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RHEINTAL: Den Bau im Visier

Plötzlich stehen sie da, die Bauvisiere. Auf der grünen Wiese oder um ein bestehendes Gebäude herum. Visiere deuten aber nicht zwangsläufig auf einen baldigen Baubeginn hin.
Andrea C. Plüss
An der Gässelistrasse 34/36/38 in Widnau stehen die Visiere bereits etwas länger. Hier sollen drei Mehr­familienhäuser gebaut werden. Eine erste Projektänderung erfolgte im September. (Bild: acp)

An der Gässelistrasse 34/36/38 in Widnau stehen die Visiere bereits etwas länger. Hier sollen drei Mehr­familienhäuser gebaut werden. Eine erste Projektänderung erfolgte im September. (Bild: acp)

Andrea C. Plüss

In vielen Fällen geht es ruckzuck: Bauvisiere werden gestellt, stehen wenige Wochen, werden entfernt und bald darauf rücken die Bagger an. Meist erteilen Architekten, Planer oder eine Totalunternehmung den Auftrag für eine Visierung.

Visiere kündigen etwas Neues an

Visiere zeigen an: Hier will jemand bauen, anbauen oder erst etwas abreissen und dann neu bauen. Im Rahmen einer Vorprüfung begutachten die Bauverwaltungen eine generelle Machbarkeit und Zonenkonformität eines Bauprojekts. «Das Stellen von Visieren ist zu diesem Zeitpunkt nicht obligatorisch,» sagt der Widnauer Bauamtsleiter René Altherr. «Erst zum Zeitpunkt der Bauanzeige und des Auflageverfahrens müssen Visiere gestellt sein. Die Anwohner, denen die Bauanzeige zugestellt wird, müssen ja schliesslich sehen können, wo was in welcher Höhe geplant ist», fügt Altherr an.

Stehen nach Ablauf der Einsprachefrist – in der Regel zwei Wochen, bei grösseren Bauvorhaben auch vier Wochen – immer noch Visiere auf einem Grundstück, sind meist Einsprachen gegen ein Bauvorhaben eingegangen. «Wenn Visiere viele Wochen oder Monate stehen, handelt es sich mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit um hängige Einsprachen», weiss René Altherr aus Erfahrung. Ein Einspracheverfahren könne durchaus aufwendig sein und sich über mehr als ein Jahr hinziehen. Bis zu einer Erledigung der Einsprachen müssen die Visiere stehen bleiben. Ist hingegen das Bewilligungsverfahren abgeschlossen und die Baubewilligung erteilt, können die Visiere entfernt werden. Jetzt könnten besagte Bagger anrücken und die Baugrube ausheben. Oder ein Kran mit Abrissbirne, um ein nicht mehr zeitgemässes Gebäude abzureissen und Platz zu schaffen für funktionale Neubauten.

Unzählige Visiere säumten monatelang eine Seite der Auer­strasse in Heerbrugg. Während die Visiere Auerstrasse, Ecke Kirchstrasse innert kurzer Zeit verschwanden und einem Neubau Platz machten, an dem fast täglich Baufortschritte sichtbar sind, befindet sich unweit davon ein Visier-Ensemble, das sich bis zur Berneckerstrasse hinzieht.

Im Juni hatte die AR Immoservice GmbH bei der Gemeinde Au dazu zwei Baugesuche eingereicht: für ein Wohn- und Geschäftshaus an der Auerstrasse 3 und 5 sowie für ein Mehrfamilienhaus an der Berneckerstras­-se 14 (Restaurant Indian Tandoor). Für beide Objekte ist je eine Tiefgarage vorgesehen. Karin Hüppi, Leiterin Hochbau bei der Bauverwaltung Au, bestätigt auf Anfrage, dass sich ein Projekt für die Auerstrasse 3 und 5 im Bewilligungsverfahren befinde und derzeit noch Fragen offen seien.

Die Visiere müssen dort also weiterhin stehen. Hingegen könnten sie an der Bernecker­strasse eigentlich entfernt werden, da ein Bauprojekt mit den Visieren wie sie jetzt gestellt sind nicht realisiert werden könne, sagt Karin Hüppi.

Dass Firmen die Visiere länger stehen lassen, als es eigentlich nötig bzw. gefordert ist, darf als Ausnahme angesehen werden. Visierungen werden von darauf spezialisierten Firmen ausgeführt.

Für Visiere muss Miete gezahlt werden

Die Visiere selbst müssen gemietet werden. Pro Stab wird ein Ansatz festgelegt, dazu meist ein Mindestmietzeitraum von einem oder zwei Monaten. «Bei einem Einfamilienhaus liegen die Kosten für die Visierung zwischen 700 und 1300 Franken, je nachdem, wie viele Ecken und unterschiedliche Höhen das Objekt hat», sagt Patrick Frei, Inhaber der P. Frei Immobilien GmbH. Bei grösseren Bauprojekten kann da über die Monate ein rechter Betrag zusammenkommen.

Mit Bewilligung neu drei Jahre Zeit

Aber selbst wenn die Baubewilligung anstandslos erteilt worden ist, muss es mit dem Baubeginn nicht ruckzuck gehen. Galt eine Baubewilligung bislang ein Jahr, hat die Bauherrschaft seit dem 1. Oktober drei Jahre Zeit, das Bauprojekt umzusetzen.

Wer kann sich denn nach so langer Zeit noch an die Visiere erinnern, die einmal das Bauprojekt visuell umrissen haben? Wohl kaum jemand, ist anzunehmen. Dann würde bei Baubeginn für die Bagger gelten, was sonst für die Visiere gilt: und plötzlich sind sie da.

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