zahlreichen begeisterten Besucher beglückwünschten. (Bild: Maya Seiler)

Werner Bänziger (mit Hut und Bart) hat dem Haus Kirchgass 17 zur Wiedergeburt verholfen, wozu ihn die zahlreichen begeisterten Besucher beglückwünschten. (Bild: Maya Seiler)

Werner Bänziger oder Bä, wie man ihn unter Freunden kennt, ist wie kein anderer fähig, das Potenzial alter Gebäude zu erkennen. Im Dokumentarfilm, den Peter Sonderegger und René Schelling realisiert haben, sagt Felix Oberholzer, pensionierter Dorfarzt: «Werner ist nicht nur der grösste Philosoph unter den Architekten; er ist vielleicht auch der grösste Architekt unter den Philosophen.» Von Bä heisst es, er sei ein «Riegelschmecker», er erkenne, wenn unter einem Verputz oder einer neuzeitlichen Schindelfassade ein Riegelbau verborgen ist.

Die Idee zu dem Dokumentarfilm über das Werk von Werner Bänziger kam seiner Frau Luzia, die zusammen mit Markus Bänziger und Björn Lutze das gleichnamige Architekturbüro leitet. Der Film zeigt die Arbeit am alten «Leichenführer-Schelling»-Haus an der Kirchgass 17. Eingestreut sind Reminiszenzen von Bänzigers Freunden und zahlreiche Seitenblicke auf andere Gebäude, die Bäs Handschrift tragen. Im Laufe vieler Jahre waren das nicht nur aufsehenerregende Restaurationen wie der ehemalige «Hirschen», das Gebäude des Ortsmuseums im Oberdorf, oder das «Doktorhaus», ein herrschaftlicher Riegelbau an der Kirchgass 8. Bänziger hat auch zahlreiche Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Industriebauten realisiert. In einigen der eindrücklichen Renovationen hat Bä mit Strax zusammengearbeitet, dem Bildhauer und Künstler Walter Jüstrich, dessen Arbeiten das Dorfbild in ähnlichem Mass prägen wie die Bänziger-Bauten.

Das «Leichenführer-Schelling»-Haus ist kein Riegelbau, sondern ein Holzhaus mit Strickwänden und einem angebauten Ökonomieteil, wo der frühere Leichenführer Pferd und Leichenwagen eingestellt hatte. Durch den Einbau von sprossengeteilten Butzenfenstern im Wohnhaus ist die ursprüngliche Fassade wieder hergestellt worden. Der Wohn-Küchen-Bereich im alten Ökonomieteil hingegen bekam grosse Glasflächen mit einer vorgelagerten Veranda. Im Innern fallen unzählige liebevoll restaurierte Details auf. Viele Besucher verliebten sich spontan in das Haus mit der unnachahmlichen Atmosphäre; eine brachte es auf den Punkt: «Wenn ich heute Abend den Lotto-Jackpot knacke, kaufe ich die Liegenschaft.»