Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Platten, Pech und Poltern: Wie die Rheintaler Mountainbiker am Heim-Weltcup in der Lenzerheide abgeschnitten haben

Defekte stoppten Jolanda Neff und Thomas Litscher am Heim-Weltcup in Lenzerheide. Die zweite Rheintaler Garde schlug sich achtbar.
Yves Solenthaler

Als Thomas Litscher das Ziel als 26.Fahrer erreichte, liess er sein Bike liegen und stapfte direkt zum Italiener Nadir Colledani, dem er etwas zu sagen hatte. Die Schimpftirade beendete der 30-Jährige mit einem bekannten italienischen Kraftausdruck.

Was war geschehen? Der erste Teil von Litschers Leidensprotokoll hat mit Colledani nichts zu tun: Der Thaler erlitt schon früh, notabene an fünfter Stelle liegend, einen platten Vorderreifen: «In der Tech-Zone überholte er mich links. Deshalb stürzte ich, und dabei brach der linke Schuh.» Mit Kabelbindern versuchten die Mechaniker, den Schuh zu fixieren.

Litscher: Schuh-Ärger wegen Konkurrent

Der Stopp benötigte deshalb viel Zeit, Litscher fiel in die Nähe des 30.Platzes zurück. Zwar konnte er in nur einer Runde zehn Plätze gutmachen: Aber die Kabelbinder hielten nicht, deshalb musste er nochmals in die Tech- Zone: «Danach war meine Motivation geknickt.»

Thomas Litscher hatte sein zählbares Ergebnis, das ihm die WM-Selektion einbrachte, vor einer Woche geliefert (8.Platz in Val di Sole). Deshalb ändert der Rückschlag in Lenzerheide nichts daran, dass er nun mit der WM-Vorbereitung beginnen kann: «Aber es ist sehr bitter, im Heimrennen so geschlagen zu werden.»

Neff: Erst zum zweiten Mal nicht auf dem Podest

Das Heimrennen brachte auch Jolanda Neff kein Glück. Die 26-jährige Thalerin bildete zwar zu Beginn die Spitze mit Jenny Rissveds und Pauline Ferrand- Prévot, die schon vor einer Woche mit Neff die Top3 gebildet hatten. Aber zur Rennmitte fiel sie zurück. Während vorne Anne Terpstra zur schärfsten Konkurrentin der siegreichen Schwedin Jenny Rissveds wurde, verlor Neff laufend Zeit. In der letzten Runde zog auch noch Sina Frei an Neff vorbei.

Den letzten (fünften) Platz auf dem Podium büsste Neff wegen eines Platten ein. Hinter Catharina Pendrel, Rebecca McConnell und Weltmeisterin Kate Courtney fuhr sie als Achte ein. Über dieses Resultat war Neff untröstlich: Erneut hat es in Lenzerheide, wo sie bisher dreimal Vierte und einmal Dritte war, nicht zum Sieg gereicht.

Zwar fehlt weiter der Cross- Country-Sieg vor der Weltmeisterschaft vom 1.September in Kanada in Neffs Palmarès, aber im Gesamtweltcup bleibt sie vor dem letzten Rennwochenende 73 Punkte vor Courtney. Bei noch 375 zu gewinnenden Punkten bleibt das Duell bis zuletzt spannend.

Im Short Track vom Freitag wurde Neff Zweite hinter Ferrand-Prévot. Die Regelmässigkeit ist der Grund, weshalb Neff gute Chancen besitzt, die Saisonwertung zum vierten Mal zu gewinnen: Bei bisher zwölf Wettkämpfen im Weltcup erreichte sie zehn Mal das Podest (Top3). Ihr Ausschlag nach unten ist der achte Platz, bei Courtney ist es der 17.Rang.

Die beiden gehören sicher auch an der WM vom 1.September in Mont Saint-Anne zu den Topfavoritinnen. Aber Rissveds, Ferrand-Prévot und auch Terp­stra drängten sich in den letzten zwei Weltcups ebenfalls weit nach vorne in der Favoritenliste. Auch Sina Frei wäre zu beachten, aber die Zürcherin fährt in Kanada um den U23-WM-Titel.

Vitzthum: Der Start ins Rennen ist entscheidend

Der 24-jährige Rheinecker Simon Vitzthum hatte vor einer Woche erstmals im Elite-Weltcup die Top40 (39.Rang) erreicht. In Lenzerheide verbesserte er sich nochmals um drei Ränge. Es hat bis zu den letzten Weltcuprennen in Europa gedauert, bis er seine guten Leistungen während der ganzen Saison auch auf höchster Ebene bestätigen konnte. Entscheidend war und ist, dass er schon früh im Rennen in den Bereich der Top 30/40 hineinfährt – was ihm in Lenzerheide gelungen ist: «Und auch nachher lief es ziemlich gut.»

