Planungsstop für Ill-Kraftwerk gefordert

Rheintal. Das von der Stadt Feldkirch am Illspitz geplante Kraftwerk stehe im Widerspruch zu den international vereinbarten Zielen eines natürlichen Alpenrheins und bedeute eine Einschränkung des Lebensraumes der bedrohten Seeforelle, kritisieren Umweltschutz- und Fischereiverbände.

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Rheintal. Das von der Stadt Feldkirch am Illspitz geplante Kraftwerk stehe im Widerspruch zu den international vereinbarten Zielen eines natürlichen Alpenrheins und bedeute eine Einschränkung des Lebensraumes der bedrohten Seeforelle, kritisieren Umweltschutz- und Fischereiverbände. Lukas Indermauer für die Initiative Lebendiger Alpenrhein und Rainer Kühnis als Vorsitzender der Koordinationsgruppe ProFisch Alpenrhein wenden sich mit einem Protestschreiben an die Internationale Regierungskommission Alpenrhein (IRKA) und die Internationale Bodenseekonferenz (IBKF).

Einsprüche noch möglich

Die Umweltschutz- und Fischereiverbände fordern einen Planungsstop für Kraftwerke im Einzugsgebiet des Alpenrheins und besonders im Mündungsbereich der Ill. Sie weisen darauf hin, dass die Bewilligung der Wasserrechte für ein Kraftwerk an der Ill aussteht und Einsprüche noch möglich seien. Obwohl die Projektierung ein Nebengrinne und zur Überbrückung des Stauwehrs eine Fisch-Aufstiegshilfe vorsieht, ist die Latte der Begründungen des Einspruchs, die von den Initiativen Lebendiger Alpenrhein und ProFisch Alpenrhein gegen die Energiegewinnung an der Ill angeführt wird, lang. Das Kraftwerk behindere den Geschiebe-Betrieb und werde deshalb die bereits fortgeschrittene Sohlen-Erosion im Rhein verschärfen. Auch in den nächsten 25 Jahren werde ohne entsprechende Gegenmassnahmen unterhalb der Illmündung eine Sohl-Eintiefung von einem halben Meter erwartet. Eine Eintiefung der Sohle bedeutet ein Abfallen des Grundwasserspiegels und gefährdet durch Unterspülung auch die Hochwasserschutzbauten. Im internationalen Entwicklungskonzept für den Alpenrhein, sei zudem vereinbart, die Zuflüsse niveaugleich anzubinden. Eine neue Staustufe, 3,5 bis 8 Meter hoch, stehe im Widerspruch dazu. Als mangelhaft kritisiert wird die Koordination zwischen der Verantwortlichen für die Renaturierung des Alpenrheins und der Bodenseekonferenz, die seit Jahren eine Arbeitsgruppe «Wanderfische» führt und im Sommer eine auf drei Jahre anberaumte teure Untersuchung über die Lebensmöglichkeiten für Seeforellen in den Bodensee-Zuflüssen in Auftrag gab. Die Seeforellen würden durch das geplante Kraftwerk vom nächstliegenden und längsten Fortpflanzungs-Gewässer abgeschnitten. Historische Fangdaten belegen die Bedeutung des Rheins für die Fortpflanzung der Seeforelle.

Wieder mehr Seeforellen

Dank der durch die IBKF initiierten Massnahmen stieg die Zahl der auf ihrem Laichzug festgestellten Seeforellen in den letzten Jahren wieder an, räumen die Fischereivertreter ein.

Das geplante Kraftwerk wirke aber den Bemühungen der IBKF entgegen und gefährde den Erhalt der Bestände der Leitfisch-Art des Bodensees. (Gernot Grabher)

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