Raiffeisen trotzt den niedrigen Zinsen

Die Rheintaler Raiffeisenbanken sind auf Erfolgskurs. Dennoch machen ihnen die tiefen Zinsen zu schaffen.

Monika von der Linden
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Der Neubau der Geschäftsstelle in Oberriet ist beispielhaft für die stetige Erneuerung der Infrastruktur der Rheintaler Raiffeisenbanken: Mathias Geissbühler, Leiter Investment Offices (CIO) Raiffeisen Schweiz (von links), sowie die Bankleiter Andreas Schmid (RB Diepoldsau-Schmitter), Oswald Wetli (RB Unteres Rheintal), Thomas Haas (RB Mittelrheintal), Patrick Windler (RB Marbach-Rebstein), Reto Zellweger (RB Berneck-Au) und Norbert Lüchinger (RB Oberes Rheintal).

Der Neubau der Geschäftsstelle in Oberriet ist beispielhaft für die stetige Erneuerung der Infrastruktur der Rheintaler Raiffeisenbanken: Mathias Geissbühler, Leiter Investment Offices (CIO) Raiffeisen Schweiz (von links), sowie die Bankleiter Andreas Schmid (RB Diepoldsau-Schmitter), Oswald Wetli (RB Unteres Rheintal), Thomas Haas (RB Mittelrheintal), Patrick Windler (RB Marbach-Rebstein), Reto Zellweger (RB Berneck-Au) und Norbert Lüchinger (RB Oberes Rheintal).

Bild: Monika von der Linden

Oberriet Als Leiter der Raiffeisenbank Oberes Rheintal war es Norbert Lüchinger eine Freude, den Abschluss des Jahres 2019 der Rheintaler Raiffeisenbanken im Neubau in Oberriet zu präsentieren. Die Bank hatte die Geschäftsstelle im Juni bezogen.

Ebenfalls Grund zur Freude lieferten die Zahlen. «Wir dürfen auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken», sagte Norbert Lüchinger. 2019 wurde trotz des schwierigen Umfeldes zum Rekordjahr. Der Bruttogewinn ist mit 23,25 Mio. Franken um 3,41% höher als im Vorjahr. Der Jahresgewinn liegt bei 6,42 Mio. Franken (+11,17%).

Trotz des starken Wettbewerbs mit Margen- und Kostendruck sei es gelungen, Kunden zu gewinnen, Arbeitsplätze zu schaffen und Investitionen in Software sowie Infrastruktur zu tätigen. «Bisher sind wir qualitativ gut gewachsen, und genau das wollen wir auch künftig.»

Dies trifft besonders auf das Kerngeschäft der Rheintaler Raiffeisenbanken zu, dem Kundengeld. «Wegen unseres dichten Vertriebsnetzes sind wir erste Anlaufstelle, wenn es um Kredite geht», sagte Thomas Haas (RB Mittelrheintal). Die Zunahme (in allen Punkten 2019 gegenüber dem Vorjahr) lag hier bei 185,44 Mio. Franken (5%). Das Kundengeld nahm um 151,62 Mio. Franken zu (+5,46%). Gestützt von der positiven Börsenentwicklung liegt das Kundenvermögen bei 3,75 Mia. Franken (+8,24%).

Weiter hob Thomas Haas die komfortable Basis des Eigenkapitals hervor. Die anrechenbaren Eigenmittel liegen mit 359,9 Mio. Franken im Plus (+6,65%) und damit über dem gesetzlichen Minimum.

Privatkunden müssen keine Negativzinsen befürchten

«In den vergangenen Jahren ging der durchschnittliche Zinsertrag kontinuierlich zurück», sagte Patrick Windler (RB Marbach-Rebstein). Der Trend habe sich 2019 fortgesetzt. Trotzdem erwirtschafteten die Rheintaler Raiffeisenbanken einen Ertrag von 41,6 Mio. Franken, ein Plus von 0,91 Mio. Franken (+2,24%).