Dabei hatte er sich vor zwei Wochen an der EM in Brünn die Schulter ausgerenkt: «Das Gelenk ist ausgeleiert, es schmerzt auch manchmal – aber während des Rennens behindert es mich nicht.»

Ob er den Übersee-Weltcup bestreitet, steht noch in den Sternen. Sicher ist: Am nächsten Sonntag startet Vitzthum am Swiss Cup in Basel, danach fährt er das fünftägige Mehretappenrennen Swiss Epic.

Blöchlinger: Nach Unfall spät in Form gekommen

Der 23-jährige Noah Blöchlinger aus Heiden fand mehr schlecht als recht in seine erste Elite-Saison. Der Grund war ein Unfall vom Januar im Nati-Training in Gran Canaria: Ein Töfffahrer stürzte in ihn und zerquetschte seinen linken Fuss. Mit einem Monat Pause kam er nach diesem Horror-Unfall noch gut weg.

Der Formaufbau litt allerdings unter dieser Zwangspause. Nicht verwunderlich daher, dass Blöchlingers Form gegen Endes des Jahres besser wird: Nach dem 46.Platz in Les Gets fuhr er in Lenzerheide auf den 48.Rang. Er war nach dem Rennen zufrieden: «Ich fuhr in die Top50, obschon der Start eine ziemliche ‹Schlägerei› war.» Das ist bei 120er-Starterfeldern immer so, verschärft sich aber in Lenzerheide mit dem langen Anstieg, gefolgt von einer schmalen Passage nach dem Start.

«Schade ist nur, dass bald die Saison endet», sagt Blöchlinger. Den Übersee-Weltcup in Snowshoe (USA) lässt er aus, vom 20. bis 25.August bestreitet er das Swiss Epic im Bündnerland. «Danach suche ich noch einige Rennen, um die Saison zu verlängern und auch UCI-Punkte zu holen», sagt der Vorderländer. Er möchte seine gute Spätform im Herbst nutzen, um gute Resultate zu erzielen.

Müggler: Einmalige Stimmung genossen

Eliane Müggler startet nur selten im Weltcup. «Der Aufwand ist zu gross, um auf Platz 50 zu fahren. Zumal ich ja immer noch einen Mechaniker mitnehmen müsste.» Die 25-Jährige fuhr in Lenzerheide erstmals in diesem Jahr gegen die Weltelite: «In Albstadt starte ich auch oft, dieses Jahr hatten wir bei dem Termin aber ein Schullager», sagt die Staader Primarlehrerin.

In Lenzerheide war sie mit ihrem Rennen zufrieden, das ihr den 59.Platz einbrachte: «Aber ich wäre gerne noch eine Run­-de mehr gefahren (Anm.: Von Überrundung bedrohte Fahrerinnen werden aus dem Rennen genommen), Kraft für eine weitere Schlaufe hätte ich jedenfalls noch gehabt.» Ein Highlight, vor einer solchen Kulisse zu fahren – am Sonntag wurden 13000 Zuschauer ausgewiesen – war es allemal. Eine solche Stimmung erleben selbst Weltcup-Cracks sonst nie, Fahrerinnen im Swiss-Bike-Cup erst recht nicht.

Spiess: Fokus auf Schule (und Marathon) gerichtet

Der Kriessner U23-Fahrer Robin Spiess gehört wie Vitzthum und Müggler zum Team Bischibikes, er startete aber im Schweizer Trikot. Der 21-Jährige fuhr in seinem erst vierten Weltcup- Einsatz (je zweimal in Lenzerheide und in Albstadt) auf den 66.Rang – ziemlich genau in der Mitte des Starterfeldes.

«Das ist akzeptabel», sagt Spiess, der noch viel von der guten Stimmung in der Alpen­arena mitbekam, obschon das U23- Rennen der Männer erst nach den Elite-Wettkämpfen stattfand. Er hatte für den Bike-Marathon in Ischgl trainiert, wo er vor einer Woche den guten 16.Platz erreichte: «Dadurch fehlte mir die Spritzigkeit für Cross Country.» Zudem hat Spiess zurzeit eine andere Priorität: Er steckt mitten in den Abschlussprüfungen zur «Passerellen Berufsmaturität».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.