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Platz für Auenwald muss es geben

Die Diskussionen über das Land, das am Rhein zugunsten des Hochwasserschutzes (Projekt Rhesi) geopfert werden soll, nehmen kein Ende: auf beiden Seiten des Grenzflusses.
Kurt Latzer
Nur wenn der Rhein mindestens etwas mehr als 400 Meter breit fliesst, kann ein Auenwald entstehen. Das wäre unterhalb der Frutzmündung möglich. (Bild: Kurt Latzer)

Nur wenn der Rhein mindestens etwas mehr als 400 Meter breit fliesst, kann ein Auenwald entstehen. Das wäre unterhalb der Frutzmündung möglich. (Bild: Kurt Latzer)

Zurzeit sind die im «Generellen Projekt» vorgesehenen Aufweitungen der Hochwasserdämme ein Thema. Vor allem im benachbarten Vorarlberg. Am Freitag, 26. April, um 19 Uhr informierten die Mitglieder des Vereins «RhesiNat» im Pfarrsaal in Meinin­-gen über ihre Anliegen. Die Kob­lacher Interessengemeinschaft stellten wir in unserer Ausgabe vom 17. April vor.

Nicht einverstanden mit allen Aussagen und Forderungen des Vereins ist der Rhesi-Projektleiter Markus Mähr. Auch wenn er die Anliegen des Vereinsvorstandes ernst nimmt. «Ich hatte schon des Öfteren Kontakt mit dem Verein. Wir nehmen die Einwände ernst, wischen nichts vom Tisch», sagt Mähr. Bei den Pegelständen in Koblach, die bei einem «300-jährigen» Hochwasser zu erwarten sind, räumte der Projektleiter einen Rechnungsfehler ein. «Es stimmt, wegen eines Berechnungsfehlers wurde der Wasserstand mit sieben, statt fünf Metern angegeben. Wir haben das korrigiert», sagt Mähr.

Auf beiden Seiten gleich viel Vorland beanspruchen

Grösstes Anliegen von «RhesiNat» ist die Redimensionierung der geplanten Dammaufweitungen zwischen Koblach und Meiningen. Auch sind Leute auf Vorarlberger Seite der Meinung, sie müssten Boden hergeben, weil auf Schweizer Seite wegen Bahn, Autobahn und Besiedlung weniger Platz ist, um dem Fluss freieren Lauf zu lassen. Markus Mähr: «Wir haben sehr genau darauf geachtet, dass auf beiden Seiten des Rheins gleich viel Vorlandflächen einbezogen werden.» «RhesiNat» ist nicht gegen die ökologische Aufwertung des Flusses, nur solle die innerhalb der besehenden Hochwasserdämme stattfinden. Dann müsse man auch den Boden mit der Gemeinde Koblach nicht tauschen. «Die Fragestellung, wie breit der Fluss sein muss, ist nicht leicht zu beantworten», sagt der Rhesi-Projektleiter. In diesem Zusammenhang gelte es, die unterschiedlichen Interessen unter einen Nenner zu bringen, wie die der Landwirtschaft, der Wasserversorger und der Naturschutzorganisationen. In den Gesetzen in Österreich und in der Schweiz ist verankert: Der Fluss muss wieder möglichst naturnah sein, das ökologische Potenzial muss ausgeschöpft werden. Wie breit eine Aufweitung – ein sogenannter Trittstein – zu sein hat, ist in keinem Gesetz präzise geregelt. «Mir wäre lieber, im Gesetz stünde ganz genau, wie viel Fläche man aufwerten muss. Dann hätten wir viel weniger Arbeit, vieles wäre einfacher», sagt Markus Mähr.

Zwei Studien zum Platzbedarf

Die Frage des Vereins RhesiNat ist: Warum reicht der Platz zwischen den Hochwasserdämmen nicht? Laut dem Rhesi-Projekt­leiter habe man verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, wie breit der Rhein in Zukunft aus ökologischer Sicht sein muss. Hierfür galt es, einige Punkte zu berücksichtigen. So etwa die einstige Breite des Flusses und welche Tiere und Pflanzen dort einst existierten.

Früher war der Fluss im Mündungsbereich der Frutz – zwischen Montlingen und Oberriet (Koblach und Meiningen) – 800 bis 1000 Meter breit. Entlang des Flusses existierten einst ausgedehnte Auenwälder. Heute fliesst der Rhein in einem vergleichsweise winzigen, etwa 80 Meter breiten Korsett dem Bodensee entgegen. Den Hochwasserdamm auf Vorarlberger und auf Schweizer Seite trennen etwa 350 Meter. «Massgebend ist, es muss wieder Auwald entstehen. Hierfür haben wir zwei Studien in Auftrag gegeben», sagt Mähr. Die Auswertung habe ergeben: Im Bereich der Frutzmündung kommt ab einer Breite von 350 Metern Auwald auf, das heisst, es sind 400 Meter Breite für einen nennenswerten Auwald nötig. Inklusive Vorlandstreifen beidseits des Flusses müsste der Fluss mindestens gut 400 Meter Platz haben.

«Bei der Ebach-Mündung hätten wir die Chance, die nötige Breite zu erreichen», sagt Markus Mähr. Vorgesehen wäre, den Ebach bis oberhalb der Frutzmündung zuzuschütten und über das einstige, heute ausgetrocknete Bett bei der Frutzmündung in den Rhein fliessen zu lassen.

Den Unterhalt nicht vernachlässigt

Vergleichbar mit den Binnenkanälen auf Schweizer Seite, handelt es sich beim Ebach um kein natürlich entstandenes Gewässer. Ein Potenzial, mehr Abflussvolumen zu schaffen, sieht der «RhesiNat»-Vorstand beim konsequenten Abtrag von angelandetem Material. Das habe die Internationale Rheinregulierung versäumt. Im Staatsvertrag, der 1955 in Kraft getreten sei, hätten sich die Staaten verpflichtet, Veränderungen in den Vorländern und des Durchflussquerschnitts zu verhüten oder zu beheben. «Diesen Vorwurf weise ich ganz klar zurück», sagt Markus Mähr, «die Querschnitte werden alle zwei Jahre gemessen, dementsprechend Massnahmen getroffen.» Immer wieder werde Letten abgetragen. Und weil im Mittelrheintal mehr Material liegen bleibe, habe man primär dort Auflandungen abgetragen.

Ausweitung allein reicht nicht

Bisher haben sich die Diskussionen auf den Bodenverlust in den Vorländern und die Grundwasserbrunnen konzentriert. Sind alle Hochwasserprobleme damit gelöst, wenn man dem Rhein mehr Platz gibt? «Nein. Auch bei den Hochwasserdämmen besteht Handlungsbedarf», sagt der Rhesi-Projektleiter. Die umfangreichen Untersuchungen hätten gezeigt, dass die teils locker geschütteten Dämme stellenweise komplett neu gebaut werden müssen. Nach dem heutigen Rhesi-Fahrplan will die IRR das «Generelle Projekt» spätestens 2021 für die Umweltverträg­lichkeitsprüfung (UVP) einreichen. «Spätestens bis dahin brauchen wir wegen des Bodenab­tausches einen Entscheid der Gemeinde Koblach», sagt Markus Mähr.

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