RADSPORT: Auf den Spuren von Cancellara

Die 16-jährige Ronja Blöchlinger aus Heiden startet heute am Olympischen Sportfest der europäischen Jugend (EYOF) in Györ (Ungarn). Bei ihrem Abstecher auf die Strasse tritt sie in zwei Rennen an.

Yves Solenthaler
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Ronja Blöchlinger macht nächste Woche in Ungarn ihre ersten Pedaltritte auf olympischem Parkett. Die Bikerin weiss nicht, wo sie im internationalen Vergleich der Radsportlerinnen liegt. (Bild: Archiv/ys)

Ronja Blöchlinger macht nächste Woche in Ungarn ihre ersten Pedaltritte auf olympischem Parkett. Die Bikerin weiss nicht, wo sie im internationalen Vergleich der Radsportlerinnen liegt. (Bild: Archiv/ys)

Yves Solenthaler

Der Start am EYOF war ein Saisonziel der fürs Team Bischibike fahrenden Sportschülerin. Dafür wechselte sie zwischenzeitlich gar ihr Arbeitsgerät: Weil Mountainbike in Györ nicht im Programm ist, versuchte Blöchlinger wie auch andere Bikerinnen und Biker die EYOF-Quali auf der Strasse zu schaffen.

Nach der Vor-Quali im April in Uzwil, wo Ronja Blöchlinger einen Tag nach ihrem bereits achten Sieg am Thaler Bikerennen gewann, standen drei eigentliche Quali-Rennen auf dem Programm: im Mai ein Zeitfahren in Thun und die Berner Rundfahrt sowie im Juni die Schweizer Meisterschaften in Affoltern am Albis.

Schnellste in Zeitfahren mit normalem Rennrad

«Im Zeitfahren hatten die meisten Konkurrentinnen Scheibenräder und spezielle Helme», erinnert sich die Vorderländerin, «ich fuhr dagegen auf Alufelgen und kam mir wie eine Pläuschlerin vor.» Was bestimmt ein kleiner Nachteil war, wirkte sich nicht aufs Resultat aus: Ronja Blöchlinger war in Thun die schnellste U17-Athletin. Eine Woche später an der Berner Rundfahrt hatte Ronja Blöchlinger mit Wadenkrämpfen zu kämpfen, sie konnte jedoch auf den gesamten 70 Kilometern im Feld bleiben. Im Zielsprint war nur eine österreichische U19-Fahrerin vor der Häädlerin. Somit hatte sich Blöchlinger die EYOF-Teilnahme schon vor der Schweizer Meisterschaft zu einem schönen Teil gesichert.Als ihr am 24. Juni auch im nationalen Championat der zweite Rang gelang – geschlagen nur von der sich nicht für das EYOF bewerbenden Rheintalerin Vera Schmid – konnte Blöchlinger fest mit der Reise nach Ungarn rechnen.Neun Tage später folgte die Bestätigung: Zusammen mit 47 weiteren Sportlerinnen und Sportlern aus den Disziplinen Leichtathletik, Schwimmen, Kunstturnen, Radsport, Tennis, Kanu und Judo figurierte Blöchlinger auf der Selektionsliste von Swiss Olympic. Die Quali hatte auch der Bernecker Stiven Thür geschafft, er verzichtet aber aus Rücksicht auf seine EM-Ambitionen im Cross Country (14. bis 18 August in Graz) auf die EYOF-Teilnahme. Auch Blöchlinger wird an der U17-EM der Mountainbiker starten, und auch ihre Medaillenchancen sind dort wohl höher anzusiedeln als in Györ. Dennoch wird sie heute (Zeitfahren) und am Donnerstag (Strassenrennen) in Ungarn an den Start gehen: «Meine Chancen kann ich überhaupt nicht einschätzen, weil mir auf dem Rennrad der internationale Vergleich fast gänzlich fehlt», sagt die Bischibikerin, «im Zeitfahren ist eine Medaille wohl eher möglich – diese kurze Disziplin liegt mir recht gut. Aber ich habe keine Ahnung, ob ein Spitzenplatz realistisch ist.»

An der Schweizer Mountainbike-Meisterschaft in Montsevelier JU am letzten Sonntag war dieser von ihr dagegen erwartet worden, aber sie enttäuschte mit dem zehnten Rang schwer. «Ich war mit dem Kopf wohl schon am EYOF», erklärte sie ihr Abschneiden. Christof Bischof, der Besitzer ihres Rennteams, merkte zudem an, dass sich Ronja Blöchlinger wohl schwer tat mit dem Druck, eine Medaillenfavoritin zu sein. Diese Erwartungen hatte sie selbst geschürt mit dem zweiten Platz im Vorjahr und regelmässigen Spitzenklassierungen am Swiss Bike Cup – darunter ein Sieg in Solothurn. In Györ geht sie von solchen Erwartungen unbelastet an den Start.

Remo Lütolf gewann vor 22 Jahren Gold am EYOF

Allerdings reiht sich Blöchlinger in Ungarn in eine Liste mit prominenten Vorgängerinnen und Vorgängern ein: Am Sommer-­EYOF starteten etwa bereits Kunstturnerin Giulia Steingruber, Springreiter Martin Fuchs, Sprinterin Mujinga Kambundji oder der Oberrieter Schwimmer Remo Lütolf (er gewann 1995 die Goldmedaille).In ihrer Sportart, dem Radrennfahren, sticht in der Liste der früheren Teilnehmer der Name Fabian Cancellara heraus. Der zweifache Olympiasieger im Zeitfahren hat am EYOF des Jahres 1997 seine erste internationale (Silber-)Medaille gewonnen.