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RHEINTAL: Berater beim RAV zu sein, wird anspruchsvoller

Ab 1. Juli müssen Arbeitgeber freie Stellen der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) melden, sonst machen sie sich strafbar. Was bedeutet die Neuerung für Rheintaler Personalvermittlungsbüros? Werden die überflüssig?
Kurt Latzer
Steigt die Arbeitslosenquote in einer Berufsgattung auf acht oder mehr Prozent, müssen Arbeitgeber freie Stellen beim RAV melden. Wann die verbindliche Liste mit den Arbeitslosenquoten je Berufsgattung kommt, steht noch nicht fest. (Bild: Kurt Latzer)

Steigt die Arbeitslosenquote in einer Berufsgattung auf acht oder mehr Prozent, müssen Arbeitgeber freie Stellen beim RAV melden. Wann die verbindliche Liste mit den Arbeitslosenquoten je Berufsgattung kommt, steht noch nicht fest. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

In groben Zügen: In Berufsarten, in denen die Arbeitslosenquote die Acht-Prozent-Marke überschreitet, müssen Firmen ab dem 1. Juli freie Stellen im jeweiligen Beruf dem RAV melden.

Den einheimischen Arbeitslosen verschafft der Staat einen Vorsprung von fünf Tagen. Innerhalb dieser Frist dürfen freie Stellen nicht ausgeschrieben werden. Innerhalb dieser fünf Tage schickt das RAV dem Arbeitgeber eine Liste mit Personen, die für die gesuchte Stelle infrage kommen. Liegt die Liste vor, muss der Arbeitgeber dem RAV mitteilen, ob eine der Personen eingestellt wird oder auch nicht. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, die Ablehnung von Personen zu begründen.

Informationskampagne in den Startlöchern

Die Betreiber von Personalvermittlungen im Rheintal sind gespaltener Meinung, was die Meldepflicht betrifft. Bei der Umfrage hat sich gezeigt: Unsicherheit herrscht, weil noch keine Details bekannt sind. «Auch unser Verband hat bisher keine Richtlinien herausgegeben», sagt Christoph Schaufelberger, Verwaltungsratspräsident der IBT Personal AG, mit Hauptsitz in St. Gallen und Agentur in Heerbrugg. Eine umfassende Informationskampagne hat das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit in der Pipeline.

Eines hat die Umfrage bei den privaten Personalvermittlern ergeben. Sie befürchten mit der neuen Meldepflicht einen massiv höheren Aufwand in der Administration. «Die grossen Firmen haben die Administration im Personalwesen im Griff. Schwerer werden es meiner Meinung nach die kleineren Firmen haben», sagt Hans Tschudi, Personalberater bei Parcon Personaltreuhand Heerbrugg.

Wartefristen machen bewegungsunfähig

Mehr als über den zunehmenden Papierkrieg sorgt sich Andreas Leumann, Geschäftsführer und Mitinhaber von Work-Shop in Heerbrugg. «Mit der neuen Regelung wirft man uns Knüppel zwischen die Beine. Ich befürchte, wir werden wegen der Wartefristen in gewissen Bereichen bewegungsunfähig.» Weiter fürchte der Personalberater, das RAV könnte die ab 1. Juli anfallende Mehrarbeit nicht bewältigen, worunter auch die Qualität der Zuweisungen leiden könne. Christoph Schaufelberger: «Das Ganze wird sich dahin bewegen, dass das RAV noch mehr gepuscht wird, noch mehr administriert und noch weniger vermittelt.» Der Verwaltungsratspräsident von IBT ist aber überzeugt: Die Auswirkungen der Meldepflicht für offene Stellen hat auch seine positive Seite. Er glaubt nicht, dass IBT stark unter den Neuerungen zu leiden haben wird. Entspannt wirkt auch Hans Tschudi, Personalberater bei Parcon Heerbrugg. Er vermutet, «das Ganze wird nicht auf alle Bereiche einen gleich grossen Einfluss haben.» Personalberatungen, die überwiegend im Kaderstellenbereich tätig sind, werden die Stellenmeldepflicht weniger zu spüren bekommen als die, die es mit niederschwelligen Arbeitsplätzen zu tun haben. Der neuen Meldepflicht durchwegs positiv gegenüber steht Reto Halter, Inhaber und Geschäftsführer der Halter Personal Consulting GmbH Rebstein.

Vermittlung von Stellensuchenden gefördert

«Konkret wird mit der Stellenmeldepflicht die Vermittlung von stellensuchenden Personen gefördert, die in der Schweiz bei der öffentlichen Arbeitsvermittlung (öAV) angemeldet sind», sagt Halter.

Das Unternehmen unterstütze, dass die Meldepflicht gezielt in denjenigen Berufsarten eingeführt wird, in denen die gesamtschweizerische Arbeitslosenquote den Schwellenwert von vorerst acht Prozent erreicht oder überschreitet. «Wir wollen uns proaktiv mit unseren Fachkenntnissen und Sichtweisen einbringen und dem Anspruch gerecht werden», sagt Reto Halter. Er ist überzeugt, dass in Zusammenarbeit wie auch im Dialog mit den öffentlichen Arbeitsvermittlern nützliche Ressourcen freigegeben werden. Personaldienstleister hätten einerseits dank der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) einen besseren Zugang zu Personen auf Stellensuche, andererseits können die RAV dank der spezifischen Branchenkenntnisse der Personaldienstleister die Dauer der Stellensuche ihrer Versicherten reduzieren. Eine grosse Herausforderung wird sicher nach wie vor die Rekrutierung von Fachspezialisten resp. die Besetzung von Schlüsselpositionen in einem zunehmend kompetitiven Arbeitsmarkt sein. «Für eine zielführende Zusammenarbeit ist es jedoch zwingend nötig, die Arbeitsmarktfähigkeit anhand definierter Kriterien sachlich und unkompliziert zu prüfen», sagt Reto Halter. Nur bei einer positiven Einschätzung der Arbeitsmarktfähigkeit des Bewerbers sei eine Zusammenarbeit sinnvoll. Ebenso müssten die Voraussetzungen für die Zusammenarbeit sowie effiziente und verbindliche Abläufe definiert werden, damit der administrative Mehraufwand in Grenzen gehalten werden kann.

Die Flexibilität könnte leiden

Andreas Leumann befürchtet, dass unter der neuen Meldepflicht die Flexibilität leidet, auf die Work-Shop angewiesen ist. Denn etwa 80 Prozent der Stellen seien bei Work-Shop temporär. «Wir haben meist kurzfristige Sachen. Ein Arbeitgeber kann heute anrufen und will den Arbeiter am anderen Morgen vor Ort haben», sagt Leumann. Work-Shop sei sehr industrielastig, die Industrie habe viele Produktionsplätze, viele niederschwellige Arbeitsplätze, darunter viele Grenzgänger. «Wir haben einen Mitarbeiter-Pool geschaffen, aus dem wir schöpfen. Nur dank dem können wir schnell reagieren», sagt der Work-Shop Geschäftsführer.

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