Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

REBSTEIN: Eine Handvoll Glück

Seit sechs Jahren vertreiben die Rheintaler Perchtawiiber während der Raunächte böse Geister und Dämonen. Die Perchten möchten aber vor allem Glück, Gesundheit und Fruchtbarkeit bringen.
Benjamin Schmid
Den Überlieferungen zufolge steigen in den Raunächten die geheimnisvollen Perchtawiiber aus den Wäldern ins Tal herab. (Bild: Andreas Walter)

Den Überlieferungen zufolge steigen in den Raunächten die geheimnisvollen Perchtawiiber aus den Wäldern ins Tal herab. (Bild: Andreas Walter)

Benjamin Schmid

Die Raunächte – die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönigstag – werden seit Jahrhunderten genutzt, um auf das vergan-gene Jahr zurückzuschauen und auf das nächste zu blicken. Es ist die Zeit der Verbindung zu den Ahnen, aber auch zu den Lichtwesen, Engeln und Göttern. Ausserdem ist es die Zeit der Orakel, Weissagungen und Vertreibungen, aber auch der Auflösung und des Neubeginns. In den Raunächten ist es Zeit, sein Schicksal neu zu bedenken und zu gestalten.

Frau Holle zieht durch die Lüfte

Aus der germanischen Mythologie geht hervor, dass besonders während der Raunächte die Tore zur Anderswelt für Götter und Geister, Hexen und Walküren offen stehen. Dann treten sie hervor, treiben ihr Unwesen und die wilde Jagd beginnt. Den Überlieferungen nach jagen die Geisterwesen mit Getöse und unter Stöhnen und Heulen über den nächtlichen Himmel. Vorne weg der nordische Gott Odin mit seinem Gefolge aus Personen und Tieren, die vorzeitig und meistens gewaltsam zu Tode kamen. Je nach Überlieferung jagt der Geisterzug Frigg vor sich her, die wir als Frau Holle oder Perchta kennen. Sie ist die Schutzpatronin der Raunächte. Obschon ihr Faulheit zuwider ist und sie fleissige Menschen schätzt, fordert sie diese auf, sich zu erholen und zu besinnen. Ratsam ist, keine Arbeiten zu verrichten sowie sich unauffällig und ruhig zu verhalten. Schliesslich wolle man die Aufmerksamkeit der bösen Geister nicht auf sich ziehen. Aus Angst vor der wilden Jagd wandten die Menschen alle Mittel an, die ihnen zur Verfügung standen. Vor allem im Alpenraum wurden und werden auch heute noch die Häuser geräuchert, um die bösen Geister zu vertreiben. Ausserdem zogen die Menschen lärmend durch das Land und trugen gruselige, abstossende Masken, die das Böse verängstigen und in die Flucht schlagen sollten. So entstanden die hässlichen «Schiach-Perchten».

Die Perchten sind mitverantwortlich, dass sich die bösen Geister nicht in den Häusern einnisten, sondern weiterziehen. Daher geniessen sie grosses Ansehen und werden überall herzlich begrüsst. In ihnen sieht das Volk Boten, die Glück und Fruchtbarkeit verleihen, in dem sie symbolisch den Kampf zwischen dem Guten und Bösen darstellen. Monika Segmüller, Mitbegründerin der Perchtawiiber, empfand diese Ideologie als ­sympathisch. Das war nebst dem lässigen Aussehen der Masken Grund genug, sich vertiefter mit den nordischen Mythen und Legenden auseinanderzusetzen. Ihre Bemühungen wurden dadurch positiv beeinflusst, dass 2006 mit den Riettüfel Triber die erste Perchtengruppe der Schweiz gegründet wurde. Weil die in Altstätten ansässige Gruppe keine Frauen aufnehmen wollte, entschloss sich Segmüller kurzerhand, eine eigene Perchtergruppe zu gründen. Im November 2011 war es so weit. Zusammen mit sieben Kolleginnen rief sie die erste weibliche Perchtengruppe der Schweiz ins Leben. Seither tauchen sie jährlich in den Raunächten aus den Nebelschwaden der Wälder auf, um die Dämonen und Geister zu verscheuchen.

Knisternde Stimmung und mystische Atmosphäre

Nebst den vorwiegend in Südbayern und österreichischen Alpenraum bekannten Perchtenläufen streichen sich die Perchtawiiber vor allem ein Datum im Kalender an: den zweiten Januar. 2018 laden sie zur vierten Raunacht im Burgkeller in Rebstein ein. Mit dabei ist die Sagenerzählerin Bärbel Bentele, die mit ihren Erzählungen den Zauber der Raunächte vermittelt und die Gäste auf eine Reise voller Mythen und Legenden mitnimmt. Gemäss Karin Kehl, Medienverantwortliche der Perchtawiiber, kontrastiere ein Meer aus Kerzen und Feuerschalen mit der düsteren und kalten Jahreszeit und lasse die Gäste in eine mythische Atmosphäre eintauchen. «Wir festen nicht bis zum Morgengrauen», sagt Segmüller und ergänzt: «Es soll ruhig und besinnlich sein.» Dafür gebe es Raum für Gespräche und Begegnungen. Es soll ein schöner gemeinsamer Abend für alle Beteiligten werden. Um das leibliche Wohl kümmere man sich, allerdings in bescheidenem Mass, da das gemeinsame Erleben und Durchführen der Rituale das zentrale Element des Abends sei.

Da die Perchtawiiber eine reine Frauengruppe ist, sind ausschliesslich Frauen zur Raunacht eingeladen. Diese aber haben dann die Möglichkeit, sich per Handschlag etwas Glück fürs nächste Jahr zu sichern.

Weitere Infos gibt es online unter www.perchtawiiber.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.