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RADSPORT: «Ich wäre ein Strassenfahrer gewesen»

Der erst 22-jährige Bernecker Enea Vetsch beendet seine Rennsport-Karriere. Der je zweifache WM-Teilnehmer und Medaillengewinner an Schweizer Nachwuchsmeisterschaften hatte sich Ende des letzten Jahres ein Ultimatum gesetzt.
Yves Solenthaler
Enea Vetsch behält sein Bike, eine Startnummer klebt er aber nicht mehr dran. Dafür klebt noch ein bisschen Dreck von seinem letzten Rennen, dem Swiss Epic, am Rahmen. (Bild: Yves Solenthaler)

Enea Vetsch behält sein Bike, eine Startnummer klebt er aber nicht mehr dran. Dafür klebt noch ein bisschen Dreck von seinem letzten Rennen, dem Swiss Epic, am Rahmen. (Bild: Yves Solenthaler)

«Wenn ich nächste Saison den Anschluss an die Weltspitze der U23 nicht schaffe, höre ich auf», hatte Enea Vetsch vor einem Jahr beschlossen. Er hatte nach anfänglichen Erfolgen als U23-Fahrer zwei schwierige Jahre hinter sich.

2016 wurden die Resultate vom fürs Team BMC-Fischer fahrenden Vetsch nicht besser, bereits im Sommer war für ihn klar, dass dies seine letzte Saison ist: «Wenn ich nur noch hinterherfahre, macht das Biken keinen Spass mehr», sagt Enea Vetsch. «Für mich standen zwei Dinge immer fest: Erstens, dass ich noch eine Zusatzausbildung machen werde und zweitens, dass ich mit dem Rennsport aufhöre, wenn ich keine realistische Perspektive mehr sehe.»

Diese beiden Aussagen setzt er nun in die Tat um, denn die neu gewonnene Freizeit nutzt der gelernte Hochbauzeichner für eine zweijährige Weiterbildung zum Bauleiter.

Sehr gute Leistungswerte, aber mässige Resultate

Dabei war Enea Vetsch noch im letzten Winter guter Dinge, seine Karriere fortzusetzen. Er hatte, gegen sein Ultimatum ankämpfend, so hart trainiert wie nie zuvor: «Meine Leistungswerte waren extrem gut», sagt Vetsch. Der Trainer und die Betreuer hätten gesagt, diese müssten für Top 5 im U23-Weltcup reichen.

Dass dies unrealistisch ist, ahnte Vetsch schon, seine Resultate blieben schon lange hinter seinen Leistungswerten zurück: «Aber als es dann in den Weltcups nicht mal annähernd besser wurde, machte mir das extrem zu schaffen.»

Mit dem Grübeln wurden die Resultate des Trainingspartners von Thomas Litscher natürlich nicht besser: «Im Juli, bei meinem nun letzten Weltcuprennen in Lenzerheide, hatte ich innerlich bereits aufgegeben.»

Enea Vetschs Stärke war seine Physis

Enea Vetsch blickt bereits mit einiger Distanz auf seine eben erst beendete Rennsport-Karriere zurück: «Ich bin, was die Ausdauerleistung betrifft, überdurchschnittlich begabt. Was den Anschluss an die Weltspitze verhindert hat, war meine – im Vergleich zum Topniveau – mangelhafte Technik.» Zudem sei es für ihn, der nie ein Schnellstarter war, schwieriger gewesen als für viele andere, in den internationalen Rennen immer von weit hinten starten zu müssen: «Da muss man am Anfang immer Vollgas geben, sonst ist man nach dem Start schon abgehängt.»

Enea Vetsch hat spät angefangen mit dem Biken. Er war schon 15-jährig, als ihn sein damaliger Nachbar Remo Thür ins Training beim Team bsk-Graf mitnahm. Die Erfolge kamen schnell – schon in der nächsten Saison fuhr Enea Vetsch in der Altersklasse U17 an der nationalen Spitze mit.

Bereits 2012, nicht mal drei Jahre nach seinem ersten Rennen, wurde er in Balgach Schweizer Vizemeister bei den Junioren. Im gleichen Jahr fuhr Vetsch auch im U19-Weltcup dreimal in die Top 10, seine beste Klassierung war ein vierter Platz Ende Juli in Val d'Isère. Eine Woche später fuhr Vetsch an den Weltmeisterschaften in Saalfelden (Ö) auf den siebten Rang.

2013, im ersten U23-Jahr, wurde er nochmals Dritter an der Schweizer Meisterschaft und qualifizierte sich so erneut für die WM (was Schweizer in ihrem ersten U23-Jahr normalerweise nicht schaffen).

Vetsch tut sich schwer damit, sich auf ein Highlight festzulegen: «Der siebte WM-Platz oder die Medaille an der Schweizer Meisterschaft vor der eigenen Tür, waren schöne Erlebnisse. Aber die Resultate bedeuten mir nichts mehr.» Grössere Bedeutung gibt Vetsch den Freundschaften, die er als Sportler knüpfen konnte: «Wenn man in Trainingslagern so viel Zeit gemeinsam verbringt, lernt man die Kollegen recht gut kennen.» Diese Kontakte schätze er sehr, und er wird versuchen, sie weiter zu pflegen.

«Im Rückblick betrachtet, kamen die Erfolge wohl zu schnell», sagt Vetsch, «denn mit meiner Ausdauerfähigkeit bin ich eher für Strassen- als für Bikerennen prädestiniert. Wenn ich zu Beginn mehr hätte leiden müssen, wäre ich vielleicht auf die Strasse gewechselt.» Auch die Dominanz des Mountainbike-Sports im Rheintal machte den Disziplinenwechsel in jüngeren Jahren auch nicht naheliegend: Der Strassenrennsport ist nahezu inexistent.

Der Wechsel war auch nach dieser Saison eine Option – zumindest für Vetschs Trainer: «Er hatte mir vorgeschlagen, mit dem gleichen Aufwand wie bis anhin zum Strassenrennsport zu wechseln», sagt Vetsch. Der Bernecker entschied sich aber für den Schlussstrich.

Beziehungsweise die Forcierung seiner beruflichen Ausbildung: Seine Stelle beim Architekturbüro Reich in Berneck, wo er auch die Lehre gemacht hatte, hat er bereits wieder von 50 auf 100 Prozent ausgedehnt. Um nun praktische Erfahrungen zu machen, die zu seiner Ausbildung zum Bauleiter passen, wechselt er zu RLC Architekten AG nach Rheineck.

Gelungenes Karrierenende am Swiss Epic

Nachdem Enea Vetsch die Entscheidung getroffen hatte, vom Rennsport zurückzutreten, wollte er für sich ein Abschiedsrennen bestreiten. Er wählte das Mehretappenrennen Swiss Epic im Wallis, wo er mit Partner Manuel Fasnacht den guten zwölften Platz belegte: «Das war mit Abstand mein bestes Rennen seit langem», freut sich Enea Vetsch über den gelungenen Abschluss, «in der letzten Etappe fuhren wir gar auf den vierten Platz.»

Die Erkenntnis ist nicht frei von Ironie: In seinem letzten Rennen hat Enea Vetsch endlich das Terrain vorgefunden, das ihm behagt: «Am Swiss Epic gab es zum Teil einstündige Aufstiege. Hier konnte ich als physisch starker Fahrer eine echte Distanz zu den Konkurrenten legen, die weniger ausdauernd sind.»

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