Pflanzen in der Kunst

Ich weiss ja schon, wem schöne Kartoffeln im Gemüsegarten das Ein und Alles sind, hat möglicherweise kaum Interesse dafür, was Pflanzen in der Kunst verloren oder eben bewirkt haben. Das ist für mich völlig in Ordnung.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Ich weiss ja schon, wem schöne Kartoffeln im Gemüsegarten das Ein und Alles sind, hat möglicherweise kaum Interesse dafür, was Pflanzen in der Kunst verloren oder eben bewirkt haben. Das ist für mich völlig in Ordnung. Mein missionarischer Eifer geht nicht so weit, jeden Schrebergärtner zum Kunstexperten zu machen. Trotzdem merke ich immer wieder, wie das Wissen über Zusammenhänge von Natur, Pflanzen und Kulturerrungenschaften Leute zum Staunen bringt.

Der Goldene Schnitt ist ein Verhältnis, das viele kennen. So verhalten sich Länge zu Breite beim Druckformat Oktav wie der Goldene Schnitt. Die wenigsten aber wissen, dass dieses Verhältnis vielfach in der Natur vorkommt. So sind die Blattansätze bei vielen Pflanzen, von oben betrachtet, nach dem Goldenen Schnitt angeordnet, die Schuppen eines Tannzapfens, die Kerne einer Sonnenblume, ein Efeublatt auch. Der Goldene Schnitt ist eine Gesetzmässigkeit, die früher als gottgegeben betrachtet wurde. Dass ein Druckpapier solche Proportionen hat, zeigt, dass Alltagsprodukte durchaus ästhetische Grundlagen haben.

Akanthus blüht auch in unserem Garten, bekommt leider immer wieder Mehltau und hat einen Dorn, wo man ihn nicht vermutet: In der Blüte. Nachgebildete Akanthusblätter spielen seit vorchristlicher Zeit eine grosse Rolle in der Architektur. So sind die Kapitelle korinthischer Säulen aus Ornamenten von nachgebildetem Akanthus entstanden.

Der Dom von Florenz hat mich gerade wieder an der Sommervelotour trotz Hitze fasziniert wie kein anderes Gebäude, das ich je gesehen habe. Über und über ist er mit floralen Ranken versehen, aus schönstem weissen Marmor.

Die symbolisierte Lilie ist seit Jahrhunderten als Symbol von Reinheit und Macht verwendet worden, von den Royals über die Marienverehrung, Pfadfindern bis zum Beerdigungsinstitut. Dabei wird die Blume so abstrahiert, dass sie eigentlich nicht mehr als Lilie zu erkennen ist. Kaum ein Künstler, eine Künstlerin, bei denen nicht Pflanzen eine wichtige Rolle spielen. Der Zugang zur Kunst gelingt manchmal nicht, für andere besteht da überhaupt kein Bedürfnis. Ich glaube aber, dass es manchem Künstler gelungen ist, das Wesen gewisser Pflanzen richtiggehend zu offenbaren.

Ich erwähne nochmals Monet, der mit seinen Seerosenbildern mehr erzählt über diese Pflanzen als jeder Gartenbesuch und jedes Gartenlexikon.

Schon klar, Seerosen kann man nicht essen, «Härpfl» schon.