Pfarrerin: «Da tobt das wahre Leben»

An Pfingsten werden in den evangelisch-reformierten Kirchgemeinden des Rheintals zahlreiche Jugendliche konfirmiert. Pfarrerin Manuela Schäfer zieht Parallelen zwischen dem Pfingstfest der Urkirche und der Wirkung, die der Heilige Geist auch in der heutigen Kirche haben kann.

Monika von der Linden
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Für Pfarrerin Manuela Schäfer ist der menschliche Atem das schönste Symbol für den Heiligen Geist. Der Atem ist ihr am nächsten, sie kann ohne ihn nicht leben und vergisst ihn doch oft. (Bilder: Monika von der Linden)

Für Pfarrerin Manuela Schäfer ist der menschliche Atem das schönste Symbol für den Heiligen Geist. Der Atem ist ihr am nächsten, sie kann ohne ihn nicht leben und vergisst ihn doch oft. (Bilder: Monika von der Linden)

Berneck. Lange bestand in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen die Tradition, Jugendliche am Karfreitag zu konfirmieren. Das Bekenntnis zum Glauben erhielt mit der Verbindung zum höchsten Feiertag eine besondere Bedeutung. Um dem besinnlichen Charakter am Todestages Jesu gerecht zu werden, entschlossen sich viele Kirchgemeinden, die Konfirmation auf den Palmsonntag zu verlegen. Damit blieb die zeitliche Nähe zum Osterfest und Abendmahl bestehen.

Im Jahr 1988 fasste die Synode den Beschluss, die Konfirmation solle zwischen Auffahrt und den Sommerferien gefeiert werden. Die zeitliche Loslösung vom Osterfest begründet Pfarrerin Manuela Schäfer gegenüber unserer Zeitung mit dem nahenden Ende des Schuljahres und der Entkopplung der Konfirmation vom Empfang des ersten Abendmahles. Ein Kind könne nicht zu jung für Jesus sein. Ausserdem erachtet es die Pfarrerin als schwierig, für den Empfang des Abendmahles den Aspekt des Verstehens zu Grunde zu legen. Menschen mit einer geistigen Behinderung dürfen nicht vom Abendmahl ausgeschlossen werden, was eine logische Konsequenz wäre. Heute werden Kinder in der vierten Primarklasse durch einen Katecheten oder eine Katechetin auf das erste Abendmahl vorbereitet.

Symbole erklären bildhaft

Heute wird in den Kirchgemeinden des Rheintals vielfach an Pfingsten oder am Trinitätssonntag konfirmiert. An diesen beiden Festen steht der Heilige Geist im Zentrum. Um die Vorgänge des Pfingstereignisses verständlich zu machen, haben die Schriftsteller der Apostelgeschichte Symbole verwendet.

50 Tage nachdem Jesus gekreuzigt und an Ostern von den Toten auferstanden war, feierten die Juden in Jerusalem das Wochenfest Schawuot (50 Tage nach Pessah). Jesus war einigen der Jüngerinnen und Jünger erschienen. Doch diese Erscheinungen hörten an Auffahrt auf und die irdische Gegenwart Jesu war für sie nicht mehr fassbar. Sie hatten Angst und fühlten sich verlassen. An diesem Tag waren waren sie alle an einem Ort beisammen. In irgendeiner Form gab es auf einmal eine wilde, kraftvolle gar stürmische Bewegung, von der die Jüngerinnen und Jünger ergriffen wurden. Symbole, die diese Bewegung zum Ausdruck bringen und auf den Heiligen Geist hindeuten sind Feuerzungen, Wind, Sturm oder die Taube.

Eine Leben spendende Kraft

Manuela Schäfer beschreibt den Begriff des Heiligen Geistes als eine Leben spendende und bewegende Kraft Gottes, die nicht sichtbar, aber spürbar ist. Gerade Jugendliche zeigen Energie und Dynamik, wenn sie sich für etwas begeistern können, wenn sie von etwas Feuer gefangen haben.

Diese Begeisterung spürt die Pfarrerin auch bei den Konfirmand/innen. Sie zeigen Mut, über ihren Glauben zu reden, und bringen das stürmische Element von Pfingsten in die Kirche ein. «Da tobt das wahre Leben», unterstreicht sie. Auf dem Weg zur Konfirmation möchte sie die Jugendlichen ermutigen, sich mit ihrem Glauben weiter auseinanderzu- setzen. Sie sollen weiter Fragen stellen, kritisch sein und Antworten finden. Wenn sie diese – in der Kirche gelernten – Fähigkeiten auf das gesamte Leben ausweiten, haben sie das nötige Handwerkzeug, das gesellschaftliche Leben mitzugestalten. Die jungen Menschen haben verschiedene Begabungen empfangen und möchten nun etwas daraus machen.

Wichtiger Ablösungsprozess

Vielfach werde behauptet, so Schäfer, Jugendliche werden aus der Kirche raus konfirmiert. Dies sieht sie keinesfalls so. Es sei gut und normal, wenn sich junge Menschen auf dem Weg des Erwachsenwerdens abgrenzen. Dieser Prozess in der Kirche sei vergleichbar mit der Ablösung vom Elternhaus. Selbständig und kritisch zu sein, heisse nicht, automatisch, einen Bruch zu vollziehen.

Evangelium verstehbar erzählen

So wie es Symbole braucht, um das Pfingstereignis verstehen zu können, so muss auch das Evangelium in der Form erzählt und erklärt werden, dass Jugendliche es verstehen können, ist Schäfer überzeugt. Nicht die Jugendlichen müssen eine für sie fremde Sprache erlernen, sondern die Kirche muss mit ihnen reden.

Den Akt der Konfirmation sieht Schäfer als einen intimen Moment an. Sie legt den Jugendlichen – als äusseres Zeichen der Verbindung zu Gott – ihre Hände auf. Mit dieser Geste der Einsegnung stellt sie zeichenhaft dar, was im Alltag geschieht. Die Nähe Gottes wird konkret erfahrbar.

Feuerzungen als Symbol für das Brausen des Heiligen Geistes – dies setzte der Pfarreirat von Rüthi vor einigen Jahren ergreifend in Szene.

Feuerzungen als Symbol für das Brausen des Heiligen Geistes – dies setzte der Pfarreirat von Rüthi vor einigen Jahren ergreifend in Szene.

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