Rheineck findet neuen Pfarrer

Christian Wermbter ist Pfarrer im Unterengadin. Er möchte im Sommer 2016 nach Rheineck wechseln. Am 1. Advent stellt er sich den Kirchbürgern vor. Pfarrwahl ist am 20. Dezember. Ihn reizt die Landeskirche und das Dreiländereck.

Monika von der Linden
Drucken
Teilen
Christian Wermbter möchte Pfarrer von evangelisch Rheineck werden. (Bild: pd)

Christian Wermbter möchte Pfarrer von evangelisch Rheineck werden. (Bild: pd)

Herr Wermbter, als Pfarrer haben Sie vier Kirchgemeinden in Deutschland und der Schweiz kennengelernt. Nun wollen Sie nach Rheineck wechseln. Warum gerade ins Rheintal?

Christian Wermbter: Ich bin nie wirklich weit weg vom Rhein gewesen. In Deutschland studierte ich in Bonn am Rhein und arbeitete danach bei der Rheinischen Landeskirche. Aktuell lebe ich in Graubünden, wo der Rhein entspringt. Ich käme sehr gerne ins Dreiländereck.

Was reizt Sie an der Region?

Wermbter: Ich denke, ich passe gut in den Bodenseeraum. Ich blicke gerne über Grenzen hinweg – über die des Dorfes, der Region, des Landes und auch die der Landeskirche.

Sprechen Sie von Ökumene oder von Gemeindefusionen?

Wermbter: Sowohl vom einen als auch vom anderen. Die Kirchenvorsteherschaft hat mir gesagt, dass sie Wert auf eine intensive Ökumene legt. Ich meine, etwas anderes können sich Christen heute auch nicht mehr erlauben. Sie müssen sich austauschen. Weiter pflegen die Rheinecker Kirchbürger bereits eine enge Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde St. Margrethen. Ich will zwar hier nicht von einer möglichen Fusion sprechen, aber ich weiss, dass die Kantonalkirche St. Gallen bei kleinen Kirchgemeinden Fusionen vorschreibt. Da suche ich lieber freiwillig die Zusammenarbeit.

Wie gut kennen Sie die Kantonalkirche St. Gallen?

Wermbter: Unter den Gemeindepfarrern in der Schweiz gilt sie als vorbildliche Landeskirche in Bezug auf Führung, Kollegialität und Programm. Zum Beispiel bei den Erlebnisprogrammen – sie sind eine gute Vorbereitung auf den Konfirmandenunterricht, weil die Jugendlichen sich mit ihren alltäglichen Themen in der Kirche befassen können.

Welche Erfahrung haben Sie mit Fusionen von Kirchgemeinden?

Wermbter: Hier im Oberengadin war ich an der Zusammenführung von zwei eigenständigen Kirchgemeinden beteiligt, bis zur Fusion vor vier Jahren. Es macht mir Freude und ich habe eine Begabung dazu, Menschen zusammenzuführen.

Sie sind seit zehn Jahren in Bever. Warum ist es jetzt richtig zu gehen?

Wermbter: Als ich aus dem Saarland kam, wollte ich etwas komplett Neues machen. Es war eine gesuchte Herausforderung für mich, in eine Region mit anderer Sprache und Mentalität zu wechseln. Damals sagte ich, ich brauchte zehn Jahre, um meine Ziele zu erreichen. Jetzt ist etwas Gutes gewachsen und Zeit, in eine andere Landeskirche zu wechseln.

Wie viele Wechsel planen Sie noch?

Wermbter: Ich bin jetzt 57 Jahre alt. Ich wünsche mir, dass Rheineck die letzte Station vor meiner Pensionierung ist.

Haben Sie ein Programm im Umzugswagen?

Wermbter: Ein Programm nicht. Mir ist bewusst, dass im Einzelpfarramt ein Allrounder gebraucht wird. Ich will gerne offen sein und zunächst erfahren, was die Kirchbürger wünschen. Ideen habe ich aber sicher.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Wermbter: Rheineck hat eine Jakobskirche, wie Bever auch. Die Parallele erinnert mich daran, dass ich letztes Jahr die 790 Kilometer des Jakobspilgerweges von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela in vier Wochen gegangen bin. Ich stelle mir vor, dass man in Rheineck den Stempel fürs Pilgerbuch bekommen könnte, und dass die Kirche eine Jakobspilgerstation werden könnte.

Und innerhalb der Kirchgemeinde?

Wermbter: Ich mache gerne Musik, singe im Chor und spiele Tenorhorn. Entsprechend wichtig ist mir die Musik in Gottesdiensten und an Konzerten. Weiter bin ich überzeugt, dass Theologie und Glauben nicht nur etwas mit dem Geist sondern auch mit Körperlichkeit zu tun haben. Sport gehört genauso zum Gemeindeleben wie die Musik. Mit Bewegung bringt man etwas in Bewegung. Das habe ich erst kürzlich mit Konfirmanden erlebt. Wir haben einen KonfCup in Unihockey ausgetragen. Neben dem Wettkampf entstanden Gespräche und es entstand ein Wir-Gefühl.

Pfarrer Christian Wermbter stellt sich im Sonntagsgottesdienst am 29. November vor. Die Pfarrwahl ist am Sonntag, 20. Dezember, um 10.30 Uhr in der evangelischen Kirche. Arbeitsbeginn wäre am 1. Juli 2016.