Rheineck
Über 150 Werke: Wandbilder im Schulhaus werden restauriert

Wandmalereien des Künstlers Heinrich Herzig (1887–1964) im Schulhaus der Oberstufe werden derzeit restauriert. Die Aufgabe übernimmt jemand, der seit 23 Jahren in Rheineck zu Hause ist.

Gert Bruderer
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Die Arbeiten am Wandbild erstrecken sich über die ganze Ferienzeit. Ein grosser Teil ist schon erneuert worden.
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Die Sujets stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs; links ist Gaissau zu sehen. Dieses schöne Wandbild be­findet sich im Pflegewohnheim Thal-Rheineck in Thal.
Der in Rorschach aufgewachsene, aber schon lange in Rheineck lebende Othmar Spirig restauriert das Herzig-Wandbild im Oberstufenschulhaus und wird dabei von seiner Praktikantin Raffaela Menet unterstützt.

Die Arbeiten am Wandbild erstrecken sich über die ganze Ferienzeit. Ein grosser Teil ist schon erneuert worden.

Bilder: Gert Bruderer

Ausgeführt wird die Arbeit von Othmar Spirig und seiner Praktikantin Raffaela Menet. Die junge Maschinenbauingenieurin mit einem Bachelor der ETH Zürich hat mit dem Künstler zufällig etwas gemeinsam: Auch Raffaela Menet ist Bürgerin von Walzenhausen.

Herzig ist derzeit wieder im Gespräch

Restaurator Spirig, der gut zehn Jahre in Au zubrachte und schon dort eine Werkstatt betrieb, ist seit 23 Jahren in Rheineck zu Hause und hat seit 2014 «zmittst im Städtli» seine Werkstatt mit angegliedertem Ladenlokal. Unter den hier immer wieder stattfindenden Ausstellungen war auch die eines bekannten Quartetts: Vor gut zwei Jahren zeigte Spirig Werke von August Rausch, Erwin Müller, Frieda Martha – und eben Heinrich Herzig. In jüngster Zeit, sagt Spirig, sei Herzig wieder präsenter, nachdem in den letzten zwei, drei Jahrzehnten leider mehrere seiner Werke unwiederbringlich verschwunden seien.

Aktuell ist (mindestens noch bis zum Sommerferienende) eine Herzig- Ausstellung im Herzig-Stübli des Restaurants Hecht im Gange. Zudem ist das Restaurant für einige Monate mit Herzig-Bildern dekoriert.

In Rheinecks Fischmeile ist dem Rheinecker Ehrenbürger der erste Fisch gewidmet; er befindet sich beim von Herzig bemalten Rhytor. Ein weiteres, öffentlich zugängliches Wandbild des Rheinecker Malers, Zeichners und Grafikers ist im Pflegewohnheim Thal-Rheineck in Thal zu sehen. Es befindet sich im zweiten Stock des Treppenhauses und weist 1955 als Entstehungsjahr aus.

Bild dürfte einst die ganze Wand ausgefüllt haben

Im Untergeschoss des Oberstufenschulhauses in Rheineck ist ein grosser Teil der langen Wand mit Werken von Heinrich Herzig versehen. Othmar Spirig geht davon aus, dass die Wand einst durchgehend bemalt war.

Ein Indiz hierfür kommt zum Vorschein, wenn die Tür vor dem Verteilerkasten geöffnet wird. Im Schrank ist ein Herzig-Fragment versteckt. Es lässt den Schluss zu, dass die Wand links daneben früher wohl nicht weiss gewesen, sondern auf ihr ein liegender Soldat abgebildet war.

Die Sujets der Wandmalereien deuten darauf hin, dass der Künstler während des Zweiten Weltkriegs den im Schulhaus einquartierten Soldaten eine Freude machen und ihren tris­ten Alltag künstlerisch etwas aufhellen wollte. Der Restaurator hat die Werke Herzigs lieb gewonnen.

Er war auch mit der Aufgabe betraut, die über 150 Herzig- Werke, die der Stadt gehören, instand zu stellen. Zum überwiegenden Teil waren das kleine Arbeiten, aber einzelne Bilder waren auch etwas aufwendiger zu restaurieren. Nun freut sich Othmar Spirig über die Erhaltung der Wandbilder im Schulhaus. Ihr Zustand habe die Restaurierung als wirklich dringend erscheinen lassen.

Künstlers Technik wird möglichst übernommen

Dass die Malereien schon bald wieder frisch und sauber wirkten, habe einen bedeutsamen Nebeneffekt: Einem neu wirkenden Bild werde tendenziell mehr Respekt entgegengebracht als einem zerfallenden Werk, von dem die Farbe abblättert.

Bei der Restaurierung werde natürlich die vom Künstler angewandte Technik möglichst übernommen und versucht, dem Pinselstrich Heinrich Herzigs gerecht zu werden. Othmar Spirig freut sich über die Berichterstattung in der Zeitung und bemerkt:

«Der Steuerzahler soll sehen können, wofür das Geld verwendet wird.»

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