Plötzlich ist das Wasser da

Eine halbe Stunde bin ich mit dem Auto weg. Bei meiner Rückkehr ist die Strasse zum eigenen Haus ein reissender Bach. Da heisst es: «Schnell a d' Säck» (im wahrsten Sinne des Wortes). Sind keine Sandsäcke da, hilft auch anderes.

Gert Bruderer
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LÜCHINGEN. Kurz nach 17 Uhr, bei meiner Rückkehr aus Balgach ins Lüchinger Wohnquartier Roosen, ist in Marbach (beim Otto's) die Staatsstrasse überschwemmt. Auch in Lüchingen, aus Richtung Sonnenhügel, kommt das Wasser als Fluss den Berg herab.

Der Nachbarin sei Dank!

Im oberen Teil des Roosen-Quartiers steht alles unter Wasser. Die Feuerwehr war gleich zur Stelle. Auch die Rietstrasse hat sich, wie beim letzten Hochwasser im Juli 2014, in Windeseile in einen Bach verwandelt. Wieder war das Wasser plötzlich da. Gut, hatte die Nachbarin Gabriela Gschwend bei uns geklingelt und den allein anwesenden Sohn gewarnt, dass sich das Wasser sehr bedrohlich der Garage näherte. Als ich (von Südwesten her, wo eine Strasse trocken ist) das Haus erreiche, hat der Sohn bereits erste Abwehrmassnahmen ergriffen. (Für Fotografieren ist noch keine Zeit!)

Schachtdeckel weggedrückt

Aus den Schächten strömt das Wasser mit einer Kraft, dass an mindestens zwei Orten sogar der schwere Eisendeckel weggedrückt wird. Zahlreiche Keller, Garagen und – schlimmer noch – Wohnräume, sind in kurzer Zeit überschwemmt. Machtlos müssen ihre Bewohner mitansehen, wie das Wasser eindringt. Ein betroffenes Ehepaar ist gleichentags in die Ferien verreist.

An der Rietstrasse findet das Wasser sogar einen Weg von unten: In ein Haus, an dem der Strom vorbeifliesst, drückt es durch den Kellerboden ins Gebäude.

Vielerorts lässt das Wasser sich abwehren – mit Sandsäcken, Brettern, Steinen, allem möglichen. Auch Besen dienen (mir zum Beispiel), um das braune Wasser umzuleiten. Unterhalb des Chapfs ist, aus dem Tal gut sichtbar, ein Teil des Rebbergs abgerutscht, die Strasse nach Mohren verschüttet. Auch etwas weiter nördlich, gegen Marbach, hat Erdreich sich talwärts bewegt.

In der Aufregung verunfallt

Eine Rentnerin, die im betroffenen Gebiet zu Hause ist, befindet sich mit ihrem Auto auf dem Heimweg, als sie plötzlich nur noch Wasser sieht. Von allen Seiten ist ihr die Zufahrt verwehrt. Das macht sie ganz konfus. In der Aufregung stösst sie auf einer (wasserfreien) Kreuzung mit einem anderen Auto zusammen. Wenigstens wird dabei niemand verletzt.

Als der Wasserstrom nach einer Stunde abschwillt, sind schon für die nächste Stunde nochmals starke Regenfälle in Lüchingen angekündigt. Etwas später ist die beunruhigende Prognose allerdings nach unten korrigiert. Es regnet diesen Abend nicht mehr stark.

Zum Glück.

Auf rheintaler.ch sind zahlreiche Bilder sowie Videos zur Überschwemmung in Lüchingen zu finden.

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