REBSTEIN: Ein Dorforiginal auf Rollen

Vor 40 Jahren gründete Koni Holderegger einen Rollbrettverein, um die Jungen von der Strasse zu holen. Er lernte auch selbst fahren – und war kurz einer der Besten.

Max Tinner
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Perfekt im Gleichgewicht: Koni Holderegger 1980 im Handstand auf seinem Rollbrett auf dem Parkplatz der Sportanlagen Gesa in Altstätten. (Bild: z. Vfg.)

Perfekt im Gleichgewicht: Koni Holderegger 1980 im Handstand auf seinem Rollbrett auf dem Parkplatz der Sportanlagen Gesa in Altstätten. (Bild: z. Vfg.)

Max Tinner

Bei den Redaktionswagenhalten in den Dörfern wird oft und gerne von früher erzählt. So zeigte diesen Mittwoch in Rebstein Koni Holderegger auf seinem Handy ein Foto aus seinen jungen Jahren. Darauf sieht man ihn im Handstand auf einem Rollbrett. Das Foto hat eine Geschichte.

Holderegger ist ein Rebsteiner Original. Ein «gmögiger Kerli», den schier alle im Dorf seit Ewigkeiten kennen oder zumindest zu kennen glauben. Vor allem als langjährigen, mittlerweile pensionierten Bierkutscher, als Angestellter der Brauerei Sonnenbräu im Auslieferdienst. Was wohl längst nicht alle wissen: 1977 hat er als 26-Jähriger einen Rollbrett-Verein gegründet – obwohl er selbst gar nicht Rollbrett fuhr. Aber bei den Jugendlichen boomte damals das Rollbrettfahren. Und sie taten es überall, nicht zuletzt auf den öffentlichen Strassen. Dies sei nicht nur der Polizei, sondern auch so manchem Autofahrer ein Dorn im Auge gewesen, erzählt Koni Holderegger. Mit der Gründung eines Vereins wollte er die Jugendlichen von der Strasse wegholen, hin auf abgesperrte Plätze.

Rund 20 Mitglieder zählte der Verein zunächst. Zuerst bezeichneten sie sich als Skateboard-Club Rheintal. Auf Drängen eines Vereins mit ähnlich klingendem Namen benannten sie sich dann in Country Rollers Club Rebstein um. Schon im zweiten Jahr fuhren die Rebsteiner an die Schweizer Meisterschaften im Rollbrettfahren – und wurden weit abgeschlagen Letzte. Die Rebsteiner Rollbrettler liessen sich davon aber nicht entmutigen und frönten ihrem Hobby weiter. Ein Jahr später, 1979 in Lausanne, traten sie erneut zu den Schweizer Meisterschaften an. Auch ihr Präsident Koni Holderegger, der mittlerweile selbst gelernt hatte, Rollbrett zu fahren. Und prompt wurde er in der Seniorenkategorie Dritter im Riesenslalom. Danach entstanden auch Fotos wie das obige, mit Holderegger im Handstand auf dem Rollbrett. «I bi halt en wilda Siech gsi», meint er und lacht.

Vielleicht eine ganze Generation geprägt

Der Verein wollte auch selbst Wettkämpfe organisieren und plante beispielsweise ein Europacup-Rennen, das die Bernecker Neugass hinab hätte führen sollen. Trotz Unterstützung auch vonseiten der kantonalen Politik kam es nicht zustande. Und wenige Jahre später, nachdem Koni Holderegger 1983 den Verein in jüngere Hände übergeben hatte, war der Rollbrettboom vorbei und der Verein löste sich auf. Aus vielen der damaligen Jugendlichen im Verein sei aber «etwas Rechtes» geworden, freut sich Holderegger. Paul Papp etwa wurde Arzt oder Carlo Lorenzi ein bekannter Jazzschlagzeuger. Und dann war da auch noch Paul Gruber, der seine Rollbrett-Leidenschaft im Schnee fortsetzte, Snowboard-Profi wurde und einer der ersten Hersteller von Snowboards, der legendären Crazy-Banana-Boards. Möglicherweise ist Koni Holderegger durch ihn also sogar mitverantwortlich für die Schneesportbegeisterung einer ganzen Generation.

Geblieben sind Koni Holder­egger viele schöne Erinnerungen. Und das eine oder andere Foto aus der guten alten Zeit. Und erst vor etwa zwei Wochen sei er wieder einmal auf sein Rollbrett gestanden. Wenn auch nur für etwa 20 Meter. Immerhin!