Rheinpark büsst Kunden ein

2015 verzeichnete die Migros Ostschweiz 1,5 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. An diesem Ergebnis war auch der Rheinpark beteiligt: Er spürt den starken Franken im Vergleich zu anderen Migros-Einkaufszentren besonders.

Seraina Hess
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ST. MARGRETHEN. Wer am Freitagabend oder am Wochenende einen Parkplatz vor dem Rheinpark sucht, wird kaum glauben, dass das Einkaufszentrum Kundschaft verloren haben soll. In den Geschäften bilden sich zu Stosszeiten Schlangen vor den Kassen, als hätte es den 15. Januar 2015 nie gegeben. Doch innerhalb der Genossenschaft Migros Ostschweiz hat die Aufhebung des Euro-Mindestkurses Spuren hinterlassen: Der gesamte Umsatz liegt mit 2,38 Milliarden Franken 1,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Zur Genossenschaft gehört auch der Rheinpark – das Migros-Einkaufszentrum, dem der starke Franken besonders zu schaffen macht.

Betroffen seien vor allem die Fachmärkte, sagt Zentrumsleiter Andreas Aepli. Denn Outdoor by SportXX, Micasa, M-Electronics oder Do it + Garden würden einerseits die rückläufige Teuerung in Form des Preisnachlasses an die Kunden weitergeben, andererseits seien sie vom Online-Handel tangiert, der in diesen Zeiten blüht.

Ausländische Kunden fehlen

Separate Zahlen für die Migros-Fachmärkte und den Supermarkt in St. Margrethen veröffentlicht die Genossenschaft nicht. Mediensprecher Andreas Bühler sagt aber: «Der Umsatz der Migros-Fachgeschäfte und des Supermarktes im Rheinpark ist verglichen mit dem gesamten Unternehmen überdurchschnittlich stark gesunken.»

Die Gründe dafür sind bekannt: Im Gegensatz zu Zentren in Winterthur, Abtwil oder Wetzikon liegt der Rheinpark direkt an der Grenze. Spürbar seien nicht nur Schweizer Kunden, die heute im Ausland einkaufen. «Auch Kunden aus Deutschland und Österreich, die vor allem die Qualität des Fleisch- oder Gemüsesortiments geschätzt haben, kommen seltener», sagt Zentrumsleiter Andreas Aepli. Gezeigt hätten dies die Erhebungen von Cumulus-Karten und die rückläufigen Euro-Bargeld-Einnahmen.

Rückschläge gab es schon früher

Die glorreichen Zeiten mit vielen Kunden aus dem Ausland seien aufgrund der Frankenstärke schon längere Zeit vorbei, sagt Migros-Mediensprecher Andreas Bühler. Bereits vor dem Entscheid der Nationalbank habe sich der Rückgang ausländischer Kundschaft abgezeichnet, ebenso die Zunahme der Schweizer, die im Ausland einkaufen. In den letzten Jahren sei der Umsatz der Migros Ostschweiz zwar stets gestiegen, leichte Rückschläge gab es aber schon früher, beispielsweise beim Eintritt von Aldi und Lidl in den Schweizer Markt, als die Migros gezwungen war, ihre Preise zu senken.

Es erstaunt, dass der Rheinpark 2011 trotzdem für 14,5 Millionen Franken renoviert wurde. «Der Umbau hat sich gelohnt», sagt Andreas Bühler, «Bis zum 15. Januar hat die Anzahl Kunden dank des modernen Auftritts stets zugenommen.»

Im Rheinpark werde einiges unternommen, um der Kundschaft mehr zu bieten als die Konkurrenz, sagt Andreas Aepli – mehr sogar als in anderen Migros-Einkaufszentren. Dazu gehören Ausstellungen, Aufführungen, Bastel-Anlässe für Kinder oder Modeschauen. Ob dies neue Kunden in den Rheinpark zieht, ist unklar. Tatsache ist aber, dass es solche Aktionen im nahen Ausland, beispielsweise im Messepark, kaum gibt.

«Situation ist nicht dramatisch»

Trotz Grenznähe und starkem Franken stehe der Fortbestand des Rheinparks keineswegs auf der Kippe. «Von Dramatik kann keine Rede sein, und auch als Sorgenkind der Migros Ostschweiz würde ich den Rheinpark nicht bezeichnen», sagt Andreas Aepli.

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