Kriessern
Pepe hält das Rheinbord sauber: Der Labrador sammelt mit Freude Abfall auf

Esther Baumgartners Labrador apportiert Schuhe, PET-Flaschen und was der Rhein sonst noch an Abfall anspült.

Max Tinner
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Pepe hat Freude am Apportieren.

Pepe hat Freude am Apportieren.

Bild: Max Tinner

«Gang’s go holä!», ruft Esther Baumgartner-Jako­ber ihrem Hund Pepe zu und deutet auf ein grünes Etwas, das in der Rheinvorstreckung in den Bodensee auf einer Sandbank in Ufernähe liegt. Pepe spurtet los und kommt damit in der Schnauze zurück. Esther Baumgartner kann sich ein Lachen nicht verkneifen: «Den Zmittag haben wir schon!»

PET-Flaschen, Schuhe und jede Menge Bälle

Das grüne Dings ist eine Gurke. Das letzte Hochwasser hat sie beim Abschwellen auf der Sandbank liegenlassen. Nebst viel Unrat, der nun ebenfalls am Ufer liegt oder unweit davon im Wasser schwimmt. Vor allem PET-Flaschen, Stoff- oder Kunststofffetzen – und der eine oder andere Schuh: hier ein Kinderschühlein, dort die ausgetretene Galosche eines buchstäblich auf grossem Fuss lebenden Mannes, ein paar Meter weiter ein Lederschuh, der der­- massen zerfleddert ist, dass er halbe Ewigkeiten im Rhein gelegen haben dürfte und mit der Zeit vom Wasser, Sand und Kies schier zerrieben worden ist.

Auch Bälle jeder Grösse hat Pepe schon viele eingesammelt: Tennisbälle, Volleybälle, Fussbälle… Die intakten verschenkt Esther Baumgartner jeweils. Die anderen landen mit dem übrigen Abfall im Kehrichtsack, den sie jeweils auf die gemeinsamen Spaziergänge mit Pepe mitnimmt. In der Regel ist er nach anderthalb bis zwei Stunden voll.

Für den Hund ist es ein spassiges Spiel

Zwei-, manchmal dreimal die Woche ist Esther Baumgartner mit ihrem sechsjährigen Foxred- Labrador-Rüden dem Rhein entlang unterwegs und lässt ihn Abfall apportieren. Die Tage dazwischen darf er sich ausruhen, damit die gemeinsamen Sammeltouren für ihn das spassige Spiel bleiben, als das sie angefangen haben: Während eines Spaziergangs am Zapfenbach hatte Pepe eine PET-Flasche aus dem Wasser geholt und sie schwanzwedelnd Esther Baumgartner gebracht.

Statt ihn zu tadeln, weil er Abfall angeschleppt hatte, lobte sie ihn. Es sei eine spontane Reaktion gewesen, sagt sie. Ihr habe gefallen, wie sich der Hund darüber freute, ihr etwas zu bringen. Das liege in seiner Natur; die Rasse sei zum Apportieren gezüchtet worden, erklärt Esther Baumgartner. Warum also nicht den Trieb des Hundes nutzen und den Abfall einsammeln, der der Natur ohnehin nur schade, habe sie sich überlegt.

Sie macht dies gezielt – eben: «Gang’s go holä!» Pepe soll auf Befehl apportieren. Auch zu seinem Schutz, damit er nichts holt, woran er sich verletzen könnte. An Scherben zum Beispiel. An solchen hat sich der Hund schon einmal böse die Pfoten verletzt. Nicht beim Abfallsammeln, sondern nur, weil er – so Wasser liebend wie er ist – in den Zapfenbach gesprungen war. Am Grund hatte eine zerborstene Glasflasche gelegen. Es war nicht die einzige, wie Esther Baumgartner bald feststellte. Es dürfte daran liegen, dass der Radweg dem Bach entlang viel befahren ist und manche gar leichtfertig mit ihrem Leergut umgehen.

Hygienemasken sind schnell verloren, Brot nicht

Esther Baumgartner ist niemand, der die Leute vorschnell verurteilen mag. Vieles sei so schnell mit etwas anderem aus dem Hosensack gezogen, meint sie. Hygienemasken zum Beispiel. Während viele sich über die blauen Fetzen aufregen, die überall am Strassenrand liegen, nimmt Esther Baumgartner sie einfach zusammen. Oder lässt Pepe sie ihr bringen.

Hässig wird die Kriessnerin aber, wenn sie verdorbene Lebensmittel findet. Verschimmelte Sandwiches zum Beispiel. Ein Hund, auch der von sonst jemand, habe die schneller gefressen, als die Halterin oder der Halter ihn davon abhalten könne. «Das schimmlige Brot ist für den Hund aber bares Gift.» Anders als eine Hygienemaske oder ein Papiernastüechli verliere man ein Sandwich aber nicht einfach so, ist Esther Baumgartner überzeugt.

Bald fischt Pepe auch PET-Flaschen aus dem See

Seit dem Malheur mit den Scherben meidet Esther Baumgartner den Zapfenbach. Lieber geht sie mit Pepe an den Rhein. Zwischen den letzten beiden Hochwassern ist sie den inneren Damm von Montlingen bis ans Ende der Vorstreckung in den See mit Pepe abgegangen. Auf beiden Seiten. Sauber bleiben wird das Ufer freilich nicht. Das nächste Hochwasser wird neuen Abfall anspülen. Oder in den Bodensee hinaus tragen.

Auch aus jenem will Esther Baumgartner bald einmal mit Pepe PET-Flaschen und Tennisbälle herausholen: Sie hat sich ein Stand-up Paddle zugelegt. «Wir üben momentan verschiedene Szenarien», erzählt Esther Baumgartner und lacht: «Hund fällt ins Wasser, Frauchen fällt ins Wasser…»

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