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RHEINECK: Ein Blick in eine heile Welt

Unter dem etwas irreführenden Motto «Autobahn in Rheineck vor 50 Jahren» veranstalteten die Stadt und das Staatsarchiv des Kantons einen Filmabend. Ein Rückblick auf den Autobahnbau vor mehr als 50 Jahren.
Gerhard Huber
Mehr als 150 anstatt der erwarteten 20 Besucher verfolgten interessiert den Film über den Autobahnbau vor fünfzig Jahren. (Bild: Ulrike Huber)

Mehr als 150 anstatt der erwarteten 20 Besucher verfolgten interessiert den Film über den Autobahnbau vor fünfzig Jahren. (Bild: Ulrike Huber)

Gerhard Huber

Am 27. Oktober eines jeden Jahres findet der Unesco-Welttag des audiovisuellen Kulturgutes statt, der auf die Bedeutung der Gefährdung von Bild- und Tondo- kumenten aufmerksam machen soll. Aus diesem Anlass war das Staatsarchiv des Kantons St. Gallen, vertreten durch den Staatsarchivar Stefan Gemperli und seine Stellvertreterin Regula Zürcher, in Rheineck zu Gast und präsentierte einen historischen Dokumentarfilm über Planung und Bau der Autobahn N1 vor fünfzig Jahren.

Autobahn in Rheineck vor fünfzig Jahren

Was nicht ganz von den mehr als 160 Besuchern des Filmabends erwartet worden war. Hatte doch die Ankündigung «Autobahn in Rheineck vor 50 Jahren» gelautet. Im 90-minütigen Dokumentarfilm des Regisseurs Josef Grünenfelder wurde dann detailliert Planung, Bau und Unterhalt der N1 zwischen Winterthur und St. Gallen erläutert. Zum Autobahnbau bei Rheineck wurden in einem einleitenden Vortrag von Regula Zürcher Fotografien gezeigt, die von einer noch kaum bebauten, geradezu idyllischen Landschaft mit blühenden Wiesen und vielen Hochstammbäumen berichteten. Mit grossem Gerät wurde dieser Landschaft zu Leibe gerückt und zur Bewältigung des immer stärker werdenden Verkehrs die damals als Allheilmittel betrachtete Autobahn gebaut.

Stadtpräsident Hans Pfäffli erzählte in seiner Begrüssung davon, warum erst jetzt im Rahmen der Erneuerung der Autobahn N13 im Bereich Rheineck Lärmschutzwände errichtet werden, um das Städtli vor den Verkehrsgeräuschen zu schützen. In den Sechzigerjahren habe sich der Stadtrat noch vehement gegen solche Lärmschutzwände ausgesprochen, damit der Ausblick auf die Auen des Alten Rheins und Gaissau erhalten bleibe. Nur dumm, dass dann ausgerechnet auf österreichischer Seite jenseits der Autobahn ein Erdwall errichtet wurde.

Ja, damals war die Zeit noch eine andere. Betulich, langsam, weitgehend analog. Es war die Zeit, als man in der Schweiz noch Miet- und Eigentumswohnungen mit dem «schönen Ausblick auf die Autobahn» beworben hatte. Als die Trassengestaltung noch als «ästhetische Linienführung» bewundert wurde.

Als auf jeder Aufnahme der Bauarbeiten noch zahllose Kiebitze zu sehen waren. Man glaubt es kaum, aber einer der wichtigsten Gründe für die Errichtung der Nationalstrassen war die Förderung des Fremdenverkehrs. Und es mutet herrlich aus der Zeit gefallen an, wenn in dem Dokumentarfilm erläutert wird, dass unbedingt schnell die Planungen nördlich der N1, nämlich die Schnellstrassen- oder Autobahnverbindung Schaffhausen bis Rorschach und die Erschliessung des Thurgaus durch das Thurtal umgesetzt werden müssten. Was bis heute, fünfzig Jahre später, noch nicht erfolgt ist.

Der übrigens vom langjährigen Tagesschausprecher Léon Huber als Sprecher begleitete Film zeugte aber nicht nur vom Autobahnbau, sondern ist ebenfalls ein Sittengemälde seiner Zeit.

Trotz vieler Längen ist der Film ein spannendes Dokument aus einer ebenso spannenden und noch gar nicht so lange zurückliegenden zukunfts- und technikgläubigen Epoche.

Oder wie es Léon Huber etwas theatralisch im Film ausdrückte: «Diese Autobahnen sind das Vermächtnis unserer Generation an die Zukunft.»

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