RHEINTAL: Arbeitskräfte zurück ins Land holen

Die Zahl der Grenzgänger im St. Galler Rheintal ist in den vergangenen 20 Jahren praktisch gleich geblieben. Ginge es nach dem Willen der Vorarlberger Wirtschaft, müsste sich dies schnellstmöglich ändern. Die Leute sollen wieder im eigenen Land arbeiten.
Kurt Latzer
Das Niveau zwischen dem, was man im St. Galler Rheintal und in Vorarlberg verdienen kann, gleicht sich immer mehr an. Stabilisierte sich dazu der Euro-Kurs auf hohem Niveau, könnte dies viele Grenzgänger vom Pendeln in die Schweiz abhalten. (Bild: Archiv/Benjamin Manser)

Das Niveau zwischen dem, was man im St. Galler Rheintal und in Vorarlberg verdienen kann, gleicht sich immer mehr an. Stabilisierte sich dazu der Euro-Kurs auf hohem Niveau, könnte dies viele Grenzgänger vom Pendeln in die Schweiz abhalten. (Bild: Archiv/Benjamin Manser)

Kurt Latzer

Die Jobsituation in Vorarlberg habe bedenkliche Ausmasse angenommen, hiess es vergangene Woche in den Medien im Nachbarland. Die Analyse der Jobmesse zeige, dass sich die Zahl freier Arbeitsplätze mehr als verdoppelt habe. Laut der Analyse der Vorarlberger Industriellenvereinigung könnten 102 Unter­nehmen aktuell 2700 Anstellungen vornehmen, 1100 Jobs, die durch Personalvermittlungsbüros angeboten werden, nicht eingerechnet.

Frauen, Grenzgänger und Exil-Vorarlberger

Dem Fachkräftemangel will man im Nachbarland mit verschiedenen Massnahmen entgegenwirken. Denn die bisherigen und aktuellen Initiativen seien nicht ausreichend. Die Industriellenvereinigung möchte künftig nicht nur mehr nicht berufstätige Frauen ansprechen, sondern auch «Grenzgänger und Exilvorarlberger» und sie dazu bewegen, im eigenen Land zu arbeiten.

Angewiesen auf die Grenzgänger aber sind auch Industrie und KMU diesseits des Rheins. Von 1999 bis 2017 stieg die Zahl der Leute, die von ennet der Grenze in den Kanton St. Gallen zur Arbeit kamen, von 6244 auf 9051. Ein Grossteil der Personen, die über den Rhein pendeln, arbeiten im St. Galler Rheintal. Laut dem Bundesamt für Statistik waren im dritten Quartal 2017 rund 4527 Grenzgänger gemeldet. In der Schweiz besassen im selben Quartal und Jahr 317 051 Personen den Grenzgängerausweis, 1999 waren es gesamtschweizerisch 136 035. Das entspricht einer Zunahme von etwa 133 Prozent.

Interessant ist der Vergleich zwischen dem 1. Quartal 1996 und dem 3. Quartal 2017. Letztes Jahr arbeiteten sieben Personen mehr im Rheintal als 1996 (Kommastellen nicht eingerechnet). Anscheinend rentiert es sich nach wie vor, als Vorarlbergerin oder Vorarlberger in der Schweiz zu arbeiten – oder? «Die Lohndifferenz zu Vorarlberg ist nicht mehr so gross. Das kann dazu führen, dass einige Grenzgänger zurück gehen und sich so die Fachleutesituation bei uns verschlechtert», sagt Hans Tschudi, Personalberater bei der Parcon Personaltreuhand AG, Heerbrugg.

«Mit den ganzen Sozialleistungen, der Quellensteuer und der Pensionskasse, die man nun in Österreich auch angeben muss, ist der Lohnunterschied nicht mehr so gross», sagt auch Andreas Leumann, Geschäftsführer und Mitinhaber des Per­sonalvermittlungsbüros Work-Shop. Stabilisierte sich dann auch noch die europäische Währung auf hohem Niveau, über 1.40 Franken beispielsweise, würden Herr und Frau Vorarlberger wohl kaum mehr über die Grenze arbeiten kommen.

Grenzgänger in Zahlen

Gemeinde 1. Quartal 1996 3. Quartal 2017 Ab-/Zunahme

Thal 366 459 +93

Rheineck 129 100 -29

St. Margrethen 657 365 -292

Au 935 792 -143

Balgach 462 455 -7

Berneck 198 167 -31

Diepoldsau 436 481 +45

Widnau 303 552 +249

Rebstein 48 207 +159

Marbach 21 27 +6

Altstätten 332 426 +94

Eichberg 17 8 -9

Oberriet 317 359 +42

Rüthi 299 129 -170

Total 4520 4527 +7

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