REBSTEIN: Der Obervogel ist auch Samichlaus

Coiffeur Peter Sieber ist seit 25 Jahren Chef der Rebsteiner Klausgruppe. Mehr als 50000 Franken haben die Kläuse in der Zeit von den Familien bekommen – und vollumfänglich Kinderhilfswerken gespendet.

Remo Zollinger
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Bei Peter Sieber hat sich in den letzten Jahren einiges an Papier angesammelt: Er bewahrt seit 1991 die Klausberichte auf. (Bild: Remo Zollinger)

Bei Peter Sieber hat sich in den letzten Jahren einiges an Papier angesammelt: Er bewahrt seit 1991 die Klausberichte auf. (Bild: Remo Zollinger)

Remo Zollinger

Peter Sieber arbeitet noch, als ich zum abgemachten Zeitpunkt seinen Salon betrete. Er legt die Schere aber schnell zur Seite, verschwindet in seine Wohnung im dritten Stock und kommt zurück. Der Dorfcoiffeur drückt mir einen schweren Ordner in die Hand und sagt: «Hier kannst du schon mal einen Überblick gewinnen, was wir in all den Jahren so alles gemacht haben.»

Er ist ein geschäftiger Mann, immer auf Zack, aber immer mit einem Gruss für jeden und dem Schalk im Nacken. Peter Sieber hat seine Sachen im Griff, sagt seine Meinung stets bestimmt. Er ist beispielsweise froh darüber, dass die älteren Samichläuse weiterhin dabei sind. «Ich bin zwar sehr glücklich, dass wir viele Junge in der Gruppe haben. Aber ein Vater weiss einfach etwas besser, wie er Kinder tadeln und loben kann», sagt Peter Sieber.

Der Ertrag hat die 50 000er-Marke gesprengt

Peter Sieber, als Coiffeur, Samichlaus und Obervogel eine Institution im Dorf, orchestriert die Klausgruppe seit 25 Jahren. Das schätzt er zumindest, denn aus diesem Jahr datiert sein ältester Bericht. «Vielleicht bin ich auch schon länger dabei», sagt er. Aber das sei nicht so wichtig. Er drängt sich selbst nicht in den Vordergrund.

Wichtiger sei, dass die Gruppe, weil die Rebsteiner in diesem Jahr rund 2000 Franken gespendet haben, einen Meilenstein erreicht hat. «50662 Franken haben wir in den letzten 25 Jahren gesammelt», sagt Peter Sieber.

Es ist ihm angesichts dieses hohen Betrags ein Anliegen, die Rebsteiner wissen zu lassen, was mit dem Geld geschieht, das sie für die Samichlaus-Besuche bezahlen. Ihren Beitrag können sie frei wählen. «Der Samichlaus soll schliesslich alle besuchen können. Wir nehmen, was wir bekommen», sagt Peter Sieber.

Es sei ein Geben und Nehmen: Die Samichläuse, alles Freiwillige, geben ihre Zeit, die besuchten Familien etwas Geld. Geld, das sich nicht bei den Kläusen anhäuft, sondern weiter geht.

Peter Sieber hat alle Spenden-Quittungen aufbewahrt. Die Anzahl beglückter Organisationen ist eindrücklich. Im Ordner finden sich Dokumente der Kinderhilfe Peru, des Freundeskreises für wahrnehmungsgestörte Kinder oder des Kinder- und Jugendheims Bild in Altstätten. Während des Bosnienkriegs in den Neunzigerjahren haben die Rebsteiner Samichläuse den Transport von Hilfsgütern ins Kriegsgebiet finanziell unterstützt.

«Wichtig, dass wir etwas für die Kinder tun»

Peter Sieber plaudert wie so oft aus dem Nähkästchen. Er erzählt vom Patenkind in Tschad, dem die Klausgruppe eine Ausbildung ermöglicht hat. Oder davon, wie er im Salon neue Samichläuse rekrutiert.

Aber etwas liegt ihm besonders am Herzen: «Wir haben schon vielen Organisationen Geld gespendet. Wichtig ist aber, dass wir etwas für die Kinder tun. Wir bekommen unser Geld ja auch dank ihnen», sagt Peter Sieber.

Ein besonderer Dank, es ist ihm wichtig, gilt seiner Frau Angela. «Zum Glück habe ich sie», sagt er, «ohne sie würde ich das alles nicht hinkriegen: Sie wäscht, bügelt und flickt die Gewänder und bewirtet nach den Besuchen immer die ganze Klausgruppe.»