Rapperswil im eisigen Gegenwind

Der Eishockeyverein Rapperswil-Jona Lakers hat mit Stadionverboten belegte Fans an Heimspielen toleriert. Der Missmut bei der Liga ist gross.

Daniel Walt
Drucken
Teilen
Die Rapperswil-Jona Lakers liessen zuletzt auch Anhänger mit Stadionverboten in die Eishalle. (Bild: Urs Jaudas)

Die Rapperswil-Jona Lakers liessen zuletzt auch Anhänger mit Stadionverboten in die Eishalle. (Bild: Urs Jaudas)

Den Rapperswil-Jona Lakers droht sportlich der Abstieg – und abseits des Eisfeldes Ärger mit der Liga. Mehrfach hat der NLA-Eishockeyclub eigene Fans trotz bestehender Stadionverbote zu Heimspielen eingelassen. Dies sehr zum Unwillen von Christoph Vögeli, Ressortleiter Ordnung und Sicherheit bei der National League. «Das ist nicht im Sinne des Verbandes, der Liga und von mir als Sicherheitsverantwortlichem», sagt er gegenüber unserer Zeitung. Er will das Verhalten der Lakers nun anlässlich der nächsten Ligaversammlung thematisieren – die Clubs sollen sich davon distanzieren.

Liga: «Verbote durchziehen»

Mit dem Gewähren des Zutritts zu mehreren Heimspielen wollten die Rapperswil-Jona Lakers laut der «Südostschweiz am Sonntag» den betreffenden Fans für ihr Engagement danken. Die acht Anhänger hätten sich trotz ihrer Stadionverbote abseits der Spiele für den Verein eingesetzt. Christoph Vögeli kennt diese Art der Argumentation: Immer wieder meinten Clubs, gegenüber den Anhängern auf Goodwill machen zu müssen. «Wenn man ein Stadionverbot ausspricht, soll man es auch durchziehen. Ansonsten wird man nicht mehr ernst genommen», sagt Vögeli. Die abschreckende Wirkung der Massnahme fehle, wenn ein Fan mit Stadionverbot wisse, dass er bei gutem Verhalten schon nach wenigen Monaten zumindest wieder an die Heimspiele gehen könne. Der Umgang mit von Stadionverboten betroffenen Fans ist auch beim FC St. Gallen ein Dauerthema. Laut Mediensprecher Daniel Last steht es dem Club nicht zu, das Vorgehen der Lakers zu beurteilen. Er hält aber fest: «Bei uns läuft das anders, spontane Aktionen gibt es bei uns nicht.»

Bedenken, dass der FC St. Gallen nun mit ähnlichen Begehrlichkeiten ausgeschlossener Fans konfrontiert wird, hat Last nicht. Zu klar sind die Regelungen. «Nach der Hälfte der Strafe kann ein Betroffener einen Antrag auf vorzeitige Aufhebung stellen», so Daniel Last. Es sei schon vorgekommen, dass eine Massnahme in Rücksprache mit der Polizei vorzeitig aufgehoben worden sei – so etwa nach Pyrovergehen, die weniger schwer gewichtet werden als etwa tätliche Angriffe. Kein Thema beim FC St. Gallen ist es laut Daniel Last, ein Projekt wie «Zweite Chance» ins Leben zu rufen. Solche bestehen beispielsweise beim FC Basel und den Young Boys. Bestimmte mit Stadionverboten belegte Fans dürfen auf Bewährung und unter Aufsicht wieder Heimspiele besuchen. Daniel Last kommentiert dies wie folgt: «Begleitung im Stadion ist gut und recht. Aber eine zweite Chance erhalten ohnehin alle Betroffenen – entweder vorzeitig wie bei diesen Projekten oder dann eben nach Ablauf der gesamten Strafe.»

«Am gleichen Strick ziehen»

Den St. Galler Regierungsrat Fredy Fässler stört am spontanen Vorgehen der Rapperswil-Jona Lakers besonders dessen Signalwirkung, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. «Mir scheint es nicht sehr nachhaltig zu sein, Stadionverbote zu verhängen und sie bei der erstbesten Gelegenheit wieder aufzuheben.»

Die Clubleitungen sowie Polizei und Politik müssten beim Thema Gewalt an Sportveranstaltungen möglichst am gleichen Strick ziehen.

Diese Überzeugung vertritt er auch, was Fussball-Projekte wie «Zweite Chance» angeht: «Wenn man zur Überzeugung kommt, dass dies etwas bringen könnte: Warum nicht?», so Fässler. Der Konsens darüber müsste für ihn aber möglichst schweizweit und zwischen allen massgeblichen Akteuren erfolgen.

Aktuelle Nachrichten