Projekt Neugass bleibt umstritten

BERNECK. Am Sonntag haben sich die Stimmberechtigten von Berneck gegen eine Neugestaltung von Rathausplatz und Rössligabelung ausgesprochen. Gestern folgte das Referendum gegen die Neuerungen an der Neugass. Das Thema bewegt die Bevölkerung, wie eine «Rheintaler»-Umfrage zeigt.

Samuel Tanner
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Gestern wurden die Unterschriften gegen die Neugestaltung der Neugass eingereicht (v.l.): René Schelling (Gemeinderatsschreiber), Walter Kast und Hans Thür (Referendums-Initianten) und Reto Zellweger (Vize-Gemeindepräsident). (Bild: Samuel Tanner)

Gestern wurden die Unterschriften gegen die Neugestaltung der Neugass eingereicht (v.l.): René Schelling (Gemeinderatsschreiber), Walter Kast und Hans Thür (Referendums-Initianten) und Reto Zellweger (Vize-Gemeindepräsident). (Bild: Samuel Tanner)

Walter Kast und Hans Thür hatten gute Laune gestern im Bernecker Rathaus. Die Initianten des Referendums gegen die Neugestaltung der Neugass (Hauptstrasse) konnten Gemeinderatsschreiber René Schelling und Vize-Gemeindepräsident Reto Zellweger (Präsident Jakob Schegg weilt in den Ferien) mehr als 450 Unterschriften überreichen. 231 wären für das fakultative Referendum nötig gewesen.

Beizer Hans Thür sagte den Gemeindevertretern schelmisch: «Wenn die Schrift nicht leserlich ist, könnt ihr grosszügig streichen. Unterschriften hat es genug.»

«Schlecht für das Gewerbe»

Wenn es nach der Gemeinde geht, soll die Neugass in den nächsten Jahren diverse Änderungen erfahren: Die Bushaltestellen sollen verschoben, die Strasse verengt, einige Parkplätze aufgelöst und Laternen und Poller direkt neben die Strasse platziert werden.

Die Unternehmer Kast und Thür wehren sich vehement gegen dieses Vorhaben, weil die Strasse dann nicht mehr gewerbefreundlich sei und sich Rückstaus und Verkehrschaos bildeten («Der Rheintaler» berichtete). Dank des eingereichten Referendums entscheidet nun das Volk, ob es die Neugestaltung der Neugass möchte. Gemäss René Schelling findet die Abstimmung voraussichtlich am 13. Februar des kommenden Jahres statt.

Derzeit kommt das Thema im Bernecker Gemeindeleben oft zur Sprache, wie Doris Hardegger weiss. Sie arbeitet als Verkäuferin beim Kiosk, der an der Neugass steht. «Wenn es bald weniger Parkplätze gäbe, wäre dies für unser Gewerbe schlecht», kritisiert sie. Das Projekt sei bei der Kiosk-Kundschaft umstritten. «Vielen Leuten ist unklar, wie die Umsetzung im Detail aussehen würde.

Wie viele Parkplätze verschwinden? Könnten Lastwagen und Postautos kreuzen?» Nicht zuletzt spielten beim Entscheid der Berneckerinnen und Bernecker auch die Kosten eine Rolle, glaubt Hardegger. Die Kostenbeteiligung der Gemeinde würde sich bei einer Neugestaltung auf knapp 1,1 Millionen Franken belaufen, sowie 185 000 Franken Spezialkosten für weitere Gestaltungselemente. Da es sich um eine Kantonsstrasse handelt, übernimmt der Kanton den Restbetrag.

Für die Gemeindebeiträge mussten Kast und Thür separat Unterschriften sammeln, sie taten dies jedoch im selben Zug.

«Umfahrung mit Tunnel»

Die Bernecker Neugass präsentierte sich gestern Nachmittag etwa so leer, als würde die Schweizer Fussball-Nati gerade ein WM-Finale bestreiten. Vor dem Dorfladen stand Bettina Quan samt Kinderwagen.

Sie ist erst vor kurzem nach Berneck gezogen, trotzdem hat sie bereits eine Meinung zum Projekt Neugass: «Grundsätzlich fände ich eine Verkehrsberuhigung sinnvoll. Die Neugass ist ja auch Teil des Schulwegs.» Sie hat jedoch auch Verständnis für das Gewerbe. «Eine Zwischenlösung wäre gut.» Auch Otto Lappi von der Hinterdorfstrasse plädiert für eine andere, ganz unkonventionelle Lösung: «Am besten wäre eine Umfahrung Bernecks mit einem Tunnel durch den Rosenberg.

» Darauf fügte er etwas ernster und kritischer hinzu: «Findet auf der Hauptstrasse eine Verkehrsberuhigung statt, würden viele Autos über <unsere> Hinterdorfstrasse fahren, was ich nicht möchte.» Ein weiterer Bürger, der nicht beim Namen genannt werden möchte, sagte: «Die Verkehrsberuhigung wäre positiv, aber die vorgeschlagene Lösung finde ich nicht gut.» Damit bringt er auf den Punkt, was die Mehrheit der befragten Leute bei der nicht repräsentativen Umfrage unserer Zeitung dachten.

Schön, wie es derzeit ist

Martha Indermaur kam gerade vom Einkauf. Schon 45 Jahre wohnt sie in Berneck, derzeit an der Hinterburgstrasse. Sie ist der Meinung, «die Neugass ist doch schön so, wir sollten sie so belassen.» Die Rentnerin berichtete, ihre ganze Familie sei gegen die Neugestaltung, sie habe das Referendum von Walter Kast und Hans Thür unterschrieben. «Das Gewerbe würde leiden, wenn das Projekt zustande käme. Weiter verursachten die geplanten Veränderungen Verkehrsprobleme.»

Vize-Gemeindepräsident Reto Zellweger übernahm in den letzten Tagen aufgrund der Ferienabwesenheit von Präsident Jakob Schegg die die Vertretung des Gemeinderats. Dem «Rheintaler» sagte er in der Montagsausgabe: «Ich stehe im Namen des Gemeinderats für das Projekt ein.» Er widersprach der Ansicht, die Neugestaltung der Neugass sei nicht gewerbefreundlich.