Pflanzen mit Charakter

Stellen Sie sich vor, Sie tragen als Frau an irgendeinem «Servelatprominenzabend», zum Beispiel der Miss-Schweiz-Preisverleihung, das gleiche Label-Abendkleid wie ihre beste Freundin, die doch so etwas wie ein Techtelmechtel mit ihrem Ex gehabt hat. Und, würde Sie das freuen?

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Indigolupine (Baptisia australis). (Bild: Urs Stieger)

Indigolupine (Baptisia australis). (Bild: Urs Stieger)

Stellen Sie sich vor, Sie tragen als Frau an irgendeinem «Servelatprominenzabend», zum Beispiel der Miss-Schweiz-Preisverleihung, das gleiche Label-Abendkleid wie ihre beste Freundin, die doch so etwas wie ein Techtelmechtel mit ihrem Ex gehabt hat. Und, würde Sie das freuen?

Wenn Sie aber in ihrem Garten die gleiche Staude haben wie der Nachbar, wie sie in der «Landlust» oder an der «Giardina» zu sehen war – würde Sie das freuen?

Möglicherweise haben Sie gar kein Label-Abendkleid und haben aus dem Geld den halben Garten mit neuen Stauden bepflanzt oder haben das vor. Dann plädiere ich für Charakterpflanzen. Pflanzen, die vielleicht nicht chic sind, aber eigenständig, vielleicht sogar etwas schwierig, kein Mainstream. Die Gartenfreundinnen werden fragen: Was ist das für eine Marke, pardon, Pflanze?

Hopfen. Ich bin bekennender Nichtbiertrinker und habe in meinem Leben nie ein Bier getrunken. Trotzdem, Hopfen ist so eine Charakterpflanze. Wie Bambus sollte er von Anfang an gebändigt werden mit einer Wurzelsperre, sonst gierscht er. (Giersch, mein pflanzliches Feindbild …) Hopfen wird hoch, das wissen auch Biertrinker, ergibt viele Triebe, die man jung als Spargelersatz kochen kann, und macht Blüten, die nicht nur riechen, sondern auch in Habitus und Farbe Charakter besitzen. Wer dann Bier machen will, findet im Netz jede Menge Ratschläge, wie es weitergeht. Oder kauft Sixpacks.

Paris (Einbeere). Die Einbeere braucht Schatten, feuchten Boden, Kalk und kriecht unterirdisch weiter. Die Blüte und nachher die Beere sind ziemlich eigenartig, streng in der Form und ungemein elegant. Die klare Geometrie der Blüte ist faszinierend, die Farben exklusiv. Von Paris gibt es auch Gartenformen, in England mit ihren manchmal skurrilen Gartenexistenzen ist sie ziemlich populär. Die Pflanze ist giftig, aber nicht problematischer als zum Beispiel Schneeglöckchen. Falls Sie selbst einen ausgeprägten Charakter haben und dem Teufel einmal tief ins Auge schauen wollen («Schau mir in die Augen, Kleiner»): Im Volksmund heisst sie auch Teufelsauge.

Indigolupine oder falscher Indigo (Baptisia australis): Die Pflanze stammt nicht, wie man dem Namen nach vermutet, aus Australien, sondern aus Nordamerika und wurde von den Indianern vielfältig genutzt. Der blauende Saft wurde mangels echtem Indigo zum Blaufärben gebraucht, darum auch falscher Indigo. Die Pflanze liebt eher sauren Boden und etwas feuchten Grund. Sie wird hoch, über einen Meter. Das kühlgrüne Laub und die blauen Blüten geben der Pflanze einen eigensinnigen Charakter, der im Herbst durch die schwarzen, klapprigen Schoten verstärkt wird. Ein cooler Background für die «Gardenlounge».

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