«Wir werden uns hüten, für Privatkunden Negativzinsen einzuführen», sagte Lüchinger. Er bestätigte damit die Strategie von Raiffeisen Schweiz. Die Gefahr, dass Kunden Geld abheben, sei zu gross.

Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft liegt die Steigerung bei 0,49 Mio. Franken (+7,15%). Das Handelsgeschäft beschert ein Plus von 0,2 Mio. Franken (+3,72%). Der übrige ordentliche Erfolg nahm ab um 0,12 Mio. Franken (-7,41%). «Mit unserem Service werden wir weiter am Ball bleiben und ein Topniveau bieten», sagte Patrick Windler (RB Marbach-Rebstein). In diesen Bereich gehören der Geschäftsaufwand, Investitionen in Sach- und Personalkosten. Sie liegen um 0,71 Mio. Franken höher (+2,22%).

Die Sicherheitspolitik der Rheintaler Raiffeisenbanken bezeichnete Andreas Schmid (RB Diepoldsau-Schmitter) als sicherheitsorientiert. Die Aussage unterlegte er damit, dass die Wertberichtigungen für Ausfallrisiken aus gefährdeten Forderungen um 15,43% gesunken sind. Sie betragen 956844 Franken. Die Kundenausleihen betragen 3,89 Mia. Franken (+5%). Das Verhältnis der Wertberichtigungen zu den Kundenausleihen beträgt 0,02% (0,03% im Vorjahr).

Immer wieder investieren die Rheintaler Raiffeisenbanken in die Verbesserung ihrer Infrastruktur. «Am Tag der offenen Tür in Oberriet und Rheineck zeigte die Bevölkerung Interesse an den Neubauten der Geschäftsstellen», sagte Oswald Wetli (RB Unteres Rheintal). In Diepoldsau prüft die Bank, einen Neubau zu erstellen. Am Standort Marbach/Rebstein werden Investitionen geprüft und in Balgach ist ebenfalls ein Umbau geplant.

Dort wird nach der Sanierung Raiffeisen Casa präsent sein und als lokaler Vernetzer beim Kauf und Verkauf von Immobilien auftreten.

Neben dem nationalen Mitgliederangebot – Schweizer Schlösser entdecken – haben Rheintaler Mitglieder lokale Vorteile, das Rheintaler Gewerbe überrascht mit exklusiven Angeboten.

Anlegen rentiert eher als sparen

Mit Niedrigzinsen werden sich die Banken auch im laufenden Jahr beschäftigen. «Eine Wende, von der lange die Rede war, liegt in weiter Ferne», sagte Mathias Geissbühler. Der Leiter Investment Offices (CIO) Raiffeisen Schweiz referierte vor den Rheintaler Bankleitern. Er prognostizierte ein weiteres herausforderndes Jahr. «Wir hoffen, dass wir wenigstens ein Nullniveau erreichen.» In der Industrie erwartet Mathias Geissbühler eine Abschwächung. In Europa und der Schweiz könnte sie leicht in eine Rezession rutschen. Die Bereiche Dienstleistung und Konsum sowie die niedrige Arbeitslosenquote (sie liegt unter dem Wert von vor 2008) kompensieren dies. «Insgesamt rechnen wir mit einem leichten Wachstum, ähnlich wie 2019.» In der Schweizer Wirtschaft erwartet Geissbühler ein Wachstum von 1,3 %. In der EU dürfte die Wirtschaft stagnieren und in den USA leicht zurückgehen. Global dürfte das Wachstum moderat sein und es keine Inflation geben. Per Ende 2020 prognostiziert der CIO einen Eurokurs von 1.06 und einen Dollarkurs von 0.96 Franken. Die Suche nach einer positiven Rendite bei Kapitalanlagen gehe weiter. Die Präsidentschaftswahlen in den USA dürften die Börse verunsichern, weil sie knapp ausgehen. «Die Schwankungen werden zunehmen.» Mathias Geissbühler empfiehlt, trotzdem zu investieren, «weil die Rendite bei einer breit aufgestellten Anlage besser ausfallen dürfte als mit Nullzinsen auf dem Sparkonto.»(vdl)