Pfötchengebende Nutztiere

Herdenschutzhunden wird oft zu Unrecht vorgeworfen, sie seien laut und aggressiv. Der Montlinger Schafzüchter Gerd Loher will deshalb die Bevölkerung über die Rolle der Hunde und das angebrachte Verhalten ihnen gegenüber aufklären.

Anina Gächter
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MONTLINGEN. «Elios, Etana», ruft Gerd Loher. Die beiden weissen Hunde rennen freudig auf ihn zu und reiben ihren Kopf an seinem Bein. «Sehen Sie, die Hunde sind ganz zutraulich, wenn man sich richtig verhält», erklärt Loher und krault einen der Hunde zwischen den Ohren, während dieser seine Pfote auf Lohers Bein legt. Elios und Etana sind zwei der insgesamt 250 Herdenschutzhunde, die die Schweizer Schafe vor Wölfen beschützen.

Platzprobleme im Winter

Normalerweise sind die beiden zusammen mit zwei anderen Hunden auf der Alp Ramoz in der Nähe der Gemeinde Vättis im Calanda-Gebirge. Bis vor drei Jahren riss der Wolf dort immer wieder Gerd Lohers Schafe. Seither setzt Loher auf ein Team aus vier Herdenschutzhunden, die die Schafe rund um die Uhr bewachen.

Das hat nicht nur Vorteile, denn die Schutzhunde müssen auch im Winter, wenn die Schafe im Tal sind, immer in ihrer Nähe sein. Da die Schutzhunde bis im Frühling nicht an Kondition und Muskelmasse verlieren sollten, brauchen sie viel Platz, um sich bewegen zu können. Pro Hund rechnet man mit einer halben Hektare Land.

Kein Kuscheltier

Schutzhunde sind darauf geprägt, ihre Herde vor potenziellen Angreifern zu beschützen. Deshalb erhalten viele ihrer Halter im Winter Beschwerden, die Hunde bellen zu laut und seien aggressiv. «Das Problem ist, dass die Schutzhunde nicht gleichzeitig böse und lieb sein können. Sie probieren schliesslich, nur ihre Arbeit zu machen, und die besteht nun mal darin, zu bellen, wenn etwas den Schafen zu nahe kommt», meint Gerd Loher.

Heutzutage werden die Herdenschutzhunde aber dazu erzogen, Menschen nicht als Gefahr zu erkennen. Im Gegensatz zu früher verbringen die Jungtiere deshalb täglich eine gewisse Zeit umgeben von Menschen. «Man muss sich aber bewusst sein, dass sie Nutztiere und keine Haustiere sind», erklärt Loher. Seine Hunde wurden menschenfreundlich erzogen. Sie bellen Spaziergänger höchstens in Begleitung von Hunden an. Gerd Loher selbst hat darum auch noch nie eine Beschwerde erhalten. «Nur einmal hat jemand gesagt, die Hunde seien böse. Aber jeder, der sie kennt, weiss wie lieb sie eigentlich sind», erzählt er.

Die Bevölkerung informieren

Nächste Woche organisiert Gerd Loher gemeinsam mit einem weiteren Schafzüchter einen Info-Nachmittag. Dann wollen sie die Bevölkerung über die Hunde und deren Tätigkeit informieren. Zudem werden sie erklären, wie man sich beim Wandern gegenüber den Hunden verhalten muss. Freiwillige können danach auch noch die Hunde streicheln und sich selbst davon überzeugen, dass sie den Menschen gut gesinnt sind.

Info-Nachmittag: Samstag, 17. Januar, 13.30 – 16 Uhr, neben dem SAK- Kraftwerk in Montlingen.