RHEINTAL: Böden im Rheintal für SBB heikel

Der Kantonsrat drängt die Regierung, in Bern Druck zu machen, damit mit dem Doppelspurausbau früher begonnen wird, als geplant ist. Am Donnerstag erklärten Vertreter der SBB und des Bunds, warum das nicht geht.

Max Tinner
Merken
Drucken
Teilen
Mit 300 Tonnen über bis zu acht Meter tiefem Torfboden: Regio-Dosto-Doppelstock-Triebzug der SBB beim Bahnübergang Hilpert bei Oberriet. (Bild: Max Tinner)

Mit 300 Tonnen über bis zu acht Meter tiefem Torfboden: Regio-Dosto-Doppelstock-Triebzug der SBB beim Bahnübergang Hilpert bei Oberriet. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

«Inakzeptabel» sei ein Doppelspurausbau der Bahnlinie durchs Rheintal erst aufs Jahr 2025 hin, hatte der Wartauer Gemeindepräsident Beat Tinner in der Septembersession des Kantonsrats insistiert. Mit ihm drängten alle Fraktionen des Rats die Regierung, in Bern forscher aufzutreten. Es wurde daran erinnert, dass dieser Infrastrukturausbau einmal schon für 2019 vorgesehen gewesen sei.

Doch eine solche Doppelspur ist nicht einfach grad so schnell in die Landschaft gebaut. Und im Rheintal schon mal gar nicht. Das machten am Donnerstag Stefan Gahler von den SBB und Ronald Menzi vom Bundesamt für Verkehr an einem Informationsanlass der Interessengemeinschaft Bahn im Rheintal am NTB in Buchs klar. Das Projekt im Detail zu erarbeiten, werde noch bis 2019 dauern, stellte Gahler fest. Das geht offenbar nicht schneller: «Eine Eisenbahn muss gut geplant sein – macht man da Fehler, holt einen das später wieder ein», betonte Menzi.

Steht das Projekt, gibt es ein Auflageverfahren wie für den Bau eines Einfamilienhauses. Sollte es Einsprachen geben, ist das Bauvorhaben unter Umständen auf unbestimmte Zeit blockiert – wie aktuell der Doppelspurausbau zwischen Goldach und Rorschach. Gibt’s keine Einsprachen, wird voraussichtlich ab 2022 gebaut. Und das ist im Rheintal komplizierter als anderswo.

Wie das Nagelbrett eines Fakirs

Die Doppelspurausbauten können nämlich nicht irgendwo realisert werden, sondern müssen bei Oberriet in Richtung Altstätten und zwischen Buchs und Sevelen zu liegen kommen. An beiden Orten ist laut Stefan Gahler der Baugrund schwierig. Dies hätten Sondiergrabungen ergeben. Zwischen Buchs und Sevelen baut man auf Silt und Sand. Bei Oberriet ist’s noch heikler: Dort führt die Bahnline über fünf bis acht Meter tiefen Torfboden. Für diese 2,3 Kilometer von Oberriet rheintalabwärts prüfen die SBB nun eine neue Bauweise, die in manchen Gegenden Deutschlands bereits angewandt worden ist. Bei diesem «Rüttelstopfverfahren» wird Kies in den Boden getrieben, das dann vermörtelt wird. Das Bahntrassee liegt dann auf 9400 Kiessäulen, «wie ein Fakir auf seinem Nagelbrett», veranschaulichte Stefan Gahler das Verfahren.

Wollte man während der Bauzeit den Bahnverkehr aufrecht erhalten, würde dies die Bauar­beiten massiv erschweren. Da­-mit das bestehende Bahntrassee unter dem Gewicht der Züge nicht zur Baustelle wegrutscht, wären auf der ganzen Länge Spundwände und Verankerungen nötig. Gebaut werden könnte ausserdem nur nachts, wenn keine Züge fahren. Zieht man je eine Stunde fürs Einrichten und Abräumen der Baustelle ab, bleiben pro Nacht noch vier Stunden zum Bauen übrig. Deshalb wäre eine Inbetriebnahme erst Ende 2025 möglich. – «Wollte», «würde» und «wäre», weil man sich überlegt, die Bahnlinie für die Zeit der Bauarbeiten zu sperren und die Reisenden mit Bahnersatzbussen zu transportieren. So liesse sich während der Bauphase doch noch etwas Zeit gewinnen.