Powerfrau auf Feldforschung

Sie spricht fünf Sprachen und hat im Frühling mit dem Bachelor in Ethnologie und Slavistik abgeschlossen. Im Sommer war Katerina Zäch aus Eichberg zu Forschungszwecken in Kirgistan.

Kurt Latzer
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In Kirgistan nahm Katerina Zäch am Dorfleben und dem Leben in Familien teil. Besonders überrascht war sie von der Gastfreundschaft der Leute. (Bild: pd)

In Kirgistan nahm Katerina Zäch am Dorfleben und dem Leben in Familien teil. Besonders überrascht war sie von der Gastfreundschaft der Leute. (Bild: pd)

EICHBERG. Ein Wort trifft auf Katerina Zäch in besonderem Masse zu – Frauenpower. Erst vor ein paar Jahren ist die gebürtige Tschechin ihrem Mann ohne Deutschkenntnisse in die Schweiz gefolgt, hat in kürzester Zeit nicht nur Deutsch gelernt, sondern auch die Matura nachgeholt und sich an der Universität in Zürich für ein Ethnologie- und Slavistik-Studium eingeschrieben. Im Frühling hat sie das Studium mit dem Bachelor abgeschlossen.

Nach der Theorie die Praxis

Für Ethnologie hat sie sich entschieden, weil sie von fremden Ländern und Völkern schon immer fasziniert war. Es sei unglaublich spannend, sich mit fremden Kulturen zu befassen und sie zu studieren.

Und wie kam es zur Feldforschung in Kirgistan? «Nach der Theorie an der Uni wollte ich auch etwas praktische Erfahrung sammeln. So habe ich mich für die Feldforschung angemeldet», sagt die Eichbergerin. Für die Arbeit in Kirgistan habe sich ein kleines Team gebildet, bestehend aus zwei Ethnologinnen, einer Psychologin und einer Sprachwissenschafterin.

Ein Jahr Vorbereitung

Allein die Vorbereitung für die Forschungsarbeit habe ein Jahr gedauert. Neben dem Studium besuchte Katerina Zäch zwei- bis dreimal pro Woche Sprachunterricht in Russisch, teils auch in Kirgisisch. Dazu besuchte sie in Oberriet einen Kurs in Kommunikation mit Kindern. In Kirgistan beschäftigte sie sich mit Auswirkungen der Migration auf Kinder. «Viele junge Eltern müssen ins Ausland gehen, um Arbeit zu finden, meist nach Russland. Die Kinder bleiben zu Hause und werden von Grosseltern oder anderen Verwandten grossgezogen», beschreibt Katerina Zäch die Situation im kirgisischen Dorf Bel, in der Provinz Nookat.

Oft sehen die Kinder die Eltern über Jahre nicht, manchmal nur kurz in den Ferien. In einem Dorf habe sie an einer Veranstaltung im Kindergarten teilgenommen. «Ich habe nur alte Leute und Kinder gesehen», erinnert sich die Ethnologin. Obwohl die Leute sehr arm seien und es in den Dörfern kein fliessend Wasser gibt – das wird von Quellen, Bächen oder Seen geholt – gehe es den Kindern gut.

Auch die Kindergärten und Schulen hätten sie positiv überrascht. Einzig das Bindeglied zwischen Grosseltern und Kindern fehle, die moderner eingestellten Eltern. So kommt es, dass die Kinder so erzogen werden, wie bereits die Eltern und die Grosseltern.

Nächstes Ziel: Master

Bei einer Familie kümmere sich die Grossmutter alleine um sieben Enkelkinder; in einer anderen sorgten Grossmutter und Grossvater für alle Kinder der drei Söhne. Zahlreiche Leute habe sie interviewt; selbst aber auch in Familien gelebt und gearbeitet. «Obwohl die Gastfreundschaft sehr gross ist, war es nicht leicht, Fragen über das Verhältnis zwischen Eltern, Kindern und Grosseltern zu stellen», sagt Katerina Zäch.

Die gewonnenen Erkenntnisse fasst sie zurzeit in einem Forschungsbericht zusammen, als Teil der Masterarbeit. Im September geht es mit dem Studium weiter, ihr vorläufiges Ziel ist der Master-Abschluss.

Studieren in der Schweiz teuer

Sie hat die Migrations-Auswirkungen studiert. Wie hat sie das mit ihrer eigenen Familie organisiert? Sie schlüpfte ja auch für fünf Wochen in die Rolle einer Migrantin. «Ohne meinen Mann wäre das nie möglich gewesen, er hat mich voll bei meinem Wunsch, Feldforschung zu betreiben, unterstützt», lächelt die Ethnologin.

Ohne Hilfe des Ehepartners wäre auch das Studium nicht zu stemmen gewesen, denn «das Studieren in der Schweiz ist sehr teuer». Katerina Zäch und ihr Mann haben bisher das Studium alleine finanziert. Kürzlich habe sie, zu ihrer Überraschung, erstmals einen Zustupf bekommen, von der katholischen Kirche. «Ich war glücklich. Mit dem Betrag kann ich fast ein ganzes Semester finanzieren», freut sich die Eichbergerin.

Weitere Ziele für die Zeit nach dem Masterabschluss möchte die engagierte Frau nicht nennen. Da sei ja ihre Familie – und die komme an erster Stelle. Anders sieht es mit den Wünschen aus: «Schön wäre es, wenn ich weiter forschen und vielleicht noch Chinesisch lernen könnte.»

Wenn möglich, möchte Katerina Zäch die Feldforschung in Kirgistan fortsetzen. (Bild: Kurt Latzer)

Wenn möglich, möchte Katerina Zäch die Feldforschung in Kirgistan fortsetzen. (Bild: Kurt Latzer)