REBSTEIN: Fernbeheizte Stuben ab Herbst 2018

Die Ortsgemeinde will Rebstein mit Fernwärme erschliessen. Anfangs ging man davon aus, dass jetzt die ersten Häuser angeschlossen wären. Nun spricht man von der Inbetriebnahme eines ersten Strangs in einem Jahr.

Max Tinner
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Grosses Interesse bei Liegenschafteneigentümern und Ortsbürgern: An der Information über den Planungsstand am Dienstag war der Seminarraum im ri.nova impulszentrum voll. Links Ortsgemeindepräsident Ernst Schönauer. (Bild: Max Tinner)

Grosses Interesse bei Liegenschafteneigentümern und Ortsbürgern: An der Information über den Planungsstand am Dienstag war der Seminarraum im ri.nova impulszentrum voll. Links Ortsgemeindepräsident Ernst Schönauer. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Der Anschluss an ein Fernwärmenetz hat einiges für sich: Man benötigt keinen eigenen Heizkessel mehr, muss diesen also weder kaufen noch amortisieren noch nach 20 Jahren ersetzen und damit dann auch nicht mehr neu ­finanzieren. Und man kann den Heizungsraum anders nutzen, beispielsweise als Hobbyraum oder Weinkeller. Gratis ist natürlich auch die Fernwärme nicht. Man bezahlt eine Anschlussgebühr, muss unter Umständen in einen neuen Boiler investieren. Danach fallen jährlich die Kosten für den effektiven Wärmeverbrauch an. Fernwärme sei aber konkurrenzfähig, sagt Romeo Böni vom Altstätter Fernwärmeverbund NRG A: Mit 80-fränkigem Heizöl (pro 100 Liter) könne man mithalten. Und der Tarif stehe jeweils bereits frühzeitig fürs ganze folgende Jahr fest. Damit seien die Kosten besser kalkulierbar, weswegen gerade institutionelle Eigentümer wie Pensionskassen ihre Überbauungen gerne an die Fernwärme anschlössen.

Die Ortsgemeinde Rebstein hat freilich einen anderen Beweggrund, ein Projekt zur Erschlies­sung des Dorfs mit Fernwärme anzustossen. Als Waldeigentümerin ist sie daran interessiert, das in ihrem Wald anfallende Brennholz langfristig verwerten zu können. Ortsgemeindepräsident Ernst Schönauer argumentiert ausserdem mit Nachhaltigkeit und der vom Stimmvolk abgesegneten Energiewende. Ein Kubikmeter Holzschnitzel (geschüttet) kompensiere 65 Liter Heizöl, rechnete er am Dienstag im ri.nova impulszentrum vor. Und in den Wäldern an den Hängen des Rheintals falle viel Energieholz an.

Die Ortsbürger hat er be- reits letztes Jahr überzeugt. Bei nur vereinzelten Gegenstimmen hiess die Ortsbürgerversammlung einen Kredit für die Planung der Fernwärmeerschliessung ab der Heizzentrale der NRG A in Altstätten gut. (Eine eigene Heizzentrale in Rebstein wäre um einiges teurer.) Damals ging der Ortsverwaltungsrat davon aus, dass die ersten Häuser in Rebstein bereits diesen Winter mit Fernwärme beheizt würden.

Bauen wird man nur mit genügend Wärmebezügern

So weit ist man nun doch noch nicht. Ein erster Fernwärmestrang könnte im Herbst 2018 in Betrieb genommen werden, sagt Ernst Schönauer. Vorausgesetzt, es unterzeichnen genügend viele Hauseigentümer einen Vorvertrag. Denn realisieren könne man den Wärmeverbund nur, wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben sei, betont Romeo Böni. In einer Umfrage gab ein Drittel der angefragten Liegenschafteneigentümer an, sich vorstellen zu ­können, ihr Haus an die Fernwärme anzuschliessen, sagt Planer Christian Böni (er ist der Sohn Romeo Bönis). Ortsgemeindepräsident Schönauer hofft zudem, dass auch die Schule mitzieht.

Starten mit dem Rebschter Fernwärmeverbund möchte man rund ums ri.nova impulszentrum, im Gebiet Säntisstrasse, Ergeten­strasse, Rebbergstrasse. Hier, weil man sich entschieden hat, die Leitung der Hauptstrasse entlang zu bauen und nicht durchs Riet. Dies biete sich an, weil von der Heizzentrale an der Altstätter Industriestrasse bis zum «Badhof» anfangs Lüchingen bereits eine Leitung besteht. Die Linienführung der Hauptstrasse entlang würde ausserdem den Anschluss von Liegenschaften in Lüchingen und Marbach erleichtern, erklärt Romeo Böni. Die Zeit für den Bau einer Leitung auf dieser Achse wäre ausserdem gerade günstig, weil der Kanton in den nächsten Jahren die Staatsstrasse zwischen Altstätten und Heerbrugg sanieren will.

Bis April möchte man nun mit den Interessierten im Gebiet Ergeten bis hinauf zur «Traube» die Vorverträge abschliessen, damit bis nächsten Herbst der erste Fernwärmestrang geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden kann. Bis dann im Herbst 2019 auch die Transportleitung von Altstätten her fertig ist, werden diese ersten angeschlossenen Liegenschaften ab einer provisorischen Heizzentrale in Rebstein beliefert. Sukzessive soll das Rebsteiner Fernwärmenetz in den Folgejahren dann um weitere Stränge erweitert werden.

Fernwärmeverbund bis Heerbrugg denkbar

Als Vision ist für Ernst Schönauer ein Fernwärmeverbund bis Heerbrugg denkbar. Zum Vergleich verweist er aufs Fernwärmenetz der Stadt Bruneck im Südtirol mit einer Trassenlänge von 135 Kilometern. Jenes der NRG A ist heute 11 Kilometer lang und mässe auch nach einer Verlängerung bis Rebstein lediglich einen Zehntel jenes Netzes.