Rheintal belegt unrühmliche Spitze: In keinem St.Galler Wahlkreis werden derzeit mehr Coronafälle registriert

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wurden im Rheintal in den letzten 14 Tagen am meisten Coronafälle registriert.

Seraina Hess
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Den ersten nachgewiesenen Rheintaler Coronafall gab es am 9. März 2020.

Den ersten nachgewiesenen Rheintaler Coronafall gab es am 9. März 2020.

Bild: Britta Gut

Das Rheintal steht kantonal an erster Stelle, was die aktuellsten Coronazahlen angeht. Seit Beginn der Pandemie wurden bis und mit 3. November insgesamt 1346 Fälle gemeldet, allein in den letzten 14 Tagen waren es 790 positiv getestete Personen. Damit erreicht das Rheintal zwar nicht gleich viele Erkrankte wie beispielsweise der grössere Wahlkreis St.Gallen (1227) – doch betrachtet man die Fallzahlen in der Vergleichsansicht des Kantons, sieht es anders aus. Hochgerechnet auf 100000 Einwohnerinnen und Einwohner verzeichnet das Rheintal seit gestern den höchsten 14-Tage-Wert. Derzeit liegt er bei knapp 1073 laborbestätigten Covid-19-Fällen.

Zahlen steigen erst seit Oktober

Damit überholte das Rheintal das Toggenburg (1033), das einige Wochen die Spitzenposition unter den St.Galler Wahlkreisen inne hatte. Der Wahlkreis mit den wenigsten Covid-19-Fällen ist Werdenberg: 737 sind es dort.

Weil der Kanton die Fallzahlen nach Wahlkreis bereits seit Beginn der Pandemie sammelt, lassen sich die Entwicklungen auf den Tag genau verfolgen. Den allerersten positiven Coronatest im Rheintal gab es am 9. März. Danach erhöhten sich die Zahlen der laborbestätigten Fälle kaum, sie schwankten wöchentlich zwischen fünf und zwanzig. Anfang Mai bis Anfang Juni konnten sogar mehrere Wochen ohne einen getestete Neuansteckung verzeichnet werden. Ein Anstieg machte sich allerdings im Oktober (Kalenderwoche 40 und 41, siehe Tabelle) bemerkbar. Seither sind die Fallzahlen kontinuierlich weiter in die Höhe geklettert, zwischen dem 26. Oktober und dem 1. November waren es sogar 474 neue Ansteckungen. Diesen Montag und Dienstag konnte das Gesundheitsdepartement im Rheintal bereits 126 positive Testergebnisse verbuchen. Zum Vergleich: Vergangene Woche lag man am Dienstag noch bei 105 Fällen, vor zwei Wochen bei 54.

Die jüngsten Zahlen muss man jedoch unter Vorbehalt betrachten. Weil Ergebnisse von Tests teilweise nachgemeldet werden, können sich die Werte der letzten Tage im Nachhinein leicht erhöhen. Die aktuellsten Zahlen umfassen jeweils alle bis und mit Mitternacht des Vortags gemeldeten Fälle – in diesem Beitrag jene bis Dienstagnacht.

Ein klares Muster fehlt bislang

Weshalb und wie sich das Rheintal zum neuen Corona-Hotspot entwickeln konnte, will das Gesundheitsdepartement nicht beantworten. Das Contact Tracing sei derzeit ausgelastet und verzichte auf solche Recherchen. Doch bereits Anfang Oktober, als der Wahlkreis Wil die höchste (wenn auch noch deutlich tiefere) Coronaquote aufgewiesen hatte, sagte Mediensprecher Thomas Zuberbühler gegenüber der «Wiler Zeitung», es gebe keine einheitlichen Muster, die einen Rückschluss ziehen liessen, weshalb ein Gebiet mehr oder weniger betroffen sei.

In seinem letzten Lagebulletin meldete der Kanton allerdings, dass vor allem Altersheime und Schulen als Ansteckungsorte herausgestochen seien. Die Situation bleibe weiterhin instabil: «Es gilt, die Wirkung der beschlossenen Massnahmen abzuwarten», heisst es in der Mitteilung.