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Religion und Politik

Aus christlicher Sicht
Paul Hoch
«Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört», sagte Jesus über den römischen Kaiser Tiberius. (Bild: depositphotos/Toniflap)

«Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört», sagte Jesus über den römischen Kaiser Tiberius. (Bild: depositphotos/Toniflap)

Themen und Fragen, die Religion betreffend, sind auch in einer Gesellschaft, die oft als säkularisiert bezeichnet wird, durchaus relevant. Man musste nur den Wahlkampf unserer österreichischen Nachbarn – davor jener in Deutsch­land – etwas verfolgen und man stiess auf viele Inhalte, die die Religion in unterschiedlicher Weise betreffen.

Und wirft man einen Blick auf das Evangelium dieses Sonntags, so geht es ebenfalls um Religion und Politik. Jesus wird wieder einmal von den Pharisäern auf die Probe gestellt. Sie wollen wissen, ob denn der römische Kaiser das Recht hätte, auch in Israel, in Gottes eigenem Land, die Kopfsteuer zu erheben. Jesus antwortet auf diese Frage, wie er es öf­-ter tut, mit einer Aufforderung: «Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.»

Für mich heisst dies zweierlei: Erstens bedeutet es, dass wir nicht so tun können, als ob uns das Tagesgeschehen nichts anginge, weil wir uns vielleicht mit Hilfe unseres Glaubens eine viel bequemere Welt eingerichtet haben.

Wir sind in jedem Fall Teil einer Gesellschaft, Bürger eines Staates und haben Pflichten als solche. Das ist für mich der ers­- te Aspekt von Jesu Antwort und meine Interpretation seines «Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört».

Spannend finde ich auch den zweiten Teil der Aufforderung Jesu: «Gebt Gott, was Gott gehört.» Anders als in der Politik möchte Gott nicht unsere Stimme bei irgendeiner Wahl. Er möchte unser Herz, dass wir seine Liebe erwidern und ihm Raum in unserem Inneren geben. Trotzdem bin ich überzeugt, dass Religion und Politik in unserem Leben nicht zwei völlig zu trennende Bereiche sind.

Jesu Evangelium erachte ich nämlich durchaus auch als politisch. Es fordert uns heraus, unseren Standpunkt als Christinnen und Christen in der Gesellschaft einzubringen. Jesu frohe Botschaft einfach für sich in den eigenen vier Wänden zu behalten, schiene mir ihr nicht vollständig gerecht zu werden. Das Christentum bietet – bin ich überzeugt – zahlreiche Schätze auch im Hinblick auf gesellschaftspolitische Fragen.

Darüber hinaus bietet es Werte, ist Lebenshaltung und ethischer Leitfaden. Trotzdem und gerade deshalb dürfen wir unsere Religion nicht für politische oder ideologische Zwecke instrumentalisieren lassen (und ich bin der Ansicht, auch andere Religionen sollten das nicht). Es wäre nicht der Sinn der Evangelien. Denn in der Religion geben wir in erster Linie Gott, was Gott gehört, völlig frei von jedem politischen Zweck.

Paul Hoch

Pastoralassistent in Widnau

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