REBSTEIN: Schwierige Suche nach Hausärzten

Nach anderthalb Jahren verlässt Hausarzt Johannes Lüke Rebstein aus familiären Gründen. Camour-Care-Chef Bernhard Dostal bedauert seinen Wegzug - auch, weil es immer schwieriger sei, Hausärzte zu finden.

Remo Zollinger
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Ausländische Hausärzte schätzen es, sich in der Schweiz für die Patienten viel Zeit nehmen zu können. (Bild: depositphotos/belchonok)

Ausländische Hausärzte schätzen es, sich in der Schweiz für die Patienten viel Zeit nehmen zu können. (Bild: depositphotos/belchonok)

Auf einem unscheinbaren Zettel an der Tür zur Arztpraxis Rebstein steht, Johannes Lüke habe das Rheintal aus familiären Gründen verlassen und sei nach Hamburg zurückgekehrt. Derzeit wird in der ehemaligen Praxis von Hansjörg Oesch Ärztin Lisa Heiberger, sie hat kurz nach Lüke in Rebstein angefangen, von Christian Simma unterstützt. Er teilt sein Pensum zurzeit auf die Standorte Rebstein und Rüthi auf. Ob es weitere Änderungen gibt, ist noch nicht klar: «Wir schauen im August, wie sich das Patientenaufkommen entwickelt», sagt Bernhard Dostal, Verwaltungsrat der Camor Care, die die Hausarztpraxen in Rebstein, Rüthi und Altstätten unterhält.

«Wir bedauern sehr, dass Herr Lüke uns verlassen hat, besonders wegen der Patienten», sagt Dostal. Es sei für einen Patienten immer ungünstig, innert kurzer Zeit gleich zweimal den Hausarzt wechseln zu müssen. Die Camor Care habe das Ziel, Ärzte längerfristig an sich zu binden: «Beim Einstellungsgespräch fragen wir jeden, ob er sich vorstellen könnte, diese Tätigkeit bis zur Pension auszuüben».
 

Sehr viele Spezialisten, sehr wenige Hausärzte

Dies könne allerdings nicht garantiert werden. Änderungen im persönlichen Umfeld der Ärzte seien nie ausgeschlossen, überdies bewege sich die Camor Care in einem «kompetitiven Umfeld.» Was bedeutet, dass gute Ärzte schon mal von Mitstreitern im Gesundheitswesen abgeworben werden können.

Ein akuter Mangel an Hausärzten erschwert die Lage zusätzlich. Hansjörg Oesch hatte schon vor anderthalb Jahren, als er seine Praxis an die Camor Care übergeben hatte, von einem «Aussterben der Hausärzte» gesprochen. Junge Schweizer Ärzte hätten andere Berufsziele, würden sich in Weiterbildungen spezialisieren lassen und dann in Kliniken oder selbstständig tätig sein. Dostal bestätigt dies, sagt: «Es wird nicht besser, sondern schlimmer». Besonders junge Schweizer seien nach ihrem Medizinstudium wenig daran interessiert, Hausarzt zu werden.  «Bei ihnen muss ich gar nicht erst suchen», sagt Dostal, der im Rheintal mehrere Ärzte aus Deutschland und Österreich beschäftigt. Dabei bestehe zurzeit auch in diesen Ländern ein Ärztemangel – der dann teilweise mit Personal aus Osteuropa kompensiert wird.
 

Notfalldienste, spezielle Arbeitszeiten, weniger Zeit

Hausarzt sei aus verschiedenen Gründen kein beliebtes Berufsziel mehr. Ein Hausarzt muss, im Gegensatz zu einem Spezialisten, in sämtlichen Bereichen kompetent sein. Zudem muss ein Hausarzt oft zu Randzeiten oder an Wochenenden arbeiten – auch im Notfalldienst, was nach Dostals Meinung viel Zeit von der eigentlichen Tätigkeit in der Praxis abgräbt.

Für Fachpersonal aus dem Ausland ist es trotzdem attraktiv, in der Schweiz Hausarzt zu werden. Wegen des Lohns – und auch, das ist ein ausdrückliches Ziel Dostals, weil sie sich Zeit nehmen können für ihre Patienten. Allerdings unterstütze die Politik die Hausärzte zu wenig, weshalb sich das bald ändern könnte: «Wir bewegen uns hier auf Verhältnisse wie in Deutschland oder Österreich zu, wo ein Patient beim Hausarzt in zehn Minuten abgefertigt werden muss», sagt Dostal.

Der Arzt müsse, überspitzt gesagt, immer mehr können und habe immer weniger Zeit dafür. Das erschwere das Erbringen der Grundversorgung.