RADSPORT: Goldmedaille bei Feuertaufe

Ronja Blöchlinger aus Heiden hat im Zeitfahren beim Olympischen Festival der europäischen Jugend (EYOF) im ungarischen Györ den ersten Platz belegt. Sie wählte im starken Wind die richtige Taktik.

Yves Solenthaler
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Trotz grossem Erfolg auf der Strasse: Das Biken bleibt Ronja Blöchlingers grosse Leidenschaft. (Bild: Archiv/ys)

Trotz grossem Erfolg auf der Strasse: Das Biken bleibt Ronja Blöchlingers grosse Leidenschaft. (Bild: Archiv/ys)

Yves Solenthaler

«Auf den Spuren von Cancellara», hatten wir in der Vorschau auf Ronja Blöchlingers EYOF-Start getitelt. Nun hat die Vor­derländerin bei ihrer olympischen Feuertaufe den zweifachen Olympiasieger im Zeitfahren gar überflügelt – der Berner hatte bei seinem EYOF-Start im Jahr 1997 «nur» die Silbermedaille gewonnen. Ronja Blöchlingers Erfolg kommt überraschend: Die Mountainbikerin des Teams Bischi­bikes hatte in dieser Saison ihre ersten Strassenrennen bestritten – eben mit dem Ziel, an den olympischen Jugendspielen starten zu können. In Györ bestritt Blöchlinger gestern sogar ihr erst zweites Zeitfahren.

Ein Medaillengewinn im Rennen gegen die Uhr war zwar vor der Abreise nach Ungarn ihr erklärtes Ziel, aber sie schränkte auch ein: «Ich habe keine Ahnung, ob das realistisch ist.» Blöchlinger hatte aber bei ihrem bisher einzigen Zeitfahren den Eindruck erhalten, dass ihr diese Art des Wettkampfs liegt: «Ich bin auf dem Mountainbike eine gute Sprinterin – und kurze, intensive Rennen kommen mir auch im Gelände entgegen.» Und kurz war das Zeitfahren in Györ, sehr kurz sogar: Ronja Blöchlinger brauchte für die flache Strecke (nur 15 Höhenmeter) 15:17,60 Minuten. Damit war sie drei Sekunden schneller als die Irin Lara Gillespie. Die Drittklassierte Elynor Backstedt (Grossbritannien) lag sechs Sekunden zurück. Meret Lüthi, die als Zehnte zweitbeste Schweizerin war, hatte nur knapp 23 Sekunden Rückstand auf Ronja Blöchlinger. Ronja Blöchlinger startete als 54. der 72 Athletinnen: «Ein Vorteil war sicher, dass die zwei anderen Schweizerinnen vor mir gefahren waren.» So erhielt die Vorderländerin Tipps, die sich als wertvoll erwiesen.

Mit Rückenwind Kraft für den Gegenwind gespart

Das Rennen bestand aus einer Gerade, bei der Hälfte wurde in einem U-Turn gekehrt, und es ging in die entgegengesetzte Richtung weiter. «Eine Teamkollegin war auf der ersten Rennhälfte mit starkem Rückenwind viel zu schnell angefahren und verlor leider im Gegenwind sehr viel Zeit.» Deshalb nahm sich Ronja Blöchlinger vor, langsam zu starten: «Das war mental schwierig, weil ich mich doch sehr zurückhalten musste.»Aber es ging auf: Die Zeit, die Ronja Blöchlinger mit Rückenwind verlor, war überschaubar, und umso mehr konnte sie im starken Gegenwind – der sich auf dem Rennrad anfühlte wie Aufwärtsfahren – Kraftreserven mobilisieren. «Dazu kam mir zugute, dass vor mir eine Deutsche ­gestartet war, der ich zusehends näher kam und die ich vor dem Ziel übersprinten konnte.» Zehn Tage nach einer ihrer schwersten Niederlagen – dem zehnten Platz an der Schweizer Mountainbike-Meisterschaft in der U17 – gelang Blöchlinger der bisher grösste Erfolg: «In diesem Rennen verspürte ich keinen Druck – wohl auch ein Grund dafür, dass es so gut endete.» Sie habe aber nun nicht im Sinn, vermehrt auf Strassenrennen zu setzen: «Allein auf der Strasse zu trainieren langweilt mich. Gemeinsam mit Kolleginnen biken bereitet mir viel mehr Spass.» Aber wenn sie 2018 ins U19-Nationalteam komme, werde von Swiss Cycling «erwartet, dass ich dann mehr Strassenrennen bestreite.» Am EYOF ist Blöchlinger heute nochmals auf der Strasse unterwegs, diesmal im Massenstartrennen.