Post vom anderen Ende der Welt

Die zwei Marken aus Fidschi auf dem Couvert weckten seine Neugierde. Dargestellt sind ein «Mangrove Haron» und ein «Scarlet Robin», ein Mangroven Reiher und ein Rotbrüstiger Schnäpper.

Mea Mc Ghee
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«Bula aus Fidschi» beginnt der Brief, den Paul Weder aus dem Inselparadies im Südpazifik erhalten hat. (Bild: mc)

«Bula aus Fidschi» beginnt der Brief, den Paul Weder aus dem Inselparadies im Südpazifik erhalten hat. (Bild: mc)

Die zwei Marken aus Fidschi auf dem Couvert weckten seine Neugierde. Dargestellt sind ein «Mangrove Haron» und ein «Scarlet Robin», ein Mangroven Reiher und ein Rotbrüstiger Schnäpper. «Paul Weder – Kampfrichter in Pension – irgendwo in Heiden AR – Heiden – Switzerland – Europe», war der Brief adressiert. Am 23. Juni wurde er am anderen Ende der Welt aufgegeben, rund eine Woche später fand ihn Paul Weder in seinem Briefkasten. Der Häädler sagt: «Ich hatte keine Ahnung, wer mir von den Fidschi Inseln schreiben könnte.» Vielleicht ein Verwandter aus den Ferien? Oder jemand aus dem Sportbereich? In der Leichtathletik ist der ehemalige Stabhochsprung-Kampfrichter nämlich kein Unbekannter.

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«Bula aus Fidschi – Hallo Paul» beginnt der Brief. «Du magst dich ganz sicher an mich erinnern, ich habe dir einige Male in Heerbrugg die Haare geschnitten», heisst es weiter. Am Anfang sei es der Vater gewesen, «nachher habe ich dir einen <Fast Haircut> verpasst», las Paul Weder. Da habe er sich erinnert, habe gewusst, wer den Brief geschrieben hat: Luzi Schaller. Dieser war vor rund 40 Jahren Weders Coiffeur, danach hätten sie sich aus den Augen verloren. «Zuletzt traf ich ihn vor einigen Jahren bei einem Anlass im Rheintal. Er erkannte mich sofort», erinnert sich Weder. Sie seien ins Gespräch gekommen, Luzi Schaller habe von seiner Auswanderung erzählt. Denn 2006 hatten der Rheintaler und seine Frau aus dem Montafon der «alltäglichen Hektik der Schweiz» den Rücken gekehrt. «Wir leben in einem kleinen Paradies, haben ein Haus mit vier Hektaren Land», beschreibt Luzi Schaller in seinem Brief. Er habe in der «Fiji Times» die «Story» über Paul Weder gelesen und gedacht, dies wäre einige Zeilen wert. Dass der Text aus dem «Rheintaler» mit dem Titel «Für die Leichtathletik gelebt» in der «Fiji Times» erschienen ist, scheint fraglich. Luzi Schaller könnte ihn auch online gelesen haben, vermutet Paul Weder.

«Total unerwartet», war der Brief, sagt er. Offenbar habe der Zeitungsartikel über seine Verabschiedung als Kampfrichter des Leichtathletik-Meetings Weltklasse Zürich am anderen Ende der Welt den Auswanderer bewegt. «Es ist schön, wenn ein entfernt Bekannter plötzlich einen dreiseitigen handgeschriebenen Brief verfasst», freut sich der Heidler.

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Da er jetzt ja «Pensionist» sei, habe er sicher Zeit genug, schrieb Luzi Schaller. Und weiter: «Löst ein Ticket bei der Korean Air und kommt nach Fidschi. Freunde sind immer herzlich willkommen!» – Jedes Wort dieses Satzes ist unterstrichen. «Es ist einmalig, wenn jemand einen einfach so einlädt», findet Paul Weder. Er kann sich gut vorstellen, für einige Wochen ins Inselparadies im Südpazifik zu reisen. «Vielleicht mit einem Schiff, da meine Frau nicht so gerne fliegt.»

Bevor er aber die Koffer packt, will Paul Weder seinem Bekannten antworten. Er werde in seinem Brief vom Geschehen im Rheintal berichten und von der Landschaft. «Damit die Auswanderer deren Schönheit nicht vergessen», hat sich Paul Weder vorgenommen. Zudem habe er das Buch «Unser Rheintal 2014» gekauft. Ein Text darin ist Luzi Schaller gewidmet. Bei der Lektüre erfuhr Paul Weder übrigens die Bedeutung der Worte «Bula aus Fidschi», zu Deutsch «herzlich willkommen».

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